Chaos im Kirchenschiff

Abendfantasien in Legden

Der Grat zwischen Genie und Wahnsinn ist schmal, genau wie die Grenze zwischen Ordnung und Chaos. Um den kleinen Schritt in einen vermeintlichen Abgrund ging es am Sonntag im dritten Teil der beliebten Reihe der Volkshochschule und der evangelischen Christus-Kirchengemeinde.

LEGDEN

von Von Anna-Lena Haget

, 06.11.2017, 18:17 Uhr / Lesedauer: 1 min
Einfach mal tun, wonach einem der Sinn steht – im Zuschauerraum brach vergnügte Unordnung aus.(2) haget

Einfach mal tun, wonach einem der Sinn steht – im Zuschauerraum brach vergnügte Unordnung aus.(2) haget © Anna-Lena Haget

„Heute wird es chaotisch, wovor viele Angst haben. Aber heute dürfen wir das“, kündigte Pfarrer Olaf Goos bei seiner Begrüßung die ganz besondere Soiree an. Gastmusiker Alexander Morsey und VHS-Direktor Dr. Nikolaus Schneider standen gemeinsam auf der Bühne, dem Altarraum im Kirchenschiff.

Ein zentraler Platz, der schon bald nicht mehr ausreichen sollte. Denn von dort aus verbreitete sich im Laufe der Veranstaltung die fröhliche Unordnung im gesamten Gotteshaus.

Der Essener Musiker leitete die Abendfantasie zum Buchstaben C mit dem dumpfen Dröhnen seines Kontrabasses ein. Der Bassist provozierte befremdliche Blicke, als er anschließend in ein scheinbares, klangliches Chaos verfiel. „Das ist Kunst. Das muss man nicht verstehen, sondern nur genießen“, urteilte ein Besucher. Morsey ebnete mit seiner wohlgestalteten Kakophonie den Weg für den Vortrag von Nikolaus Schneider.

Naturwissenschaften

Zunächst nahm er die Hörer mit auf einen kleinen Ausflug in die Geschichte der Naturwissenschaften. In seinem Exkurs zitierte er den Wissenschaftsjournalisten Dr. Stefan Frerichs und dessen Ausführungen zur Chaostheorie.

„Die Hoffnung der Naturwissenschaftler war, dass auch komplizierte Dinge sich so erklären lassen“, erklärte Schneider das deterministische Weltbild von Ursache und Wirkung.

Im letzten Teil der Abendfantasie, begleitet vom satten Brummen des Kontrabasses, brach ein heilsames Durcheinander aus. Schnell ließen sich die Zuschauer von der wohltuenden Anarchie mitreißen, küssten Frösche, tranken Bier und ließen Papierflieger durch das Kirchenschiff segeln. „In einer Kirche chaotisch sein, das hat vielleicht einen ganz besonderen Reiz“, so Pfarrer Olaf Goos.

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