Frido Kortmann feiert Jubiläum des „Alt Legden“ wegen Corona ohne Gäste

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Frido Kortmann ist Gastronom aus Leidenschaft. Jetzt feiert er Jubiläum. Seit zehn Jahren betreibt er das Alt Legden im Dahliendorf. Zur Feier aber kann er nur mit sich selbst anstoßen.

Legden

, 07.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit zehn Jahren steht Frido Kortmann hinter der Theke des Alt Legden. Normalerweise würde er am Donnerstag mit seinen Stammgästen ein Bier auf das Jubiläum trinken. Doch in der Corona-Krise bleibt seine Kneipe geschlossen. Nur der Hotelbetrieb hilft dem Gastronomen noch, über die Runden zu kommen.

Als Frido Kortmann vor zehn Jahren nach Legden kam, da war der Anfang nicht leicht. „Wir geben Ihnen ein halbes Jahr“, sagten vorübergehende Passanten. Er kannte Legden nicht, die Legdener kannten ihn nicht, so erinnert er sich. Die Kneipe stand damals leer, es hatte mehrere Wechsel gegeben, wie er später erfuhr.

Kortmann kennt sich aus. Seit dem 27. Lebensjahr ist der heute 66-Jährige Gastronom. Bevor er nach Legden kam, betrieb er Kneipe und Hotel in Ochtrup. Auch in Legden kam schnell das Hotel zu der Kneipe dazu. Über die Jahre mietete er die Wohnungen in den Etagen über dem Alt Legden an der Hauptstraße, dann folgten zwei Gästehäuser. Heute bietet er 19 Zimmer mit 48 Betten an.

Mehrere hundert Reservierungen wurden storniert

„Die Gastronomie ist mein Leben“, sagt Frido Kortmann. Deshalb hat ihn die Corona-Krise hart getroffen. Keine Gäste mehr in seiner Kneipe. Mehrere hundert Reservierungen für das Hotel bis November wurden storniert. Geblieben sind ihm lediglich Monteure, die er weiter beherbergen darf. „Die haben mich am Leben erhalten“, sagt er. Denn Pacht für Wohnungen, Gästehäuser und Kneipe zahlt er ja weiter.

Die Monteure bilden einen Teil der Hotelgäste. Dann sind da noch Radtouristen, die in normalen Sommerzeiten auch mal spontan bei ihm hereinschneien. Und einen entscheidenden Anteil machen die Gäste aus, die ins Dorf Münsterland wollen. „Davon habe ich jahrelang gelebt“, sagt Frido Kortmann.

Nicht nur wegen der Übernachtungen. Sie essen und trinken auch bei ihm und sorgen für guten Umsatz. Das habe sich zwar in den vergangenen Jahren schon etwas verringert. Aber ohne sie, das werde hart. Wann das Dorf Münsterland wieder aufmache, stehe in den Sternen.

Neustart wird nur unter erschwerten Bedingungen möglich sein

Also hofft er, dass er bald wieder seine Kneipe öffnen darf. So wie früher wird es nicht sein, das ist ihm klar. „Das Thekengeschäft kann ich vergessen“, sagt Kortmann. An jedem Ende des Tresens ein Gast, der Rest müsse an Tischen Platz nehmen. Bei gutem Wetter kommen die Terrasse vor dem Haus und eine weitere im Garten dazu. Eine gute Lösung sei das nicht, aber „es muss ja weitergehen“.

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„Das ist ja noch die einzige Kneipe im Dorf“, sagt Frido Kortmann, „und eine urige Kneipe.“ Manche Legdener kommen jeden Tag auf ein Bier oder zwei vorbei. Die Kegelbahn wird regelmäßig gebucht. Stammtische treffen sich hier und am Sonntag mischen sich die Hotelgäste mit den Gästen, die zum Frühschoppen kommen. Das alles fehlt ihm – und nicht nur wegen der Finanzen.

An der Theke erfährt man alle wichtigen Informationen aus dem Dorf

„Das ist hier ein Ort der Kommunikation“, so der Gastronom, „an der Theke kriegt man alles Wichtige mit, was so im Dorf passiert.“ Wie das auf Abstand so gehen soll, das ist ihm noch nicht klar. Kommunikation, das liegt ihm. „Ich bin gelernter Damen- und Herrenfriseur“, sagt er und lacht, „dem Friseur wird ja auch alles erzählt.“ Zuhörer, Psychologe, Betreuer, das alles sei ein guter Gastronom auch.

Eine schnelle Öffnung muss her, sagt Kortmann. Sonst werde ein Drittel der Gastronomen die Corona-Krise nicht überleben. Er selbst ist 66 Jahre alt, zwei Jahre hat er sich noch vorgenommen. „Das wäre jetzt eine Gelegenheit gewesen, zu sagen, ich mache nicht mehr auf“, sagt Frido Kortmann. Doch das könnte er nicht: „Ich liebe meine Job und ich liebe meine Gäste. Ich freue mich auf den Startschuss.“

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