26-jähriger rastet wegen Frau in Legdener Disko aus: „Ich wollte, dass sie dafür bezahlt.“

mlzDorf Münsterland

Ein 26-jähriger Legdener ist in der Disko der Dorfes Münsterland ausgerastet und schlug einen anderen Besucher mehrfach. Auslöser für den Ausraster war offenbar Eifersucht.

Legden

, 11.09.2019, 18:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kurios ist das Adjektiv, mit dem sich der Gerichtsprozess gegen einen Legdener (26) am Montagmorgen vor dem Amtsgericht Ahaus am treffendsten beschreiben lässt. Zunächst die Fakten: Gefährliche Körperverletzung und Anstiftung zur Sachbeschädigung wirft die Staatsanwaltschaft dem 26-Jährigen vor.

Im September 2018 soll er im Dorf Münsterland einem 25-jährigen Besucher zunächst ins Gesicht geschlagen haben. Als sein Gegenüber zu Boden ging, folgten laut Anklageschrift mehrere gezielte Tritte in Richtung Kopf. Im Anschluss habe der 26-Jährige die Disko verlassen.

Während er am Ausgang seine Beruhigungs-Zigarette rauchte, entdeckte er eine Frau, die den Streit in der Diskothek beobachtet hatte. Offenbar geriet er daraufhin erneut in Rage und stiftete seinen Kollegen an, das Auto der Zeugin zu demolieren. Durch das Zerschlagen einer Fensterscheibe entstand ein Schaden von gut 200 Euro. So weit die Ausgangslage.

Legdener räumt Schläge ein, aber bestreitet Tritte

Ja, er habe dem Legdener ins Gesicht geschlagen. Einmal mit der flachen Hand, dann noch einmal mit der Faust. Aber einen – oder gar mehrere Tritte – auf den am Boden liegenden Mann? „Niemals, auf gar keinen Fall“, beteuerte der 26-Jährige.

Er habe schlicht einen Wutanfall gehabt. „Ich bin seit meiner Geburt sehr impulsiv. Es war eine Dummheit“, erklärte er auf Nachfrage des Richters. Sein Leben sei nicht so gelaufen, wie er es sich vorgestellt habe. Immer wieder habe er mit familiären Problemen zu kämpfen.

Zu den Gründen, warum sich seine Wut ausgerechnet gegen den 25-jährigen Disko-Besucher richtete, gab der Legdener zunächst nur ausweichende Antworten: „Es hätte in diesem Augenblick jeden treffen können.“

Gleichzeitig deutete er aber auch ein Komplott gegen seine Person an: „Der Geschädigte und die Zeugin arbeiten im gleichen Betrieb. Er hat sie angestiftet, eine Falschaussage wegen des Autos und der Tritte zu machen.“

Eifersucht war offenbar der Auslöser für den Zwist

Besagte Zeugin, die den Angeklagten vor Verhandlungsbeginn mit Handschlag begrüßt hatte, nannte der Legdener immer wieder beim Vornamen. Sie könne eigentlich bezeugen, dass alles ganz anders ablief, als in der Anklageschrift erörtert. Auf Nachfrage des Richters gab der 26-Jährige an, zu ihr „eine Art Beziehung“ gehabt zu haben. Man habe mehrfach miteinander geschlafen.

In der Woche vor dem Vorfall im Dorf Münsterland herrschte dann aber offenbar Funkstille. „Ich habe sie an dem Abend gefragt, ob wir etwas zusammen trinken wollen, aber sie hat mich behandelt, als wäre ich ein Niemand.“

Als der Legdener sie dann später im Gespräch mit dem 25-Jährigen vor der Diskothek erblickte, brannten ihm die Sicherungen durch. „Sie hat mit mir gespielt und sich über mich lustig gemacht. Das ist etwas, das ich nicht ertragen kann. Ich wollte, dass sie dafür bezahlt“, räumte der Angeklagte dann doch ein.

„Warum haben Sie die Scheibe denn dann nicht selbst eingeschlagen“, wollte der Richter wissen. „So dumm bin ich nicht“, lautete die knappe Antwort des Legdeners. Ob er in diesem Moment auf den 25-Jährigen eifersüchtig gewesen sei? „Nein, auf gar keinen Fall.“

Zähne des Opfers in Mitleidenschaft gezogen

Der Richter sprach aus, was alle Beteiligten dachten: „Wir drehen uns im Kreis.“ Also probierte er, den Angeklagten mit den zwei Arztberichten zu konfrontieren. Mehrere Prellungen am Kopf und die Schwellung der rechten Gesichtshälfte wurden beim 25-Jährigen in der Notaufnahme festgestellt.

Der anschließende Besuch beim Zahnarzt ergab, dass unter anderem zwei Zähne und der Kiefer in Mitleidenschaft gezogen wurden. Für den Angeklagten war das ein Beweis, dass seine Geschichte der Wahrheit entspricht: „Wenn ich ihm Tritte ins Gesicht verpasst hätte, hätte er heute gar keine Zähne mehr im Mund. Ich bin zwar kein Hulk, aber kräftig.“

Wer in diesem Fall die Wahrheit und wer die Unwahrheit sagt, konnte am Montag nicht mehr festgestellt werden. Der Richter entließ die geladenen Zeugen, weil er sich an diesem Tag nicht gut fühle. Ein neuer Termin ist noch nicht angesetzt.

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