Erinnerungen an Schulzeit vor 70 Jahren

Klassentreffen

"Weißt du noch..." - damit fingen viele Sätze an beim Treffen von 17 Senioren aus Legden im Restaurant der Hermannshöhe. Vor 70 Jahren wurden sie in die Volksschulen in Legden eingeschult.

LEGDEN

, 10.01.2017, 17:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Herbert Möllers, der heute in Dülmen lebt, war einer der insgesamt 101 Schüler und Schülerinnen des Nachkriegsjahres 1947. Er wird die Gruppe im Mai zu einer Jubiläumsfahrt in seine neue Heimat mitnehmen.

Wie ihre Einschulung ausgesehen hat, daran konnte sich keiner mehr so richtig erinnern. "Eine Schultüte hatten wir jedenfalls nicht. Es waren Notzeiten nach dem Krieg. Mein Onkel hat mir aus Autoreifen eine Schultasche genäht", schilderte Helga Blanke, die im Dorf zur Schule ging.

Mehrere Schulhäuser

Die Schule im Dorf stand an der Schulstraße gegenüber der Buchhandlung Blanke. Einige Jahre später wurde ein neues Gebäude gebaut, wo heute der Edeka-Markt steht. Beide Häuser stehen nicht mehr.

Noch existent sind die Gebäude der drei Schulen in den Bauerschaften, die in den 1960er Jahren geschlossen wurden. Es gab die Waldschule im Beikelort, die Schule Wehr I und Wehr II. Einige konnten sich noch sehr gut an die Lehrer Heinrich Kockentiedt in Wehr I, Josef Hecker in Wehr II und Gerhard Hehenkamp in der Waldschule und ihre Familien erinnern.

Viele Erinnerungen

"Thea Hehenkamp hat uns immer Nachhilfe gegeben", sprudelte es aus einigen heraus. "Mein Spielkamerad war Paul Kockentiedt, der Sohn des Lehrers. Paul war genau 13 Tage älter als ich", ergänzte Josef Schulze Elpert, der die Schule in Wehr I besuchte.

Üblich war ebenso eine Schulspeisung in der Mittagszeit. "Das war bei Trenkert im Lebensmittelladen gleich gegenüber der Schule", so Hermann Terhörst. Als er davon erzählte, wie sie in seiner Schule im Dorf unverkaufte Zeitungen zu kleineren Blättern zerschnitten haben, damit sie als Toilettenpapier verwendet werden konnten, machte sich ein kollektives Schmunzeln breit.

Messe vor dem Unterricht

Gar nicht so lustig fanden die ehemaligen Volksschüler es, dass sie jeden Morgen um 7.15 Uhr vor dem Unterricht zur Messe in der Kirche sein mussten. "Zu den Zeugnissen wurden wir danach gefragt, ob wir regelmäßig in der Kirche waren. Haben wir gelogen oder geschwänzt, wurden die Noten schlechter", ergänzte Terhörst.

Und noch eine Erinnerung prägt die Senioren bis heute. "Uns wurde immer mit der Schule gedroht, wenn wir nicht artig waren", erzählte Maria Hüntemann, welche die Schule im Dorf besuchte.

Missionar in Brasilien

Ihr Mitschüler war Conrad Berning, den es als Steyler Missionar in den Jahren 1969 bis 1994 nach Brasilien verschlagen hatte. Heute lebt er in Münster-Nienberge. Er zeigte seinen Film, in dem er die geplante Auslöschung der Ureinwohner durch die portugiesischen Kolonialherren und durch die christlichen Missionare in den letzten 500 Jahren vor Augen führte und ihren Widerstand seit den 1970er Jahren, den er hautnah miterlebte. 

Heute setze sich die Kirche für das Überleben der Ureinwohner und ihre Gleichberechtigung ein, betonte Berning immer wieder in seinem Vortrag. Und dann ging es wieder zurück aus Brasilien nach Legden, wie es heute ist und vor 70 Jahren war. Auch wenn keine runden Jahreszahlen gefeiert werden, kommen die ehemaligen Klassenkameraden zum Frühstück zusammen. Treffpunkt ist an jedem zweiten Montag im Quartal ab 9 Uhr das Landhotel Hermannshöhe, Haulingort 30.

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