Frank (Paul Bettany, r.) liegt Wally (Peter Macdissi) bei der Beerdigung seines Vaters in den Armen. © Amazon Studios
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„Uncle Frank“ auf Amazon Prime: Melodram mit Herz und leichtem Zwinkern

Der Film „Uncle Frank“ erzählt vom Coming Out eines schwulen Amerikaners. Die Zeit dafür scheint nicht reif – der Ort schon garnicht. Eine Gratwanderung zwischen Drama und Komödienzwinkern.

Offen schwul sein in Amerikas Süden der 1970er-Jahre? Geht gar nicht, findet Literaturdozent Frank, der der Familie eine Scharade mit Scheinfreundin vorspielt, obwohl er einen Mann liebt.

Coming Out wider Willen

In New York, wo Frank lebt, weht ein Wind von Freiheit und Toleranz, aber bei den Landeiern in South Carolina gelten Schwule als krank und pervers. Franks Vater (der im Bilde ist) straft seinen Ältesten mit Zurücksetzung, Frank nimmt es hin und schluckt Wut und Frust herunter.

„Uncle Frank“ heißt ein Film von Alan Ball, der von einem Coming Out wider Willen erzählt und bei Amazon Prime zu sehen ist: Eine Gratwanderung zwischen Drama und Komödienzwinkern, wo Wohlfühl-Töne über Tragik siegen und das Finale zum Seelenwärmer tendiert.

Souveräne Darsteller

Das ist manchmal etwas glatt und gefallsüchtig, wird aber trotzdem nie seicht und lebt von souveränen Darstellern. Der wunderbare Paul Bettany ist als Frank zu sehen, die kesse Sophie Lillis als seine Nichte Beth, aus deren Perspektive erzählt wird. Schon als 14-Jährige schwärmt sie für ihren Onkel: „Er war der Einzige, der zuhörte und mich ernst nahm.“

Auf Franks Anraten nimmt Beth ein Studium in New York auf, weit weg von der Enge der Provinz. Bald kommt sie hinter das Geheimnis ihres Onkels. Sie lernt dessen Freund Walid alias „Wally“ kennen (Peter Macdissi), und ist kein bisschen schockiert. Im Gegenteil. Sie verehrt Frank umso mehr.

Roadmovie-Intermezzo

Das Verhältnis von Onkel, Freund und Nichte ist von Großherzigkeit und Güte geprägt, die auf dem Prüfstand stehen, als Franks Vater stirbt, und das Trio in den Süden fährt. Nach einem Roadmovie-Intermezzo muss Frank entscheiden, ob er den Verwandten seinen Freund vorstellt.

„Uncle Frank“ ist ein Loblied auf die Familie, ein Plädoyer für ein Leben ohne Zwang, unterhaltsam und mit einer Prise Moral. Nichts, was dagegen zu sagen wäre.

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Kultur-Redaktion
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