Als Milli Vanilli vor 30 Jahren im Dorf Münsterland die Lippen zum Playback bewegte

mlzPop-Duo

Die Popgruppe Milli Vanilli war Ende der 80er-Jahre eine große Nummer im Musikbusiness. Auch im Dorf Münsterland trat das Duo 1989 auf. Das jedoch mehr schlecht als recht. Ein Rückblick.

Legden

, 31.01.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kennen Sie auch noch die Discopop-Gruppe Milli Vanilli? Fab Morvan und Rob Pilaus, produziert von Frank Farian, sorgten Ende der 80er-Jahre reihenweise für kreischende Teeniefans, die die Auftritte des Duos voller Enthusiasmus verfolgten. Da stellte auch der Auftritt in Legden im Dorf Münsterland Ende Januar 1989 keine Ausnahme dar. Überhaupt war das Dorf Münsterland Anlaufstelle für viele (damalige) Größen der Musikszene. So gaben sich im gleichen Jahr zum Beispiel auch Tony Marshall und Roy Black die Ehre.

Doch zurück zum Auftritt von Milli Vanilli, bei dem die Münsterland Zeitung live vor Ort war. Unser Mitarbeiter Rene Adler verfolgte das Geschehen und titelte danach: „Milli Vanilli von 1200 Fans gefeiert“. Dabei war der Auftritt als solches alles andere als lang. Erst gegen 22.40 Uhr kam das Duo auf die Bühne, um die Top-Hits „Girl, you know it`s true“ und „Baby, don`t forget my Number“ zu performen. Oder sollte man besser sagen: zu stümpern? Denn Rene Adler blieb nicht verborgen, was viele der Fans offenkundig nicht sahen oder sehen wollten – Fab Morvan und Rob Pilaus präsentierten während ihrer insgesamt rund vierzigminütigen Show einen katastrophalen Playbackgesang.

Schwierigkeiten beim Playback

Im Artikel umschrieb er diesen Umstand süffisant angehaucht wie folgt: Die Beherrschung des Playbackgesangs bereitete dem haitianisch-amerikanischen Pop-Duo ziemlich große Schwierigkeiten. „An sich war das Playback ja nichts ungewöhnliches, aber bei den Beiden habe ich gedacht ,Mensch, die haben das aber mal gar nicht geübt‘“, erinnert sich Rene Adler 30 Jahre später an die Geschehnisse. Die Lippenbewegungen hätten einfach nicht zum abgespielten Playback gepasst. „Ich weiß nicht, ob das sonst noch wer bemerkt hat, aber übersehen konnte man das eigentlich nicht.“

Was an dieser Stelle jedoch weder Rene Adler noch sonst wer ahnen konnte: Dies war nur die Spitze des Eisberges. Denn knapp zwei Jahre später, am 14. November 1990, gab Produzent Frank Farian bekannt, dass seine beiden „Künstler“ alles, aber nicht singen konnten. Sie standen lediglich auf der Bühne und bewegten die Lippen zum Gesang von Brad Howell, John Davis und anderen, richtigen Sängern. Damit war einer der größten Musikskandale der 90er-Jahre perfekt.

Auftritt als „live“ angekündigt

„Dass das solche Ausmaße annehmen würde, habe ich allerdings auch nicht für möglich gehalten. Das andere für die Beiden singen würden, konnte ich mir nicht vorstellen“, so Rene Adler. Schlechtes Playback hin oder her. Zusätzliche Ironie des Ganzen: Der Auftritt im Dorf Münsterland war als „live“ angekündigt. Eine dreiste Lüge. Gefallen hatte den Zuschauern der Auftritt dennoch. Von „begeisterten Fans“ und „lauthals mitsingen“ ist im Artikel zu lesen.

1200 Fans feierten Milli Vanilli bei ihrem Auftritt im Dorf Münsterland.

1200 Fans feierten Milli Vanilli bei ihrem Auftritt im Dorf Münsterland. © Archiv

Und wer sich jetzt fragt, was nach dem Skandal aus dem Duo wurde, dem sei gesagt: Im Grunde nichts mehr. Zwar gab es einen neuen musikalischen Anlauf unter dem Namen „The Real Milli Vanilli“, aber an die vorherige Erfolge konnte die Gruppe bei Weitem nicht mehr anknüpfen. Acht Jahre nach dem Skandal starb Robert Pilatus an einer Überdosis Alkohol und anderer Drogensubstanzen in seinem Hotelzimmer in Frankfurt am Main.

Fab Morvan lebt derzeit in den Niederlanden, arbeitet als DJ sowie Produzent und war 2004 im „Dschungelcamp“ zu sehen. Und: Er tritt nach wie vor auf. So auch am 12. Januar dieses Jahres im V-Club in Villach, einer Stadt im österreichischen Bundesland Kärnten. Der doppelte Clou daran: Natürlich performte Fab Morvan unter dem Namen Milli Vanilli. Mit an seiner Seite: Einer der Männer, der der Gruppe schon vor Jahrzehnten seine Stimme „geliehen“ hatte.

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