CDU und SPD freunden sich mit Bauplänen für das Kornhaus-Areal an

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Nach der dritten Beratungsrunde zeichnet sich nun eine Ratsmehrheit für das neue Wohnquartier auf dem ehemaligen Kornhaus-Areal ab. Die Nachbarschaft lehnt aber auch die neuen Pläne ab.

Legden

, 20.02.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Zuschauerränge im großen Sitzungssaal des Hauses Weßling waren am Dienstagabend voll besetzt. Viele Anwohner des ehemaligen Kornhausgelände wollten hören, was der Bauausschuss von den überarbeiteten Plänen der Architekten für das neue Wohnquartier hält. Am Ende verließen die Zuschauer die Sitzung unzufrieden. Weil die Bebauung ihrer Ansicht nach immer noch zu massiv ist. Und weil CDU und SPD sich mit den Plänen anfreunden können. Unterstützung erhalten die Anwohner von der UWG.

Massive Bebauung schrittweise zurückgenommen

Im letzten Jahr hatten alle drei Ratsfraktionen Stellung gegen die ersten Planungen bezogen. Im ersten Entwurf waren auf rund 12.000 Quadratmetern insgesamt 67 Wohneinheiten geplant, darunter fünf große Wohnhäusern mit je sieben Wohneinheiten.

CDU und SPD freunden sich mit Bauplänen für das Kornhaus-Areal an

Von 1943 bis 2016 prägte das Kornhaus die Bahnhofstraße. © Stefan Grothues

Nach der Abfuhr im Rat planten der Investor und seine Architekten eine Nummer kleiner: Nur noch 53 Wohneinheiten sollten entstehen, darunter nur noch drei große Wohnhäuser mit sieben Wohneinheiten. Außerdem wurden mehr Stellplätze eingeplant. Mit Einfamilien- und Doppelhäusern zur Straße Am Kornmarkt hin soll ein fließender Übergang geschaffen werden. Aber auch diese reduzierten Pläne stießen im November 2018 durchweg in allen drei Ratsfraktionen auf Ablehnung.

Nur noch 44 Wohneinheiten geplant

Das änderte sich am Dienstagabend angesichts weiterer Planänderungen, die Tobias Fleuth, Geschäftsführer des Architekturbüros Weitkamp + Partner, und seine Mitarbeiterin Sandra Suntrup dem Bauausschuss vorstellten. Jetzt sollen nur noch 44 statt der ursprünglich geplanten 67 Wohneinheiten gebaut werden.

CDU und SPD freunden sich mit Bauplänen für das Kornhaus-Areal an

Das Kornhaus an der Bahnhofstraße wurde im März 2016 abgebrochen. © Ronny von Wangenheim

Damit stehen rechnerisch für jede Wohneinheit 240 Quadratmeter Grundstücksfläche zur Verfügungen. Im ersten Entwurf waren es nur 160 Quadratmeter. Neu bemessen ist die jetzt 190 Quadratmeter große Kinderspielfläche. Zudem stehen nun mehr Stellplätze für Autos zur Verfügung, nämlich rechnerisch fast zwei pro Wohneinheit.

SPD: „Pläne sind für Legden verträglich“

„Alle Anregungen, die wir vorgebracht haben, sind bearbeitet worden“, urteilte Sigrid Goßling (SPD). „Die Bebauung ist weniger dicht, es gibt mehr Stellplätze, einen großen Spielplatz und auch Fahrradstellplätze. Der Plan ist so tragbar. Die neue Bebauung fügt sich in das vorhandene Wohngebiet ein. Das ist für Legden verträglich. Wir erkennen die Bemühungen des Investors an.“ Grundstückseigentümer und Investor ist der Legdener Unternehmer Jürgen Stapelbroek.

CDU: Eine ausgewogene Lösung

Der Einschätzung Sigrid Goßlings schloss sich auch Thomas Kockentiedt (CDU) an. „Es ist nicht immer einfach, die Interessenlage abzuwägen. Die Planer zeigen jetzt eine deutliche Bewegung hin zu den Interessen der Anwohner.“ Beispielhaft nannte er die Reduzierung der Wohneinheiten von 67 auf 44, die geringeren Gebäudehöhen und den Zuwachs an Stellplätzen. „Zwei Stellplätze pro Wohneinheit – das finden wir sonst nirgendwo in Legden.“

CDU und SPD freunden sich mit Bauplänen für das Kornhaus-Areal an

Das Gelände des abgerissenen Kornhauses wird seit 2016 als Wiese genutzt. © Markus Gehring

Thomas Kockentiedt schlug einen noch weiteren Bogen: „Wir brauchen ja Wohnraum in Legden, auch weil im neuen Industriegebiet an der A 31 neue Arbeitsplätze entstehen. Ich halte die jetzt vorliegenden Planungen für eine ausgewogene Lösung.“

UWG: Immer noch extrem hohe Verdichtung

Gerd Heuser (UWG) widersprach der Ansicht von CDU und SPD vehement. „Hier steht das Interesse vieler gegen das Einzelinteresse des Investors.“ Auch der jüngste Plan berücksichtigt nach Heusers Einschätzung nach nicht die Forderung der Petition von 94 Legdenern, die die Anwohner im November an Bürgermeister Friedhelm Kleweken überreicht haben. „Vorgesehen ist immer noch eine extreme hohe Verdichtung für Legdener Verhältnisse. Die viereckigen Flachdachkörper passen sich nicht in das Wohngebiet ein.“

In einer Sitzungsunterbrechung kam am Dienstagabend auch ein Sprecher der Anwohner zu Wort. „Es gibt viel Unmut“, erklärte Jürgen Heuser. „Unsere Petition wurde überhaupt nicht erfüllt. Die massive Bebauung trifft in das Herz unserer Nachbarschaft.“ Jürgen Heuser forderte eine Bürgerversammlung: „Wir als Anwohner wollen ausführlich zu Wort kommen. Wir wollen zusammen eine Lösung finden, die für alle verträglich ist.“

Rat muss entscheiden

Für die UWG stellte Gerd Heuser den Antrag, der Bauausschuss möge dem Rat empfehlen, eine Bürgerversammlung einzuberufen, bevor ein Beschluss über das vorgeschlagene Strukturkonzept erfolge. Mit den Stimmen der UWG, bei Enthaltung der SPD und Gegenstimmen aus der CDU wurde dieser Empfehlungsbeschluss gefasst.

Gleich darauf gab es Irritationen, ob auch eine Bürgerversammlung innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Öffentlichkeitsbeteiligung diesen Zweck erfüllen könnte. Dies hatte Bürgermeister Friedhelm Kleweken vorgeschlagen. Letztlich wird dies der Rat entscheiden müssen. Die nächste Sitzung findet am Dienstag, 5. März, statt.

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