Asbecker Geschichte mit Charme

Unterwegs mit ehrenamtlichen Fremdenführerinnen

ASBECK "Asbeck?" Nicht wenige Mitglieder des Münsteraner Vereins "frau und kultur" zucken ratlos die Schultern, als sie gestern Morgen im Bus erfahren, wohin ihre jährliche Überraschungs-Tour führt. Zwei Stunden später: "Asbeck - das ist 'was ganz Besonderes", schwärmt eine pensionierte Lehrerin: "Da gibt es ja soviel zu entdecken." Was alles, das haben ihr gerade Maria Pier-Bohne und Regina Hölscher gezeigt - zwei ehrenamtliche Fremdenführerinnen.

29.07.2009 / Lesedauer: 3 min

Treffpunkt Dormitorium: Den roten Backsteingiebel des Stiftsgebäudes, das vor über 800 Jahren einen Schlafsaal beherbergt hat, zur Linken und die romanische Stiftskirche zur Rechten blicken die rund 50 Frauen aus Münster geradeaus auf - nein, nicht auf Maria Pier-Bohne und Regina Hölscher, sondern an ihnen vorbei auf etwas, "das es so nur noch drei Mal in Deutschland gibt", wie die Führerinnen berichten: den doppelstöckigen Kreuzgang.

Kurzweilige Geschichte

Jetzt muss ein Exkurs in die 800-jährige Baugeschichte folgen. Das erwarten die kulturell interessierten Damen so. Andere würden es befürchten - unbegründeter Weise. Denn was was Maria Pier-Bohne und ihre Mitstreiterin den Gästen nun erzählen, ist nicht nur informativ und fundiert, sondern vor allem auch kurzweilig. Sie skizzieren mit ausgestrecktem Arm in der Luft die nicht mehr existierenden Verbindungen von Ober- und Untergeschoss zur Kirche. "Die adeligen Stiftsdamen brauchten also nicht mit dem einfachen Volk gin die Kirche zu gehen." Die Zuhörerinnen schmunzeln - die beste Voraussetzung jetzt die Anmerkung zu machen, die bei den Touristen in der Regel am besten ankommt, wie Maria Pier-Bohne weiß: die Geschichte von Therese von Zandt.

Therese geht immer

"Sie kam 1782 als Elfjährige aus Düsseldorf nach Asbeck, lernte hier fünf Sprachen und Gesang - und wurde später die Geliebte von Ludwig van Beethoven." Die wissenschaftlich begründete Anekdote erzielt auch dieses Mal wieder ihre gewünschte Wirkung: Die Zuhörerinnen sind amüsiert, fragen nach, diskutieren über den Einfluss auf die Arbeit des Komponisten.

Maria Pier Bohne geht weiter - über den Kirchplatz zum Küchenhof - und von der Liebe zum Verfall: "Das Stift wird 1803 säkularisiert." Die ganze Stiftsanlage beginnt zu verfallen - ein Umstand, der nicht nur im Juli 2009 die Gäste aus Münster empört, sondern schon rund 170 Jahre zuvor den preußischen Oberbaudirektor Karl Friedrich Schinkel. Klar kennen den alle: "In jedem Winkel steht ein Schinkel" - warum also nicht auch in Asbeck? Nur dass seine Rettungsversuch dort erfolglos blieb. "Der Kreuzgang wurde abgerissen, und einige Säulen wurden bei Ihnen in Münster wieder aufgebaut", erklärt Maria Pier Bohne. Wieder diese fragenden Blicke. Die Führerin lacht: "Im Diözesanmuseum am Domplatz, aber das ist 1966 ebenfalls wieder abgerissen worden."

Die Asbecker handelten prompt und holten die Säulen wieder ab. "Wie gut, dass die Asbecker so engagiert sind", freut sich eine Zuhörerin - sonst gebe es heute nicht das Dormitorium - und auch keine fachkundige Dorfführung. sy-

 

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