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Ruhrpott-Asterix verteidigt „Dat Revier“

Neuer Mundart-Comic

Der gebürtige Bochumer Kabarettist Hennes Bender hat den Asterix-Klassiker „Die Trabantenstadt“ ins Ruhrdeutsche übersetzt. Mit typischen Pott-Sprüchen schafft er dabei Lokalkolorit und spielt auch auf aktuelle Entwicklungen an.

Bochum

, 17.04.2018
Ruhrpott-Asterix verteidigt „Dat Revier“

Im neuen Asterix-Mundart-Band hat Übersetzer Hennes Bender den Comic-Helden viele typische Redewendungen aus dem Ruhrgebiet in die Sprechblasen geschrieben. Foto: Asterix® - Obelix® - Idefix ® / © 2018 Les Éditions Albert René

Wer den vierten Asterix-Mundart-Comic auf Ruhrdeutsch, „Dingenskirchen“, liest, könnte den Eindruck bekommen, der Band sei eigens fürs Ruhrgebiet verfasst worden. So gut passen die Zeilen, die Komiker Hennes Bender übersetzte, in die Illustrationen des Asterix-Klassikers „Trabantenstadt“ von 1974.

„Kommwa dennda hin?“

Um Strukturwandel geht es, der weder im idyllischen „Dorf vonne Galliers“, noch bei alteingesessenen Ruhrgebietlern gut ankommen dürfte.

Gleich zu Beginn verortet Bender das Gallierdorf in „Dat Revier“ und erklärt den Zusammenhang zur Besetzung durch Rom über die Beeinflussung des Ruhrgebiets durch die „Pannemänner“ mit Regierungssitzen in „Arnsbergia“, „Monasterium“ (Münster) sowie „Pagus Düsselus“.

Doch die Gallier lassen sich ihr Revier nicht nehmen: „Kommwa dennda hin?“, sagt „Bürgameista“ Majestix, der die Lage auf seinem Schild „vonne Luft aus scheckt“.

Bauprojekt „Dingenskirchen“ soll Sieg über Gallier einleiten

Zur Geschichte: Gentrifikatius (Anspielung auf soziale Umstrukturierung) ist Bauleiter oder „Stratege von dat ganze Projekt“ und ist im Wald ums Gallierdorf „am maloochen“.

Das Bauprojekt „Dingenskirchen“ soll den „Anfang vom Ende vonne Unbesiegbaren“, also den Galliern, einläuten. Die Comic-Helden Asterix, Obelix und „sein klein Kläffa Idefix“ machen „lucki, lucki“ und wollen den Bauarbeiten ein Ende setzen.

Rein geographisch eignet sich das gallische Küstendorf nicht für eine Ruhrgebietsadaption.

Gallier wohnen an der „Küste“ von NRW

So liegt es nordwestlich von Duisburgia und Bochonum sozusagen an der Küste von NRW. Doch der satirische Humor der Comicserie eignet sich ideal, um die Geschichte der Gallier im Revier spielen zu lassen: Die zugezogenen Römerinnen Inge und Else, die über ein „schnuckeliget Kaff umme Ecke“ tratschen, könnten ebenso dem Ruhrgebiet entsprungen sein.

Auch zu Galliern wie Obelix, die dem weltlichen „Schnick-Schnack“ mit ihrer direkten, herzlichen Art skeptisch gegenüberstehen, kann man sich gut ein Pott-Pendant vorstellen.

Comic spiegelt aktuelle Themen wider

Der Band glänzt durch pointierten Witz und Ideenreichtum („Stau auffa Alpha Quadraginta“) und schafft mit Ortsbezügen wie „Parkus Ruhrus“, dem „Centro mit angeschlossene Fressmeile“ oder der „Park-un-Reit-Arena auf Schalkum“ Lokalkolorit.

Zudem sind die Anspielungen im Band hochaktuell: Das „Rom Prima“ von „Julius sein Zähsah“ klingt stark nach Donald Trump, „Tim Buktu, der Schwatte“, Betriebsrat der „Gastahbeita“ weist auf das „Mobbing“ der Römer hin, und dann gibt es noch den „Singa-Songwreita“ Troubadix der bei der Lösung des Bauproblems eine entscheidende Rolle spielt.

Ein Comic, der mit seinem Buchstabenwirrwarr durchaus manchen Ruhrdeutsch-Kenner ins Grübeln bringen kann.

René Goscinny (Text), Albert Uderzo (Bild), Hennes Bender (Übersetzung): Asterix Mundart Ruhrdeutsch 4 – Dingenskirchen, Egmont Comic Collection, 12 Euro, ISBN 978-3-7704-3992-8.
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