Ausgleichsmaßnaßnahmen für Windkraftanlagen

LEGDEN Mast an Mast drängen sie sich in der Bauerschaft Wehr: die weißen, hoch aufgeschossenen, dreiarmigen Windkraftanlagen. Nicht nur die Windvorrangzone BOR 06 ist inzwischen ausgebucht, auch die Ausgleichsmaßnahmen sind geleistet.

25.03.2009, 22:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

 Die 22 schlanken Riesen winken schon aus der Ferne: Unermüdlich lassen sie ihre bis zu 77 Meter langen Arme kreisen: Die Windkraftvorrangzone "BOR 06" auf dem Höhenzug zwischen Wehr und Schöppingen ist seit der Errichtung der letzten beiden Windräder Anfang des Jahres komplett - für jedermann unübersehbar. Die Ausgleichsmaßnahmen sind dagegen nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Nicht einmal für ortskundige Anlieger: In der Bürgerfragestunde zu Beginn der jüngsten Ratssitzung hat sich Alfons Herks aus Wehr erkundigt, wann denn die angekündigten Ausgleichsmaßnahmen geleistet würden.

Zur Kompensation der Flächenversiegelung und des erheblichen Eingriffs ins Landschaftsbild durch Schallimmission und Schattenwurf hatte die Genehmigungsbehörde - damals noch nicht der Kreis Borken, sondern noch die Bezirksregierung Münster - entsprechende Investitionen gefordert und eine Sicherheitsleistung festgelegt, wenn die Windparkbetreiber dem nicht nachkämen.

Diese 350 000 Euro brauchen die Windparkbetreiber aber nicht zu zahlen, wie der verwunderte Herks jetzt von Bauamtsleiter Dirk Wientges erfuhr. Denn: "Der Forderung nach Ausgleich ist bereits nachgekommen worden, wenn auch noch nicht alle Maßnahmen abgeschlossen sind" - allerdings nicht wie ursprünglich geplant direkt vor Ort, sondern auf drei Gemeinden verteilt.

In der Legdener Bauerschaft Deipenbrock nördlich des dortigen Gärtnereibetriebes entsteht eine zwei Hektar große, extensiv zu nutzende Gründlandfläche mit Kleingewässern. Die Einsaat steht nach Angaben der Kreisverwaltung kurz bevor.

In der Bauerschaft Wehr nördlich des Asbecker Mühlenbachs wurde zwischen der Kreisstraße 32 und der Landstraße 574 eine 9000 Quadratmeter große Streuobstwiese angelegt.

In Heek entsteht eine 2,1 Hektar große Feuchtwiese mit Blänken (Kleingewässern, die im Sommer austrocknen können).

In Gescher ist eine 3700 Quadratmeter große Weide renaturiert worden.

Anlieger Herks zeigte sich enttäuscht, dass die grünen Ausgleichsmaßnahmen entgegen der Zusage im Genehmigungsverfahren nicht direkt neben den weißen Riesen mit einer Nabenhöhe von 100 Metern entstanden sind.

Am Kreis Borken habe das nicht gelegen, begründet Karl-Heinz Gördes, Pressesprecher der zuständigen Behörde. "Einige Legdener Landwirte hatten uns die zunächst zugesagten Flächen für die Ausgleichsmaßnahmen doch nicht zur Verfügung gestellt." Da habe der Kreis andernorts gesucht - und gefunden. sy-Entwicklung: Von 1995 bis 2003 ist die Zahl der Windkraftanlagen in Deutschland um den Faktor 6, die Anlagenleistung um den Faktor 50 gestiegen. Anstoß war das Stromeinspeisegesetzes (StrEG) von 1990 und das Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) von 2000 mit Einspeisevergütungen. Genehmigung: Windenergieanlagen mit mehr als 50 Meter Gesamthöhe bedürfen einer Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG. Änderungen an bereits genehmigten Anlagen sind ebenfalls danach durchzuführen. Außerhalb von heute bestehenden Windenergie-Konzentrationszonen dürfen in der Regel keine neuen Anlagen errichtet werden.   Vergütung: Die Anfangsvergütung für neue Windenergieanlagen beträgt seit dem 1. Januar 2009, als die Novelle des EEG in Kraft trat, 9,2 Cent pro Kilowattstunde (bisher 8,03 Cent/kWh). Dieser Wert wird jedes Jahr um eine Prozent gesenkt (bisher zwei Prozent). Repowering: Für Windenergieanlagen, die mindestens zehn Jahre alte Anlagen ersetzen (Repowering) erhöht sich die Anfangsvergütung um 0,5 Cent/kWh. Die neue Anlage muss mindestens die doppelte Leistung erreichen. 

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