Zwölf Drogenplantagen mit Marihuanapflanzen tauchten im September 2020 rund um Legden auf. © Polizei
Drogenanbau

Drogenplantagen in Legden: Viele neue Details und ein Urteil

Etliche Drogenplantagen mit Marihuanapflanzen tauchten im September 2020 rund um Legden auf. Die Kripo ermittelte umfangreich. Jetzt sind viele Details bekannt geworden. Und ein Urteil gefallen.

Ein grauer Lieferwagen fährt von einem Grundstück im Isingort. Es ist der 16. September 2020 um kurz nach 6.30 Uhr. Doch weit kommt der Fahrer, ein heute 40-jähriger Legdener, nicht. Polizeibeamte stoppen den Wagen. Eine Kontrolle, die dem Mann zum Verhängnis wird.

Zwei Wochen zurück. Anfang September tauchten im Legdener Außenbereich nach und nach zahlreiche Drogenplantagen mit mal mehr und mal mit weniger Marihuana-Pflanzen in Eimern und Töpfen auf. Mal in einem Maisfeld an der A31, mal in einem Waldstück und mal in den Dinkelauen. Auch in Gemen und Quantwick entdeckten Zeugen Marihuana-Pflanzen.

Spur führt Ermittler zu Legdener

Schnell führte die Ermittler die Spur zu dem 40-jährigen Legdener. Dass dabei Observation im Spiel gewesen dürfte, liegt auf der Hand. Bei der Kontrolle des Fahrzeugs stellten die Beamten etliche Gramm Marihuana und 400 Euro Bargeld sicher.

Eine Hausdursuchung folgte ebenfalls. Jetzt, knapp ein Jahr später, musste sich der Mann vor dem Amtsgericht in Ahaus verantworten.

Unerlaubter Besitz und Anbau von Betäubungsmitteln mit der Absicht, das Marihuana zu verkaufen und Autofahren unter Drogeneinfluss lautete die Anklage. Zwar wurde der Legdener am Ende verurteilt, aber nicht für alles, was angeklagt war.

Dass er die Drogenplantagen mit etlichen Pflanzen angelegt und alle Setzlinge aus drei Ursprungspflanzen bei sich zuhause in der Wohnung gezogen hatte, daraus machte der 40-Jährige keinen Hehl. Aber das sei alles nur für den Eigenbedarf gewesen. Nur einmal habe er einer Bekannten etwas unentgeltlich abgegeben.

„Mich hat ja selbst überrascht, wie gut die Pflanzen hier draußen bei uns wachsen“, führte der Legdener aus, der sich im Gerichtssaal auskunftsfreudig zeigte. Alle Fragen des Richters beantworte er bereitwillig. Auch die Arbeit der Ermittler hatte der Mann seinerzeit nicht behindert. Im Gegenteil.

Polizei erntet Plantagen ab

Denn nach der polizeilichen Kontrolle am 16. September 2020 führte der Mann die Kripobematen bereitwillig zu zwölf Plantagen. Das bestätigte seinerzeit die Polizei auf Nachfrage der Redaktion.

Die Pflanzen wurden von der Polizei „geerntet“ und zur Analyse in ein Labor gebracht. Dabei ging es um die Bestimmung des THC-Gehaltes, also den Wirkungsgrad der berauschenden Substanz des Cannabis.

Auch in einem Maisfeld an der A31 züchtete der Legdener seine Marihuanapflanzen. © Polizei © Polizei

Für die bei der Hausdurchsuchung sichergestellten, scharfen Schusswaffen hatte der Legdener auch eine Erklärung parat. Das seien unter anderem Erbstücke. Gültiger Waffenschein? Fehlanzeige.

Kurios: Bei der Durchsuchung der Wohnung fanden die Ermittler in einem Fach unter dem Kühlschrank auch mehrere hundert Euro. „Wo kam das Geld her und warum war das an diesem Ort?“, wollte der Richter wissen.

Geld unter dem Kühlschrank

Es stamme von der Bank und der Ort sei einfach ein sicheres Versteck vor Einbrechern, entgegnete der 40-Jährige. Es habe nichts mit dem Verkauf von Drogen zu tun. Etwas, dass die Ermittler vermutet hatten.

Ebenfalls kurios: Nur elf Tage nach der ersten Kontrolle, geriet der Legdener, der nach der polizeilichen Vernehmung seinerzeit auf freiem Fuß blieb, erneut in eine Verkehrskontrolle. Kurz nach Mitternacht hielten die Polizeibeamten den Lieferwagen des Mannes in der Nähe des Holtwicker Sees an.

Der Holtwicker See liegt direkt neben der A31. Dort verbuddelte der Legdener 300 Gramm Marihuana als
Der Holtwicker See liegt direkt neben der A31. Dort verbuddelte der Legdener 300 Gramm Marihuana als “eiserne Reserve”. © Geodatenatals Kreis Borken © Geodatenatals Kreis Borken

Gezielt? Nachfrage bei der Kreispolizeibehörde. „Nein“, lautet die Antwort von Pressesprecher Frank Rentmeister. Es sei eine allgemeine Verkehrskontrolle gewesen.

Pech für den Legdner: Er hatte in seinem Wagen in diversen Plastikbeuteln mit Klemmverschluss rund 300 Gramm Marihuana dabei – und stand wieder unter Drogeneinfluss. Auch dieses Marihuana stammte von seinen Plantagen. Auch stellten die Beamten ein Messer mit 10-Zentimeter-Klinge sicher.

Drogen an Seeufer vergraben

Als „eiserne Reserve“ bezeichnete der Angeklagte die 300 Gramm vor Gericht. Dass die Kripo diese seinerzeit nicht bei der Hausdurchsuchung fand, lag daran, dass der 40-Jährige die Drogen am Ufer des Holtwicker Sees vergraben hatte. Angeblich, um den THC-Gehalt zu konservieren.

Am Ende kam der Legdener mit einem blauen Auge davon. Eine Verkaufsabsicht konnte in der Beweisaufnahme nicht nachgewiesen werden. Keine Vorstrafen, ein geregeltes Einkommen, keine Drogensucht mehr und die letztlich bei den Drogenfunden „nur“ fünffache Überschreitung der „nicht geringen Menge“ führten so zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe – so wie es Staatsanwalt und Verteidiger in ihren Plädoyers einforderten.

Zudem trägt der 40-Jährige die Verfahrenskosten, muss fünf Gespräche bei einer örtlichen Drogenberatung absolvieren und sieht das polizeilich eingezogene Geld nicht wieder. Seinen Führerschein hatte bereits zuvor die Straßenverkehrsbehörde eingezogen. Nur mit einer positiven Medizinisch-Psychologischen Untersuchung gibt es diesen irgendwann zurück.

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