Allmorgendliche Vollsperrung durch den mobilen Tornistertransport, meint Karikaturist Heinz Schwarze-Blanke zum Thema Elterntaxi. © Heinrich Scharze Blanke
Schulwegsicherheit

Elterntaxis vor Legdener Brigidenschule bringen Schüler in Gefahr

Jeden Morgen das Gleiche. Da ist schon der Start an der Brigidenschule eine echte Herausforderung: schmale Gehwege, ein selbstgemachter Straßen-Übergang und gefährlich fahrende „Elterntaxis“.

Mehrfach am Tag herrscht an der Brigidenschule Ausnahmezustand. Dann, wenn Eltern ihre Kinder zur Schule bringen, oder von dort abholen. Gedacht ist das aber eigentlich ganz anders. Nach Möglichkeit nämlich sollen Eltern ihre Kinder einige hundert Meter entfernt von der Schule absetzen, damit diese dann das letzte Stück alleine laufen können. Anspruch und Wirklichkeit klaffen aber auch in Legden weit auseinander.

Gefühlt ein Drittel der Kinder wird von Eltern kutschiert

Nach Aussage von Polizeipressesprecher Dietmar Brüning werden „gefühlt ein Drittel aller Kinder mit Elterntaxis gebracht.“ Diese Information habe er von Werner Kock, Kollege des Bezirksdienstes, bekommen. Dieser ist für Legden zuständig und übernimmt regelmäßig an der Brigidenschule die Schulwegsicherung. Demnach kommen etwa zwei Drittel aller Kinder mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit dem Bus.

Immer wieder gefährlich, wenn die Schulkinder sich vorbei an den Autos ihren Weg bahnen müssen. Auch in Legden an der Brigidenschule.
Es kann immer wieder zu gefährlichen Situationen kommen, wenn die Schulkinder sich vorbei an den Autos ihren Weg bahnen müssen. Auch in Legden an der Brigidenschule. © Privat © Privat

Jan Tonke ist Verkehrssicherheitsberater der Polizei. Er geht im Gespräch mit der Redaktion auf die unsicheren Stellen für Kinder ein. „Zum einen haben wir gegenüber der Schule einen sehr schmalen Gehweg, dann gibt es einen selbst gemachten Überweg für Kinder, der nicht offiziell gilt, und dann gibt es noch viele Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto direkt vor der Schule absetzen“, erklärt er vor Ort. Vor allem in der Zeit zwischen 7.30 und 8 Uhr am Morgen komme es häufiger zu einem Verkehrschaos.

Schlechte Erfahrungen mit Kreis-Aktion

Gefährlich werden Elterntaxis für Kinder, die mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs sind und die Hindernisse überwinden müssen, um zur Schule zu gelangen. Auch vor diesem Hintergrund führt die Kreispolizei Borken bereits seit 16 Jahren die Aktion „Borken sieht gelb“ zu Beginn eines jeden Schuljahres durch.

Dafür werden gelbe Cappies an Erstklässler verteilt, rote und grüne Daumen von den Grundschülern gebastelt. Zusammen mit der Polizei kontrollieren sie das Verhalten der Autofahrer vor den Schulen. Bei korrekter Fahrweise wird der grüne Daumen gezeigt, beim Gegenteil der rote.

Kinder von Autofahrern angeranzt

Diese Aktion gibt es in Legden an der Brigidenschule aber nicht mehr, weil man dort schlechte Erfahrungen damit gemacht hat. Schulleiterin Silvia Florack sagt dazu im Gespräch: „Es sind sogar schon Kinder von Autofahrern angeranzt worden.“ Auch Jan Tonke hat solche Reaktionen bei Autofahrern schon bemerkt. „Die Ausreden der Autofahrer sind mannigfaltig“, sagt er weiter.

Dennoch bleibt das Thema Schulwegsicherheit und Elterntaxis an der Brigidenschule „ein Dauerbrenner“, wie Silvia Florack es nennt. Viele halten mit ihren Wagen direkt auf dem inoffiziellen Überweg für Schulkinder, der in Form von Fußabdrücken auf dem Asphalt auf seinen eigentlichen Zweck deutlich hinweist. An Elternabenden und in Briefen mache man zudem die Eltern immer wieder darauf aufmerksam. Und kurze Strecken könnten Eltern schließlich auch zu Fuß mit ihren Kindern gehen, meint nicht nur die Schulleiterin.

Polizist Jan Tonke zeigt auf die Fußabdrücke am Übergang. Deutliche Hinweise darauf, dass dieser nur für Fußgänger gedacht ist.
Polizist Jan Tonke zeigt auf die Fußabdrücke am Übergang. Deutliche Hinweise darauf, dass dieser nur für Fußgänger gedacht ist. © Laura Schulz-Gahmen © Laura Schulz-Gahmen

Gleichzeitig sieht sie auch die Seite der Eltern. „Viele sind berufstätig und setzen ihre Kinder auf dem Weg zur Arbeit ab.“ Oft seien es aber die gleichen Personen, die eben genau vor der Schule stehen bleiben und den gesamten Verkehrsfluss vor der Schule – Fahrräder, Fußgänger, andere Autofahrer und Schulbusse – aufhalten. „Hilfreich wäre, wenn alle Eltern sich an die Spielregeln halten würden“, so Florack.

Kein Verbot für Elterntaxis bisher

Sie selbst habe auch schon Rüffel abbekommen, wenn sie Eltern darauf hinweist, ihre Kinder bitte nicht direkt vor der Schule abzusetzen. Die Antwort der Eltern sei dann meist die selbe, es gebe kein Verbot, dass ihnen das nicht erlaubt sei. Silvia Florack ist daher froh, dass bisher noch nichts Schlimmes passiert ist.

Da es in Legden aber immer mehr Schüler gibt, werde die Schule auch noch erweitern müssen und das Problem mit den Elterntaxis und dem Verkehrschaos, gerade im Winter und bei Regen, werde dann wohl eher noch zunehmen.

Einbahnstraßenregelung ist ein Thema

Bereits häufiger war in Legden schon die Frage aufgekommen, ob man nicht eine Einbahnstraßenregelung in der Wibbeltstraße einrichten kann. Daraus wurde bisher aber nicht. „Das ist auch eine verkehrsrechtliche Frage“, betont Polizeipressesprecher Dietmar Brüning. So genannte Walking-Busse, bei denen sich mehrere Kinder an einem Treffpunkt sammeln und von einer erwachsenen Person bis zur Schule begleitet werden, gibt es laut Jan Tonke an verschiedenen Schulen schon seit einigen Jahren. Ob es so etwas auch an der Brigidenschule gibt, konnte Silvia Florack nicht beantworten.

Gemeinsamer Appell von Schulleiterin und Polizei

Kreispolizei Borken und Schulleiterin Silvia Florack appellieren gemeinsam an die Eltern der Brigidenschüler: „Denken Sie nicht nur an die Sicherheit ihres eigenen Kindes, sondern auch an die der anderen Kinder.“

Grob geschätzt von Jan Tonke ziehen etwa 80 Prozent der Eltern mit und achten auf ihr Fahrverhalten, lediglich 20 Prozent sträubten sich dagegen, ihre Kinder nicht mehr direkt vor der Schule abzusetzen. Ein kleines positives Fazit zum Schluss gibt es aber dennoch. Nach Aussage von Silvia Florack hat sich die Situation vor der Schule bereits etwas gebessert, seit Bezirksdienstleiter Werner Kock die Schulwegsicherung regelmäßig im Blick hat.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen

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