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Anna Bergmanns Büchner-Deutung produziert große Bilder und viel Leerlauf

Leonce und Lena

BOCHUM Regisseurin Anna Bergmann hat Büchners „Leonce und Lena“ in Bochum bildreich ins Heute geholt – und löst beim Zuschauer doch das Grundgefühl ihrer Hauptfiguren aus: Langeweile.

von Von Max Florian Kühlem

, 11.04.2010 / Lesedauer: 2 min
Anna Bergmanns Büchner-Deutung produziert große Bilder und viel Leerlauf

Moderne Königskinder: Sina Kießling als Lena und Ronny Miersch als Leonce im Büchner-Klassiker.

Nach den gelungenen „Menschen im Hotel“ und einer durchwachsenen „Alice im Wunderland“-Deutung hat man Bergmann erneut den Riesenapparat des großen Hauses zur Verfügung gestellt. Sie weiß ihn zu bedienen: Auf der Drehbühne (Matthias Werner) erschafft sie im ersten Durchgang eine Leonce- und eine Lena-Welt zwischen Christina-Aguilera-Videoclip und Calvin-Klein-Werbeästhetik. Während das wasserstoffblonde Model Lena sich auf ihrem Plüschbett räkelt, zerschlägt Kurt-Cobain-Verschnitt Leonce eine Gitarre. 

Da darf man sich erst einmal zurücklehnen, zwei imposante Choreografien und eine ausgelassene After-Show-Party mit Massenkuscheln und platzendem Koksballon bewundern. Den ersten Büchner-Satz spricht dann Putzmann Valerio: „Es grassiert ein entsetzlicher Müßiggang.“ An Bildern für die existenzielle Leere und Langeweile der modernen Königskinder mangelt es der Inszenierung also nicht. Nach der Pause finden sich Leonce und Lena nicht im warmen Italien, sondern auf Schlittschuhen in der Eiseskälte des Südpols wieder. Wer sie sind, was sie fühlen, warum sie sich ineinander verlieben, bleibt jedoch unklar. Trotz der Überfülle an Ideen findet die Inszenierung nicht zu einem stimmigen Gesamteindruck und produziert immer wieder Leerlauf.

Die angebliche Gegenwart, in die Anna Bergmann Büchners Figuren versetzt, wirkt zudem seltsam entrückt. Sie ist die der 90er-Jahre, als die New-Economy-Blase sich aufzublähen begann und Guillaume Paoli die „glücklichen Arbeitslosen“ erfand. Valerio, der in Bochum ihr Manifest, ein Hohelied auf den Müßiggang, verteilen lässt, wirkt so wie ein Spätzünder. Wirkliche Höhepunkte erreicht die Inszenierung da, wo sie sich ganz auf Büchners absurdes Theater verlässt: Die abschließende Hochzeit mit dem genialen Bernd Rademacher als König Peter vom Reiche Popo etwa ist unbedingt sehenswert. 

  • Termine: 12., 13., 25.4.; Karten: Tel. (0234) 33 3355 55