Der weite Weg des kleinen Korns

Maisernte in Legden

Aktuell im Alltagsbild: Die großen Erntemaschinen, die den Mais vom Feld holen. Doch hinter dem gelben Kolben steckt mehr, als manch einer denken mag.

LEGDEN

29.09.2017, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit geduldiger Ruhe arbeitet sich die große Maschine unermüdlich durch die hohen Maispflanzen, die sich widerstandlos von ihr verschlingen lassen. Zehn Reihen gleichzeitig schlucken die Messer des John Deere 8600i Häckslers. Er zieht hier seit 7 Uhr seine Bahnen, teilweise sind die Häckselmaschinen zurzeit bis in die späten Abendstunden auf den Feldern zu sehen. Es ist Erntezeit.

Am Steuer der großen Maschine sitzt Rudi Finnah. Eigentlich ist er Maurer, aber für die Maisernte nimmt er sich Urlaub. Schon seit 25 Jahren. Wie für viele andere Mitarbeiter des Lohnunternehmens ist die Maisernte für ihn ein Highlight im Jahr. „Das macht schon Spaß mit den großen Maschinen“, sagt er. Die Besonderheit beim Mais? „Man kann bei Regen ernten.“ Er lacht. „Nein, ich weiß nicht, es ist einfach eine gute Zeit.“

Hoch technisiert

Der Mais, der gerade geerntet wird, wurde im April und Mai dieses Jahres gesät und ist seitdem gewachsen. 75 Prozent des Maisertrags werden gehäckselt, 25 Prozent etwas später gedroschen. Landwirt Christian Bomberg bricht eine Pflanze auf und nimmt ein einzelnes Korn ab. „Der schwarze Punkt hier zeigt, dass das Korn sich schon vom Strunk abgekapselt hat und die Energiezufuhr abgeschlossen ist. Es kann also geerntet werden.“

Es sieht beeindruckend aus, wie die großen Maispflanzen im Häcksler verschwinden und in ganz anderer Form aus dem großen Auswurfturm auf den Kipplader geworfen werden. Zuvor wird die Maispflanze in der Häckselmaschine zerkleinert, die Maiskörner werden im Körnerprozessor aufgebrochen. „Die Energie ist ja im Korninneren, und wenn zum Beispiel das Tier das Korn ganz schluckt, kommt es auch ganz wieder heraus“, erklärt Christian Bomberg.

Mais als Tierfutter

Neben der Biogasanlage kommen die gehäckselten Pflanzen im Rinderfutter zum Einsatz, Schweine fressen stattdessen Maisdresche, die nur das Korn enthält. Apropos Tiere: Unfälle mit Maisfeldbewohnern sind laut Rudi Finnah nicht an der Tagesordnung. „Die sind so schlau zu flüchten“, sagt er. „Das passiert deshalb fast nie.“

Metallgegenstände nimmt der Häcksler selbstständig wahr und stoppt. Und auch sonst ist er bestens ausgerüstet: Per GPS kann berechnet werden, an welcher Stelle der Mais quantitativ und qualitativ am besten war. Was trotz bester Technik nicht zu beeinflussen ist, bleibt das Wetter. In diesem Jahr hat das Sturmtief Sebastian Teile der Maisfelder abgeknickt, die der Regen dann weiter auf die Erde gedrückt hat. Dieser Lagermais ist schwer zu ernten: „Fünf Prozent Ertragsverlust verursacht der Lagermais“, sagt Christian Bomberg. Dennoch: „Der Mais steht gut auf dem Feld, es ist ein gutes Jahr.“

Energie aus Biogas

Auf dem Kipper fährt der gehäckselte Mais 2,5 Kilometer zur Biogasanlage, wo er aufgeschüttet, verdichtet und luftabgeschlossen gelagert wird, damit der Siliereffekt eintritt. 100 bis 140 Kipper gehen hier täglich über die Waage. Das ganze Jahr wird die Biogasanlage dann mit der Maisernte gefüttert und wandelt die Energie des Mais in nutzbare Energie um. „Bakterien zersetzen den Mais, dabei wird Metan frei“, erklärt Juniorchef Bernd Heuer. „Das Gas wird in den Dächern aufgefangen, damit wird ein Motor und damit wiederum ein Stromgenerator betrieben.“ 116 Hektar Mais erntet allein der Betrieb Heuer für seine Biogasanlage.

Der Prozess vom Saatkorn zur nutzbaren Energie ist faszinierend, doch das ist es nicht, was die Maisernte so besonders macht, sagt Christian Bomberg: „Das Tolle sind einfach die Teams.“ Ein Häcksler, vier Abfahrer und zwei Festfahrer bilden eine Kolonne. „Die freuen sich das ganze Jahr darauf und sind echte Freunde, die meisten haben als Kind schon mit Spielzeugfahrzeugen die Ernte gespielt. Das schweißt alle einfach zusammen.“

Lesen Sie jetzt