Drei Hunde griffen Radfahrer im Frettholt an – Hundehalter fuhr davon

mlzFrei laufende Hunde

Ein Radler wurde von drei Hunden angegriffen, einer biss ihm in die Wade, zwei in die Hose. Der Hundehalter will davon nichts bemerkt haben. Fahrlässige Körperverletzung wurde ihm vorgeworfen.

Legden

, 29.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vier frei laufende, große Hunde, von denen einer in die Wade eines Radlers gebissen hat, unterschiedliche Wahrnehmungen des Vorfalls und eine erst sehr spät ausgesprochene Entschuldigung: Bei der Verhandlung wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen einen 65-jährigen Hundehalter aus Asbeck fanden Richter und Staatsanwalt eigentlich wenig, was zugunsten des Angeklagten sprach. Dennoch gab es am Ende ein relativ mildes Urteil.

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Vor dem Amtsgericht in Ahaus stand am Dienstag ein Vorfall zur Verhandlung, der sich im März in der Asbecker Bauerschaft Frettholt ereignet hatte. Laut Anklage war ein 65-Jähriger aus Asbeck mit vier Hunden unterwegs. Ein Radfahrer fuhr an dem Angeklagten vorbei und ermahnte ihn, die Hunde anzuleinen.

Drei der vier Hunde seien dann dem Radler hinterhergelaufen, zwei hätten in das rechte Hosenbein, der dritte Hund in die linke Wade gebissen. Der Hundehalter habe die Hunde zu sich gerufen und sei davongefahren, ohne sich um den verletzten Radfahrer zu kümmern.

„Ich habe den Vorfall ein bisschen anders gesehen“

„Ich habe den Vorfall ein bisschen anders gesehen“, äußerte sich der 65-jährige Rentner aus Asbeck. Er bestätigte, dass der Radfahrer in ermahnt hätte, wegen der Rehe seine Hunde anzuleinen. Er habe die Hunde zu sich gerufen und der erste sei dann in den Kofferraum seines Autos gesprungen. Er sei damit beschäftigt gewesen und habe erst später bemerkt, dass die anderen drei Hunde dem Radfahrer hinterhergelaufen waren. Er habe die Hunde gerufen, die seien sofort gekommen, in den Wagen gesprungen und er sei gefahren.


„14 Tage später kam meine Frau aus dem Dorf und erzählte mir, dass unser Hund zugebissen hätte. Dann bin ich zu ihm hin, habe mich entschuldigt und habe es der Versicherung gemeldet“, erzählte der Angeklagte, der das Opfer seit Jahrzehnten kennt. Auf die Frage des Richters, warum er weitergefahren sei, sagte er: „Da habe ich mir nichts bei gedacht.“ Und dass die Hunde nicht angeleint gewesen seien: „Das machen wir im Dorf so.“

Drei Hunde griffen an: „Da war Blut“

Der Landwirt aus dem Frettholt, der den Hundebiss erlitten hatte, schilderte das ganze Geschehen im Detail etwas anders. „Nach 30 Metern zogen mich die Hunde vom Rad“, erzählte der 78-Jährige. Er sei nicht gestürzt, aber vom Rad abgestiegen und habe sich seine Wade angesehen: „Da war Blut.“

Er schätze den Vorfall auf eine Zeit von zwei bis drei Minuten und den Abstand zum Hundehalter auf 25, 30 Meter. „Als ich mich umgeguckt habe, habe ich nur noch die Rücklichter gesehen“, so der Landwirt weiter. Der Richter wandte sich daraufhin an den Angeklagten: „Sie wollen uns doch hier nicht ernsthaft verklickern, dass Sie nicht mitbekommen haben, dass da etwas passiert ist.“

Nein, er habe nicht gesehen, dass der Zeuge angehalten habe, bekräftigte der Angeklagte.

Sein Verteidiger fragte den Landwirt, warum er sich nicht bei dem Angeklagten gemeldet habe. „Ich habe an dem Tag nachmittags vier Mal angerufen und einmal auf den AB gesprochen. Als er dann drei Wochen später bei mir war, hat er gesagt, er habe das Telefon nicht gehört und der Anrufbeantworter sei kaputt“, erzählte der 78-Jährige. „Je mehr Sie fragen, umso schlechter wird es“, bemerkte der Richter in Richtung des Verteidigers, der daraufhin eine Pause beantragte, um sich noch einmal mit seinem Mandanten zu besprechen. Von den Anrufen habe er nicht gewusst, so der Anwalt.

Von einer Entschuldigung wusste das Opfer nichts

Nach der Pause stellte sich die Lage für seinen Mandanten dann nochmals schlechter dar. Er blieb dabei, dass er nicht wahrgenommen habe, dass der Landwirt gebissen worden sei. „Aber als er bei mir war, hat er gesagt, dass es der eine Hund gewesen ist. Und ich habe ihn gefragt, ob er nicht gerade ein Eigentor geschossen hat“, erzählte das Hundebiss-Opfer. Und an eine Entschuldigung seitens des Hundehalters konnte sich der Landwirt auch nicht erinnern. „Ich dachte, ich hätte mich entschuldigt. Aber wenn nicht, dann möchte ich mich hier in aller Form entschuldigen“, holte der Angeklagte es dann vor Gericht nach. Die nahm der Landwirt auch direkt an.

Staatsanwalt sah wenig Einsicht bei dem Hundehalter

„Einsicht war bei Ihnen schwer zu erreichen“, wandte sich der Staatsanwalt an den Hundehalter. Dieser hätte aus seiner Sicht mehr Sorgfalt walten lassen müssen. Er forderte eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen von je 30 Euro. Der Richter folgte dem: 1200 Euro muss der 65-jährige Asbecker an die Ahauser Mariengemeinde für das Haus Abraham, einer Einrichtung für obdachlose Männer, zahlen – dann wird das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen ihn eingestellt.

Der 78-Jährige hatte sich wegen des Hundebisses in ärztliche Behandlung begeben müssen. Er gab an, er habe acht Tage nicht laufen können. Die Versicherung des Angeklagten habe ihm aber dafür schon Geld überwiesen, so der Landwirt.

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