Das Stauwehr an der Düstermühle sorgt bei Legdens Anglern für Ärger. © Laura Schulz-Gahmen
Vollautomatisiertes Wehr

Angler-Frust: Probleme am Stauwehr Düstermühle noch nicht beseitigt

Seit das Stauwehr an der Düstermühle in Legden nicht mehr von Hand gesteuert wird, kommt es immer wieder zu Problemen. Das sorgt bei Anglern für Frust. Das kann auch der Eigentümer verstehen.

Die Dinkel ist ein beliebter Angler-Treff. Hier sieht man häufig Leute in Gummistiefeln, mit Eimern, Keschern und Angelrouten, die hoffen, dass Petrus ihnen einen guten Tag beschert.

Aber der Angelsportverein Legden (ASV) ist nicht zufrieden mit der Art und Weise, wie das Stauwehr an der Düstermühle betrieben wird. Willi Hölscher, Vorsitzender des ASV, und Andreas Terwey, Gewässerwart, werfen dem Eigentümer vor, das Wehr nicht ordnungsgemäß zu heben und zu senken.

Stauanlage regelt nicht richtig

Am Montag, 25. Januar, trafen sich deshalb die beiden Angler in Legden an der Düstermühle mit Dr. Olaf Niepagenkämper, Beauftragter für die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie beim Fischereiverband Nordrhein-Westfalen.

Willi Hölscher glaubt, dass dem neuen Eigentümer beim Kauf des Stauwehrs nicht klar war, dass er damit das Staurecht an dieser Stelle der Dinkel mit erworben hat. „Die Technik an der Stauanlage funktioniert nicht richtig“, sagt Willi Hölscher im Gespräch mit der Redaktion.

Immer wieder sei zwar etwas daran gemacht worden, doch noch immer werde das Wasser nicht fachgerecht gestaut, die Regelung der Anlage sei nicht in Ordnung. „Angeblich ist eine Automatik drin verbaut, aber man müsste es mehr steuern können, um den Wasserstand richtig anzupassen“, sagt Willi Hölscher.

Eigentümer hat Verständnis

Eigentümer des Stauwehrs an der Düstermühle sind Bernd und Christel Kock aus Ochtrup. Sie haben das Wehr modernisieren lassen, vor dem Erwerb wurde das Wehr noch von Hand gesteuert. „Wir haben viel Geld in die Hand genommen und in ein vollautomatisiertes System investiert“, sagt Bernd Kock im Gespräch mit der Redaktion.

Er verstehe das Anliegen der Angler, und am liebsten möchte er es allen recht machen. Immerhin sei von dem Wehr nicht nur das Revier des ASV betroffen. Das System soll dafür sorgen, dass der Wasserstand auch zwischen Heek und Schöppingen ausgeglichen ist. Derzeit sei das aber trotz aller Bemühungen noch nicht so, „weil es noch Probleme mit der Software gibt“, so Kock. „Das tut uns auch sehr leid“, sagt der Eigentümer.

Fisch- und Pflanzenbestand leidet

Aber warum ist der Wasserstand so wichtig? Ist im Sommer zu wenig Wasser da, vertrocknet der Laich, der an den Uferbereichen abgelegt wird. Kormorane und Fischreiher machen sich über die im flachen Wasser gefangenen Fische her. Die Folge: Der Fischbestand schwindet.

Olaf Niepagenkemper vom Fischereiverband NRW, Andreas Terwey und Willi Hölscher vom ASV Legden am Stauwehr an der Düstermühle (v.r.).
Olaf Niepagenkemper vom Fischereiverband NRW, Andreas Terwey und Willi Hölscher vom ASV Legden am Stauwehr an der Düstermühle (v.r.). © Laura Schulz-Gahmen © Laura Schulz-Gahmen

Angesprochen auf den teilweise niedrigen Wasserstand oberhalb des Stauwehrs, sagt Bernd Kock: „Es gab zwar in der Vergangenheit auch technische Probleme, aber man muss auch bedenken, dass der Wasserstand sich generell in den letzten Jahren verändert hat.“ Gemeint sind damit die hohen Temperaturen in den vergangenen Sommern.

Damit der Fischbestand in der Dinkel zwischen der Düstermühle und dem Bereich „Sohlesturz Preckel“ nicht immer knapper wird, hat der Angelsportverein Legden in den vergangenen Jahren immer wieder Fische im Wert zwischen 2000 und 3000 Euro hinzugekauft und in die Dinkel gesetzt.

Eigentümer will nicht behelligt werden

Der Eigentümer hebe und senke das Wehr, wie es ihm beliebt, „obwohl der Pegelstand eigentlich gehalten werden muss“ – diesen Vorwurf erhebt Olaf Niepagenkemper vom Fischereiverband NRW. Wenn das Wehr ständig geöffnet wird, fließen die Fische aus dem Revier von Willi Hölscher und Andreas Terwey ins Nachbar-Revier.

Ein Betreiber eines Wehrs müsse dem Pächter mindestens eine Woche, bevor er das Wehr hebt oder senkt, mitteilen, dass er das vorhat. So stehe es im Landesfischereigesetz Paragraf 41 „Ablassen von Gewässern“. Das ist bei einem vollautomatisierten System natürlich nicht möglich. „Es ist auch kein Mensch vor Ort, der nach dem Wasserstand guckt. Das ist ein großes Problem“, sagt Olaf Niepagenkemper. Eine ständige Absenkung des Wasserstandes sei jedenfalls keine Lösung.

Sauerstoffarmes Wasser tötet Fische

Insgesamt fehle auf einer Strecke von mindestens zwei Kilometern dauerhaft ein Meter Wasser. Wegen des Sohlabsturzes können die Fische bei Niedrigwasser auch dort nicht weiter. Das bedeutet, dass das Wasser sauerstoffarm ist und die Fische sterben. „Eigentlich sollte hier auch schon eine Fischtreppe hin“, sagt Olaf Niepagenkemper.

Dann könnten die Tiere leicht den Sohlabsturz überwinden und in tieferes Wasser flüchten. Diese müsse aber ebenfalls der Eigentümer anlegen lassen. Eine Fischtreppe sei zu 80 Prozent förderbar vom Land. Olaf Niepagenkemper sagt: „Er kann jedenfalls nicht tun und lassen, was er will.“ Wenn keine Besserung in Sicht ist, sei eine Anzeige nach dem Tierschutzgesetz nicht ausgeschlossen.

Bernd Kock sei bemüht es allen Parteien, den Anglern und den Gemeinden, recht zu machen, sagt er: „Ich habe ja nichts davon, wenn der Pegelstand nicht für alle im Ideallot ist.“

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen

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