Kolumne

APPsolute Selbstoptimierung? Wie sinnvoll sind Gesundheitsapps?

Schrittzähler, Fitness-Tracker, Kalorienlimit und Co. – braucht man diese ganzen Apps wirklich? Annika Makowka wirft in ihrer Kolumne einen kritischen Blick auf Gesundheitsapps und -tools.
Gesundheitsapps gibt es in nahezu jeder erdenklicher Form – doch wie zuverlässig sind sie und was bringen solche Apps? Das hat sich Annika Makowka in ihrer Kolumne gefragt. © Adobe Stock/Makowka

Den Abnehmfortschritt verfolgen, die täglichen Schritte oder Kalorien zählen, sein Trinkverhalten überprüfen oder seinen Puls kontrollieren – für all das gibt es mittlerweile hunderte von Apps fürs Smartphone. Und dann sind da noch etliche passende Geräte wie Fitnessarmband oder Smartwatch, die man brauchen könnte, um jede Sekunde seines Tages und jedes potenzielle Symptom nachzuvollziehen.

Was spricht für Gesundheitsapps?

Grundsätzlich sind Gesundheitsapps erst einmal eine gute Sache: Denn viele Dinge und Aktivitäten, die sich auf die eigene Gesundheit auswirken können, laufen im Normalfall unbewusst ab.

Da fällt es einem zum Beispiel erst auf, wie wenig man sich tatsächlich bewegt, wenn der Schrittzähler nach einem Tag im Home Office gerade mal auf 200 Schritte kommt. Oder man hat sich eigentlich schon länger vorgenommen, mal mehr Wasser zu trinken und wird durch die entsprechende App rechtzeitig daran erinnert.

Und auch Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck können heute mithilfe moderner Smartwatches schneller erkannt werden – und Betroffene doch einmal davon überzeugen, dass ein Check-Up beim Arzt vielleicht keine schlechte Idee wäre.

Zudem gibt es erste Studien, die vermuten lassen, dass allein die regelmäßige Nutzung von Schrittzähler, Fitnesstracker und Co. Menschen dazu motiviert, ihr Verhalten anzupassen. Ganz nach dem Motto: Die App MERKT, wenn ich zu wenig für meine Gesundheit tue, also muss ich gegensteuern.

Warum sind Gesundheitsapps kritisch zu sehen?

Diszipliniert und ehrgeizig zu sein, ist ja erst einmal nichts Schlechtes, oder? In der Tat kann man Gesundheitsapps viele positive und motivierende Eigenschaften zuschreiben. Schwierig wird es jedoch dann, wenn der kontinuierliche Drang zur Selbstkontrolle und -optimierung immer weiter vertieft wird.

Positive Angewohnheiten aufzubauen, ist natürlich sehr löblich, doch wenn man schon nervös wird, sobald man zum Beispiel im Urlaub nicht täglich sein Gewicht tracken kann oder seine Mahlzeiten in eine App einträgt, sollten die Alarmglocken angehen.

Fehleranfällig und verschieden interpretierbar

Und auch Fehlinterpretationen werden durch Gesundheitsapps verstärkt. Es kann immer mal zu Messfehlern kommen, sodass zum Beispiel der Puls beim Joggen zu niedrig oder zu hoch angezeigt wird. Das kann für den Betroffenen dann zur Folge haben, dass er entweder über sein körperliches Limit hinausgeht oder sich vermehrt Sorgen um seine Herzgesundheit macht, obwohl damit alles in bester Ordnung ist.

Auf die Signale des Körpers hören

Wer regelmäßig Gesundheitsapps nutzt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass diese nicht immer zuverlässig funktionieren – und vor allem, dass es auch individuelle Faktoren gibt, die bei der eigenen Gesundheit eine wichtige Rolle spielen.

Es ist in jedem Fall sinnvoll, auch in sich selbst hineinzuhorchen und auf die Signale seines Körpers zu hören: Fühle ich mich heute überhaupt fit genug, um 10.000 Schritte zu machen? Habe ich wirklich das Gefühl, dass mein Herz schneller als sonst schlägt? Sollte ich jetzt schon ins Bett gehen, nur weil meine App mir sagt, dass es Schlafenszeit ist? Oder auch: Habe ich gerade Hunger oder Durst? Denn Sie kennen sich selbst doch immer noch am besten!

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