Baubeginn fürs Ärztehaus verschiebt sich

LEGDERN An der missglückten Honorarreform für niedergelassene Ärzte krankt jetzt auch die "Neue Mitte". Der Baubeginn des geplante Gesundheitszentrums verschiebt sich auf noch unbestimmte Zeit. Was das mit der Honorarreform zu tun hat, erklärt Dr. Volker Schrage.

13.03.2009, 15:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Baubeginn fürs Ärztehaus verschiebt sich

<p>Setzen weiter aufs Ärztehaus, das hinter ihnen errichtet werden soll (v. l.): Investor Ulrich Bogenstahl, Bürgermeister Friedhelm Kleweken und Initiator Dr. Volker Schrage. Lüttich-Gür</p>

Den beteiligten Medizinern fehle die Planungssicherheit. "Wir wissen im Moment ja noch gar nicht, wieviel Geld wir erhalten", so Initiator Dr. Volker Schrage. Fest steht für den Legdener Hausarzt und für seinen Partner Ulrich Bogenstahl, dem Investor und Eigentümer des Grundstücks im Herzen der Gemeinde: "Aus dem geplanten Baubeginn im April kann nichts werden." Wann es so weit sein wird, ist bislang noch offen. "Sobald wir verlässliche Zahlen vorliegen haben", sagt Dr. Schrage. Und sobald die Gesundheitspolitik den Medizinern vernünftigere Rahmenbedingungen für ihre Arbeit vorgibt. Weder Schrage noch seinen Berufskollegen liegen bislang die Honorarbescheide für das erste Quartal vor. Dass das, was dort draufstehen wird, kaum ausreichen dürfte, steht aber schon jetzt fest: Die Pauschalierung von 32,80 Euro pro Patient und Quartal - egal, wie oft der Kranke den Arzt aufsucht - lasse die Praxen ausbluten, so Schrage. Schließlich handele es sich bei dieser Fallpauschale nicht um Honorar, sondern um Umsatz, von dem die laufenden Kosten noch abzuziehen seien. Schrage schüttelt den Kopf: Das sei nun einmal kein Klima für größere Investitionen.

Trotzdem: Bogenstahl und Schrage, aber auch alle, die bereits ihr Interesse für eine der Praxen angemeldet hatten, halten an ihrem Projekt Gesundheitszentrum/Ärztehaus für Legden fest - "weil es eben einfach gut ist für alle Beteiligten", sagen Schrage, Bogenstahl und auch Bürgermeister Friedhelm Kleweken wie aus einem Mund.

Für die Gemeinde Legden: "Wir haben ein großes Interesse daran, den Ortskern attraktiver zu gestalten durch den Neubau und Menschen ins Zentrum zu bekommen", so der Bürgermeister.

Für Patienten: Sie brauchen keine weiten Wege mehr auf sich zu nehmen, sondern erhalten eine medizinische Rundumversorgung vor der Haustür. "Niemand muss mehr an drei oder vier verschiedenen Stellen seine Krankengeschichte erzählen und eine Blutprobe abgeben", so Schrage. Im neuen Ärztehaus würden die freiberuflichen Praxen miteinander vernetzt arbeiten.

Für Mediziner: Kooperieren, aber trotzdem freiberuflich bleiben - das ist neu und hat Projektcharakter, wie Dr. Schrage erläutert. Und es habe Vorteile gerade für junge Mediziner, bei denen es sich zu 70 Prozent um Frauen handele: Das Risiko einer Neugründung sei dann nicht so groß, die fachliche Herausforderung, im gemeinsamen Qualitätssystem mit Kollegen anderer Berufsrichtungen zusammenzuarbeiten, dafür um so mehr. Denkbar sei es auch, einen Ausbildungsverbund zu gründen - und Assistenzärzte auszubilden.

Für die medizinische Versorgung der Region: "Wir müssen nach Möglichkeiten suchen, Fachärtzte in die Fläche zu bekommen und Hausärzte hier zu halten", so Dr. Schrage, der stellvertretender Vorsitzender des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe ist. Sich auf dem Land niederzulassen, komme für junge Mediziner kaum noch in Frage - und die Honorarreform habe diese Entwicklung noch verschärft. Das Ärztehaus sei ein Ausweg aus drohenden Versorgungsnotstand. Zurzeit gibt es sieben Hausärzte in Legden – drei davon sind unter 56 Jahre alt. Für Dr. Volker Schrage (52), der vor 20 Jahren seine Praxis im Dahliendorf eröffnet hat, steht fest: „Wenn hier alles so weiter läuft, wird es für mich keinen Nachfolger gebe, wenn ich einmal in den Ruhestand gehe“ – genauso wie zuvor bei den Kollegen.   Noch will Dr. Volker Schrage nicht die Namen der Kollegen nennen, die sich bereits vor einem halben Jahr für eine der neun Praxen im Ärztehaus angemeldet haben. Fest steht, dass er selbst mit seiner Hausarzt-Praxis in den Neubau umziehen will. Andere Mediziner haben das auch vor oder planen Filialen im Ärztehaus. Außerdem sind Kooperationen mit anderen medizinischen Anbietern geplant. sy-

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