Edda (Alli Neumann) und Sam (Kostja Ullmann) geraten zwischen die Fronten. © Netflix
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„Wir können nicht anders“ auf Netflix: Ein blutiges Weihnachtsfest

In Detlev Bucks „Wir können nicht anders“ wird die deutsche Pampa zum Schauplatz einer Provinz-Posse. Die Autoren versuchen sich an schwarzem Humor. Ein ärgerlicher Flop.

Es gab eine Zeit, da war Detlev Buck der Mann, der das Lebensgefühl deutscher Provinz mit Treckerfahrer-Charme und knorrigem Witz auf die Leinwand brachte. Wir reden von Buckschen Frühwerken wie „Karniggels“ (1991) und „Wir können auch anders“ (1993). Lange her.

Der neue Buck ist bei Netflix zu besichtigen. Er heißt „Wir können nicht anders“ und soll im Titel sicherlich an das Roadmovie mit Joachim Król und Horst Krause erinnern, die damals die deutsche Pampa durchquerten. Die machen Buck und sein Co-Autor Martin Behnke nun zum Schauplatz einer Provinz-Posse, die sich an schwarzem Humor versucht.

In Amokläufer-Laune

Es gibt Tote und Verletzte, was niemanden zu jucken scheint. Die Landeier eines Dorfes (irgendwo im deutschen Osten) feiern ein blutiges Weihnachtsfest, zum Hohn ertönt aus dem Off ein gesungenes Kyrie eleison.

Der Dorf-Macho (Sascha Alexander Gersak) macht Jagd auf den Liebhaber seiner Frau (Sophia Thomalla). Dass dabei auch andere ins Gras beißen, ist ihm schnuppe in seiner Amokläufer-Laune.

Zwischen die Fronten geraten Edda (Alli Neumann) und Sam (Kostja Ullmann), Zufallsbekannte, die erst vor Stunden ein Paar wurden. Edda stammt aus dem kleinen Kaff und merkt bald, dass ihr Heim ein Tollhaus ist.

Logiksprünge und abstrus konstruiert

Der Dorfsheriff will ihr an die Wäsche, man nimmt ihren Freund in die Mangel. Eddas Vater (Detlev Buck) sitzt an der Geburtstagstafel, während ringsum Zeter und Mordio gerufen wird.

Von seinen Logiksprüngen her ist der Film eine Farce, allerdings eine abstrus konstruierte, deren fröhlicher Sarkasmus kein bisschen amüsant ist.

Im Dorf wohnen Trottel, „Unsympathen“ und schräge Vögel wie Peter Kurth, der mit Gummistiefeln, Bademantel und Kalaschnikow herumschlappt und die gute alte DDR hochleben lässt. Flüchtlinge aus Afrika wuseln auch durch die Gemeinde.

Ein wohl ironisch gemeintes Zerrbild vom Landleben, das auf einen schalen Jux hinausläuft. Irgendwann fragt man sich, was dieser wirre Streifen uns eigentlich sagen will? Zu sehen ist ein Anti-Heimatfilm, eine Komödie ohne Komik, eine Satire ohne Biss. Ärgerlich.

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Kultur-Redaktion
Wie sagte "Mr. Chance": Ich gucke gern!
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