Als Diakon in Legden für die ganze Pfarrgemeinde da

mlzJosef Honermann

Josef Honermann, Ständiger Diakon für St. Brigida Legden und St. Margareta Asbeck, erzählt im Interview über Wendepunkte in seinem Leben und das Ehrenamt.

von Andreas Bäumer

Legden

, 10.11.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Josef Honermann (56) ist Ständiger Diakon der Pfarrgemeinde St. Brigida-St. Margareta in Legden. Er lebt mit seiner Frau Ulla in Legden. Die beiden haben drei Kinder. Der Münsterland Zeitung erzählt er über Berufswege, Berufung und schwierige Entscheidungen. Das Interview fand kurz vor der Entscheidung für den neuen Legdener Pfarrer, Siegfried Thesing, statt.

Ständiger Diakon, was ist das und wie wird man das?

(Lacht ironisch) Ständig im Einsatz, ständig unterwegs, ständig ohne Geld arbeiten. Es ist ein Ehrenamt. Wir sind bis zu unserem Tod Diakon, das ist auch gut so.

Geweiht wurde ich 2012. Schon lange vorher war ich ehrenamtlich tätig, in der Jugendarbeit und neun Jahre als Pfarrgemeinderatsvorsitzender. Ich suchte dann ein Amt in der Kirche. Die einzige Möglichkeit – mit Familie und an den Wohnort gebunden – war das Ständige Diakonat.

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Im September 2008 begann ich das vierjähriges Theologie-Studium und die praktische Ausbildung zum Diakon. Dafür musste mich meine Frau freigeben, denn neben Frau und Kindern hatte ich ja auch noch 40 Stunden als Krankenpfleger zu arbeiten.

Wie war ihr Weg dahin? Wann fing das Interesse an?

Die Wurzeln meiner Berufung liegen in meiner Familie. Wir lebten unseren Glauben, waren katholisch, traditionell und konservativ. Das hat mich geprägt. Als Kinder beteten wir häufig, zum Beispiel an der Sankt-Josefs-Wegestation an unserem Bauernhof. Einen großen Einfluss hatte, dass vier meiner Tanten Ordensfrauen geworden sind.

In meinem Leben – ich war der Hofnachfolger – gab es einen deutlichen Bruch. Ich dachte, ich müsste den Hof übernehmen. Meine Eltern ließen mir mit 15 Jahren die Freiheit, diese Entscheidung selbst zu treffen.

Sie hätten sich auch dagegen entscheiden können. Wie war das?

Ich wusste vieles besser. Gleichzeitig habe ich mir gewünscht, bitte sagt ihr mir doch, was richtig ist. Ich entschied mich für die Ausbildung. Dann erlitt ich einen schweren Verkehrsunfall und wurde sehr krank. Mein Abschluss als Staatlich geprüfter Landwirt klappte, doch es ging mir immer schlechter, vor allem psychisch. Heute würde ich das als schwere Depression bezeichnen. Damals wusste ich das nicht.

Aber ich hatte das große Glück, meine jetzige Frau kennenzulernen.

Hat sie sie umgestimmt?

Ulla, meine jetzige Frau, machte gerade eine weitere Ausbildung – die zur Krankenschwester. Ich war psychisch und körperlich so fertig, dass ich nicht in der Landwirtschaft arbeiten konnte. Den Hof führt inzwischen mein Bruder.

Ich rettete mich in das Nächstbeste. Fast drei Jahre war ich selbst als Patient im Krankenhaus, immer mit Unterbrechung - immer konfrontiert mit Krankenpflege. Mit letzter Kraft bewarb ich mich in Bocholt. Das gelang. Nach drei Jahren Pflege-Ausbildung und drei Jahren Arbeit in Dorsten und Rheine fing ich an der LWL-Klinik für Psychiatrie in Münster an. Da bin ich jetzt 27 Jahre.

Wie ist die Arbeit einer psychiatrischen Klinik?

Die LWL-Klinik ist eine psychiatrische Fachklinik mit vielen Bereichen. Der Arbeitgeber lässt mir relativ viel Freiheiten. Natürlich gibt es extreme Belastung in dem Beruf und es gab Krisen, in denen ich dachte, ich kann hier nicht arbeiten.

Die ersten 15 Jahren arbeitete ich viel, Tag und Nacht, und bildete mir ein, dass ich nur so gut sei und alles verpacken könnte. Inzwischen mache ich keine Nachtwachen mehr und sorge besser für mich.

Seit dem 16. März arbeite ich auf der Corona-Aufnahmestation. Wir haben den Auftrag, eventuell mit Corona infizierte, psychisch kranke Patienten aufzunehmen. Im März waren wir ein Team von 40 Leuten. Jetzt sind wir noch 28. Mit 28 Leuten gut zusammenzuarbeiten, erfordert soziale Kompetenz, Vertrauen und Disziplin von allen, Fähigkeit zur Absprache und Kritik. Davon könnten sich viele Seelsorger eine Scheibe abschneiden.

Wie ist das denn mit der Teamarbeit in ihrer Gemeinde?

Im besten Fall arbeitet man arbeitsteilig und kollegial. Teamarbeit ist aber nicht die Stärke von Pastoralteams. Priester, Pastoralreferenten und Diakone lernen in ihrer Ausbildung nichts oder sehr wenig über gute Teamarbeit. Wir müssen als Mitbrüder und -schwestern um gute Zusammenarbeit ringen. Es geht dabei immer um Machtfragen, um Geld und um Ego – auch und gerade in der Kirche.

Es wäre schön, wenn nun ein neuer Pfarrer das fortführt, was wir wir jetzt unter dem Pfarrverwalter Thomas Diedershagen erleben. Wir sind zusammengerückt. Wir beginnen, ein Seelsorge-Team zu werden. Diedershagen weiß, dass er uns alle an einen Tisch bringen muss. Ich merke das daran, dass die Kollegen fragen: „Wann hast Du Zeit?“ Aber: Verantwortung für das Team haben immer alle.

Heute sehe ich, dass ich als Diakon die Freiheit habe, die Arbeit zu tun, die ich tun will und kann. Der Bischof ist zwar mein „Chef“, aber als Ehrenamtler kann ich meine Arbeit selbst organisieren.

Wie arbeiten sie als Diakon? Haben Sie ein paar Beispiele?

Ich habe lange Firm-Vorbereitung gemacht, leiste Predigtdienst, leite Krippenfeiern, stehe Hochzeiten und Taufen vor. In der Corona-Zeit hatte ich elf Taufen. Im Normalbetrieb waren jeden Monat oft mehrere Taufen. Für Menschen, die auf ein Requiem verzichten, stehe ich für den Beerdigungsdienst zur Verfügung und ich begleite Sterbende und ihre Familien. Dazu gehören auch die Trauergespräche und die sind mindestens so wichtig, wie eine Beerdigung selbst. Oft kommen auch kirchenferne Menschen zu mir.

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Diakon heißt übersetzt „Diener“. Der Diakon soll für die stehen, sorgen, die vertreten und schützen, die am Rande der Gesellschaft stehen.

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