Das Verfahren vor dem Amtsgericht in Ahaus nahm für die Legdenerin ein gutes Ende. © Bernd Schlusemann
Mann kontrollierte Vermögen

Frau aus Legden dachte, sie wäre mittellos – und landet vor Gericht

Sie wusste nicht, über wie viel Vermögen sie verfügte – jahrelang hatte der Ehemann alles kontrolliert. Das wäre einer Frau aus Legden beim Gang zum Jobcenter fast zum Verhängnis geworden.

Wenn der Staatsanwalt zu Beginn einer Verhandlung die Anklage verliest, dann hört sich das häufig sehr hart an – was am Ende davon übrig bleibt, steht auf einem anderen Blatt Papier. Das war auch am Dienstag im Ahauser Amtsgericht der Fall.

Aber der Reihe nach: Eine 54 Jahre alte Frau soll sich am 12. August 2019 „unter Vorspiegelung falscher Tatsachen“ beim Jobcenter in Legden mittellos gemeldet und Hilfen beantragt haben. Dabei verfügte sie über ein erkleckliches Vermögen – 37.000 Euro auf verschiedenen Konten und eine Immobilie im Wert von einer Viertelmillion Euro. Das aber, so der Staatsanwalt, „verschwieg die Angeklagte bewusst“. Dabei handele es sich um „versuchten Betrug“.

Beklagte mit einer „längeren Karriere psychischer Erkrankungen“

Ganz so einfach, wie sich die Geschichte in der Sichtweise der Anklage zunächst darstellte, war sie aber nicht. Welches menschliche Schicksal sich dahinter verbirgt, wurde am Dienstag im Laufe der Verhandlung deutlich. Seine Mandantin habe eine „längere Karriere psychischer Erkrankungen“, gepaart mit Alkoholmissbrauch, hinter sich, eröffnete der Rechtsanwalt der Verteidigung. Um Themen wie Geld habe sich immer der dominante Ehemann gekümmert: „Sie hatte überhaupt keinen Überblick über das eigentliche Vermögen“, führte er weiter aus.

Die Wende in das Leben der Legdenerin kam schließlich mit einem Klinikaufenthalt. Dort riet man ihr eindringlich zur Trennung von dem Ehemann. Nach Beendigung der offenkundig toxischen Beziehung sah sich die Angeklagte mittellos und ging hilfesuchend zum Jobcenter. Sie habe zwar gewusst, dass sie über Vermögen verfüge – nur nicht wie viel und wo, so der Verteidiger.

Licht ins Dunkel brachte erst eine Recherche des Legdener Jobcenters. Das nämlich wurde nach dem Antrag der Angeklagten misstrauisch und bat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) um Auskunft, wie eine Mitarbeiterin im Zeugenstand erklärte. Und was die Behörde mitteilte, sorgte nicht nur beim Jobcenter, sondern auch bei der Angeklagten für eine Überraschung. Die war nämlich davon ausgegangen, dass von dem aus einer Erbschaft stammenden Vermögen nichts mehr übrig wäre.

Am Ende sind sich alle einig

„Die Angeklagte hat die Erklärung damals im guten Glauben abgegeben“, betonte der Anwalt der Legdenerin. Die hat das Vermögen inzwischen aufgeteilt und Zahlungen des Jobcenters rückerstattet.

Das sah die Richterin am Ende ähnlich und regte eine Einstellung des Verfahrens an: „Ein Versuch ist hier angeklagt, es war eine unübersichtliche Lage.“ Auch der Staatsanwalt korrigierte letztlich seine anfängliche Einschätzung und stimmte dem Vorschlag des Gerichts zu. Und für die Angeklagte ist, wie ihr Rechtsbeistand sagte, das Thema „durch“.

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