Premierenparty in New York: Dee Dee (Meryl Streep) und Barry (James Corden) tanzen auf dem Tisch. © MELINDA SUE GORDON/NETFLIX
Streaming

„The Prom“ auf Netflix: Meryl Streep und James Corden als Broadway-Stars

Der Film „The Prom“ ist ein Musical, wo die Intoleranz mal eben weggetanzt wird. Der Streifen glänzt mit Stars wie Meryl Strepp, und Nicole Kidman – und mit exzellenter Choreografie.

Es gibt Momente, wo die Überwältigungskniffe greifen, die man von der gut geölten Show-Maschine am Broadway kennt. In poppig buntem Dekor tanzt ein aufgekratztes Ensemble, ein Star wie Meryl Streep singt dazu, das hat Schmiss und Pepp.

Maßgeschneiderter Herzenswärmer

Solche Szenen sind die Highlights von „The Prom“ (neu bei Netflix), der Filmversion eines Broadway-Musicals, das sich als maßgeschneiderter Herzenswärmer für die schwul/lesbische Gemeinde beschreiben lässt. In einer Kleinstadt darf eine Schülerin nicht mit Freundin zum Abschlussball, nur Hetero-Paare sind erlaubt.

Aus New York rückt daraufhin eine Truppe von Musical-Darstellern an, um den Hinterwäldlern den Marsch zu blasen und das Fähnlein von Toleranz und Gleichheit zu schwenken.

In Wohlfühl-Verpackung

Den Fall des lesbischen Teenagers gab es wirklich. Aber dann wurde die Geschichte durch den Musical-Wolf gedreht, die Bitterstoffe durch Zucker ersetzt und in Wohlfühl-Verpackung am Broadway serviert.

Problemen auf den Grund zu gehen, ist nicht gerade die Stärke der Musicals, auch wenn etwa die „West Side Story“ allerbeste Ansätze zeigt.

Und so schleppt „The Prom“ einen Hang zu Verharmlosung und Menschelei mit sich herum, der aufkommt, wenn ein Stoff vorrangig unterhalten will.

Man darf also nicht zu viel erwarten von leichter Muse, aber Ryan Murphys Film macht es sich bequem und verschenkt viele Gelegenheiten zu mehr Tiefe.

Die Presse beeindrucken

So sind die New Yorker gar nicht die Gutmenschen, für die sie sich ausgeben. Eigentlich wollen Dee Dee (Meryl Streep), Barry (James Corden), Angie (Nicole Kidman) bloß ihr Image aufpolieren und die Presse beeindrucken.

Aus eitlen Selbstdarstellern werden mitfühlende Helfer. Bigotte Lesbenhasser lassen sich kraft eines Liedes umdrehen, Intoleranz kann man wegtanzen. Na ja, soweit dies.

Immerhin: Streep und Corden haben schöne Szenen, Jo Ellen Pellman gefällt als Mädchen in Not, Fotografie und Choreografie sind exzellent.

Über den Autor
Kultur-Redaktion
Wie sagte "Mr. Chance": Ich gucke gern!
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.