Fair geht vor schnell

Kommentar

Hätte der Prozess gegen nicht einfach durchgezogen werden müssen? „Nein!“, meint Redakteur Stefan Grothues. Hier ist sein Kommentar zum Thema:

Legden

, 18.02.2019, 18:24 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs wiegt sehr schwer. Im Interesse der Kinder und im Sinne der Generalprävention tut das Gericht gut daran, die Umstände des Vorfalls vom 2. Oktober 2016 mit großer Sorgfalt aufzuarbeiten. Dazu gehört gegebenenfalls eine strenge Strafverfolgung – und natürlich auch die Unschuldsvermutung.

In der Erklärung der UN-Menschenrechte heißt es: „Jeder Mensch, der einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, ist solange als unschuldig anzusehen, bis seine Schuld in einem öffentlichen Verfahren, in dem alle für seine Verteidigung nötigen Voraussetzungen gewährleistet waren, gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist.“

Der Angeklagte war am Montag ganz offensichtlich nicht in der Lage, sich zum Vorwurf zu äußern, obwohl er sich augenscheinlich sehr darum bemühte. Ein faires Verfahren braucht aber die Sicht des Beschuldigten, es sei denn er verweigert sich. Die vorläufige Einstellung des Verfahrens sagt nichts über Schuld oder Unschuld aus. Sie sagt nur, dass der Richter ein faires Verfahren will. Für die mutmaßlichen Opfer. Und für den mutmaßlichen Täter.

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