Asbecker Pflaumen gehören bei Enseling auf die Speisekarte

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Das Restaurant Enseling steht für westfälische Küche. Und weil Asbeck Pflaumendorf ist, kommen die Früchte nicht nur in den Kuchen, sondern auch zum Fleisch.

Asbeck

, 15.06.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Als 1908 der Landgasthof Enseling öffnete, stand noch der Kolonialwaren- und Viehhandel im Vordergrund. „Bi de Vatte“ hieß es, wenn man darüber sprach, so ist auf der Homepage zu lesen. So heißt heute noch eine Vesperplatte. Über die Jahrzehnte verschwand der Viehhandel. Die Familie Enseling ist geblieben und führt Hotel und Restaurant inzwischen in der dritten und vierten Generation.

Annemarie und Johannes Enseling können auf drei Töchter bauen: Ruth Vöcker steht in der Küche, Andrea Haring ist als Allrounder unverzichtbar, wie die Seniorchefin später erzählt, und Sabine Enseling ist für den Kuchen zuständig. Bekannt ist Enseling für seine tollen Torten und Kuchen weit über Asbeck hinaus. Sonntag nachmittags bleibt da oft kein Tisch mehr frei.

Asbecker Pflaumen gehören bei Enseling auf die Speisekarte

Tradition und moderne Elemente kommen im Restaurant zusammen. © Markus Gehring

Auch an diesem Mittwochabend sitzen einige Runden fröhlich beisammen. Die Einrichtung ist eine gute Mischung zwischen modern und traditionell, da fühlen wir uns gleich wohl.

Bei unserem Besuch taucht Annemarie Enseling immer mal wieder am Tisch auf und sorgt mit ihrer persönlichen Ansprache für eine gute Atmosphäre. Als unsere Karaffe mit 0,25 Liter Weißwein, die wir uns geteilt haben, fast leer ist, will sie mit Blick auf das leere Glas meines Begleiters gerne eine neue bringen. Eine geht noch, befindet sie, ändert aber, als wir uns als zwei Autofahrer outen, prompt ihre Meinung. „Dann kriegen Sie keinen Wein mehr“, sagt sie lächelnd, aber auch resolut, „der hat immerhin 14 Prozent.“ Uns gefällt die Ansprache (obwohl der Rivaner von der Mosel geschmeckt hat) und wir fügen uns und bleiben beim Wasser.

Asbecker Pflaumen gehören bei Enseling auf die Speisekarte

Reibeplätzchen mit geräuchertem Lachs und Senf-Dill-Sauce © Ronny von Wangenheim

Die Vorspeise

Die Wahl fällt schwer. Ich bin kein Suppenkasper und vermisse ein wenig kleine Vorspeisen, die nicht schwer im Magen liegen. Unter der Rubrik „Klein, aber fein“ finden sich Toast Hawai, gebackener Camembert oder sogar ein Mozartteller mit zwei Medaillons vom Schwein mit Birne und Brie überbacken, dazu Preiselbeermarmelade, Röstitaler und Salat (14,90 Euro). Letzteres sieht doch schon sehr nach einer Hauptspeise für den kleinen Hunger aus.

Kurz überlege ich, mich mutig an Münsterländer Töttchen (5,50 Euro) zu wagen, aber die freundliche Bedienung erläutert, dass dies auch keine kleine Menge sei. Na gut, dann muss diese Spezialität auf mich warten. Kurzentschlossen entscheiden wir uns, eine Vorspeise zu teilen. Drei Reibeplätzchen belegt mit geräuchertem Lachs und Senf-Dill-Sauce (10,90 Euro).

Die Reibeplätzchen waren leider etwas zu lange in der Pfanne und sind an den Rändern sehr dunkel. Aber es geht ja nichts über Röstaromen... Geschmacklich ist alles gut und die Portion für uns zwei perfekt.

Asbecker Pflaumen gehören bei Enseling auf die Speisekarte

Spargel mit Rumpsteak © Ronny von Wangenheim

Die Hauptspeise

Meine Begleitung nimmt die Spargelkarte unter die Lupe, die zum Spargel allerlei bietet. Die Entscheidung fällt auf das Rumpsteak, das medium gebraten serviert wird und sehr geschmackvoll ist (25,80 Euro). Geschmackssache dagegen ist die Sauce, angelehnt an eine Sauce Hollandaise. Vom Aussehen gleicht sie eher einem Vanillepudding, und sie schmeckt auch etwas zu süß, wie ich beim Probieren nur bestätigen kann.

Asbecker Pflaumen gehören bei Enseling auf die Speisekarte

Hauptspeise: Pfefferlendchen an Pfaumensauce © Ronny von Wangenheim

Meine Wahl steht diesmal schnell fest. Asbeck ist das Pflaumendorf. Unzählige Pflaumenbäume standen hier früher, im Herbst war das Dorf blau gefärbt. Und es gibt immer noch genug Bäume im Dorf, um im September beim Pflaumenfest Pflaumenkuchen in allen nur denkbaren Variationen anzubieten. Ich finde es mutig, Pflaumen in einem Hauptgericht zu verarbeiten. Gerade deshalb bestelle ich Pfefferlendchen an Pflaumensauce (17 Euro).

Serviert werden drei Medaillons Schweinefilet, dazu Kroketten und eben die dunkelrote Pflaumensauce, die auch eingekochte Pflaumen enthält. Die Pfeffernote harmoniert sehr gut mit der Süße und der leichten Säure der Sauce. Das macht richtig Spaß.

Zu beiden Hauptgerichten können wir uns außerdem einen Salat selbst zusammenstellen. Auch hier bietet die Mischung aus Rohkost und angemachten Salaten eine gute Auswahl.

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Das Dessert: Hausgemachte Rumpflaumen mit Vanilleeis und Zimtsahne © Ronny von Wangenheim

Das Dessert

Drei Desserts stehen zur Auswahl. Wir entscheiden uns noch einmal für Pflaumen und teilen uns eine Portion hausgemachte Rumpflaumen mit Vanilleeis und Zimtsahne (6,50 Euro). Mit zwei Kugeln Eis ist das auch die ausreichende Portion. Uns beiden schmecken auch hier die mit Rum eingelegten Pflaumen ausgezeichnet. So rundet das Dessert sehr schön einen gelungenen Abend ab.

Die Speisekarte

„Rustikal und lecker“ steht als Überschrift über dem größten Kapitel der insgesamt angenehm überschaubaren Speisekarte. Münsterländische Küche ist Programm. Fleischgerichte überwiegen. Das Fleisch kommt vom Metzger vor Ort, so hat es Ruth Vöcker bei einem früheren Termin schon einmal der Münsterland Zeitung erzählt.

Sie hat den Kochberuf von der Pike auf gelernt. Aber wenn es um Gerichte wie die Zwiebelsauce geht, greift sie gerne auf Rezepte der Großmutter zurück. „Die Oma, die hatte den Trick, der den Pfiff ausmacht“, erzählte sie uns damals.

Rustikal und lecker, das sind beispielsweise das Holzfällersteak mit grünen Bohnen und Röstkartoffeln (12,90 Euro), verschiedene Schnitzel-Variationen oder Schweinefilet mit Pfifferlingen (17 Euro). Wer Fisch mag, kann nur zwischen Matjes Hausfrauen-Art (12,20 Euro) oder Forelle Müllerin (18 Euro) wählen. Vegetarier können sich zwischen frittierten Champignons mit Kräuter-Dip (8,90 Euro) und einem Butter-Gemüseteller mit Röstinchen (12,90 Euro) entscheiden. Immer gibt es dazu einen Salat.

Die Getränke

Das Bier kommt von Veltins, 0,3 Liter kosten 2,40 Euro, die kleine Flasche Mineralwasser 1,80 Euro, die 0,3 Liter Apfelschorle 2,40 Euro und der Espresso 2 Euro. Wein gibt es vom Weingut Schwaab von der Mosel. Drei Weiß- und drei Rotweine stehe zur Auswahl für jeden Geschmack. Die 0,25-Liter-Karaffe kostet 6,50 oder 7,50 Euro, die Flasche 17,50 oder 18,50 Euro.

Die Preise

Bei den Hauptspeisen reicht die Bandbreite von Speckpfannkuchen mit Salat für 7,60 Euro, über „Asbecker Krüstchen“, also Schweineschnitzel mit Spiegelei dazu Röstkartoffeln und Salat für 10,90 Euro, bis zu Rumpsteak mit grünen Bohnen und Röstkartoffeln für 24,60 Euro. Gemessen an dem, was auf dem Teller geboten wird, sind die Preise absolut in Ordnung.

Kinderfreundlichkeit

Auf Wunsch gibt es eine Kinderkarte. Bockwürstchen, Fischstäbchen mit Reis und Salat, Pfannkuchen mit Zimt und Zucker, ein kleines Hähnchenschnitzel oder Wiener Schnitzel, jeweils mit Kroketten und Salat, gibt es zwischen 4 und 6,50 Euro. Wenn die Eltern im Biergarten sitzen, können die Kinder auf einem kleinen Spielplatz hinter dem Haus spielen.

Barrierefreiheit

Zum Restaurant führen Stufen hinauf, aber durch den Hoteleingang kommt man barrierefrei auch ins Restaurant und zu der rollstuhlgerechten Toilette.

Anfahrt und Parken

Rechts und links vom Haus finden sich genügend Parkplätze.

Das sagt das Netz

Bei Tripvisor gibt es nur zwei Bewertungen, eine davon für das Hotel. Das macht 4,0 Punkte. Der andere Besucher schreibt: „Man wird verwöhnt mit leckeren westfälischen Spezialitäten, hausgebackenem Kuchen und Getränken aller Art. Hier kann man nach einer langen Radtour ausspannen und sich erholen.“

Restaurant Info

Hotel Restaurant Enseling

Di+Mi 14-22 Uhr, Do-So 11-22 Uhr

Heeker Straße 37, 48739 Legden-Asbeck, Tel. (02566) 12 64

E-Mail: info@)hotel-enseling.de

www.hotel-enseling.de

Asbecker Pflaumen gehören bei Enseling auf die Speisekarte

Tradition und Moderne treffen im Restaurant zusammen. © Markus Gehring

Wie funktioniert der Restaurant-Check

Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale, zahlende Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich.
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