Eine Klasse für alle Jahrgänge

Dietrich-Bonhoeffer-Schule

Ernster Blick, die Schultüte fest mit beiden Händen umklammert: Vor 53 Jahren hatte Harald Kaminski seinen ersten Schultag an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Legden. Die Jahrgangsstufen eins bis acht wurden damals gemeinsam unterrichtet.

LEGDEN

, 23.08.2017, 18:58 Uhr / Lesedauer: 1 min
Eine Klasse für alle Jahrgänge

Harald Kaminski (vordere Reihe 3.v.r.) bei seiner Einschulung in einer Legdener Schule. Sein Bruder Peter (obere Reihe l.) besuchte die Schule zu diesem Zeitpunkt schon ein Jahr lang.

„Es gab auch nur einen Lehrer an dieser Schule“, erinnert sich Marianne Kaminski, die Mutter von Harald. „Es war ein sehr guter Lehrer, seine Frau unterrichtete Handarbeit.“ Harald Kaminski besuchte die Schule vier Jahre lang.

„Mit Wirkung zum 1. August 1968 wurde die Schule dann geschlossen“, sagt Dieter Berkemeier, der bei der Gemeinde Legden unter anderem im Fachbereich Bürgerservice und Soziales arbeitet. „Zugleich wurde damals die Errichtung einer zweizügigen Grundschule beschlossen“, so Berkemeier. „Das ist die heutige Brigidenschule an der Wibbeltstraße.“

Schicksalsschlag

Harald Kaminski wechselte damals auf eine Hauptschule in Legden und machte dort seinen Abschluss. Dann traf die Kaminskis ein schwerer Schicksalsschlag. Im Alter von 19 Jahren kam Harald, der mittlere von drei Söhnen, bei einem Unfall ums Leben. „Er war auf dem Weg nach Ahaus, wo er eine Lehre zum Konditor machte“, erzählt Marianne Kaminski. „Letzten Sonntag wäre er 60 Jahre alt geworden.“

Die Kaminskis kamen im Jahr 1963 aus Gelsenkirchen nach Legden. „Mein Mann war Bergmann und hat hier dann in der Holzindustrie gearbeitet“, sagt Marianne Kaminski. „Durch die Arbeit im Dorf war er schnell integriert, genau wie meine Söhne durch die Schule. Ich habe hingegen lange gefremdelt.“

Das änderte sich einige Jahre später, als eine Frau auf der Straße sie um Hilfe beim Mangeln bat. „Ab dann hatte ich das Gefühl, wirklich dazuzugehören. Heute fühle ich mich sehr wohl in Legden“, sagt die 86-Jährige. 1995 bezog sie mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann eine Wohnung am Altenwohnhaus St. Josef, in der sie bis heute lebt.

Vor einigen Tagen hat sie dort einen neuen Nachbarn bekommen: ein ehemaliger Lehrer der Hauptschule, auf die ihr Harald gegangen ist.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt