Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Gedenktafeln wegen Straßenbauarbeiten entfernt

Stolpersteine

LEGDEN. Lange hat die Legdener Öffentlichkeit geschwiegen. Dass in der Nacht vom 9. auf den 10. November auch im Dahliendorf der braune Mob eine Hetzjagd auf Nachbarn jüdischen Glaubens veranstaltet hat, wussten zwar Zeitzeugen und ahnten deren Nachkommen. Öffentlich sichtbar wurde es aber erst 2009 – mit der Verlegung von sechs Stolpersteinen mit den Namen der Opfer. Eine Gedenkfeier wie im Vorjahr findet heute allerdings nicht statt.

von Von Sylvia Lüttich-Gür

, 08.11.2010 / Lesedauer: 3 min
Gedenktafeln wegen Straßenbauarbeiten entfernt

Vier Stolperstraße liegen im Gehwegpflaster an der Hauptstraße vor dem einstigen Haus der Familie Seligmann. Ein Stein wird demnächst ausgewechselt, da er beschädigt ist.

Die vier Gedenksteine auf der Hauptstraße, die an Moritz, Rika und Karl Seligmann sowie die einzige Überlebende Grete Eichenwald erinnern, liegen nach wie vor im roten Pflaster. Einer von ihnen ist etwas ramponiert, da er beim Schneeschieben im vergangenen Winter beschädigt worden sei, so der Heimatvereinsvorsitzende. „Wir haben aber schon einen Ersatz in Auftrag gegeben.“ Der befinde sich aber noch nicht in der Straße, sondern in der Vitrine der Villa van Delden in Ahaus, wo zurtzeit die Ausstellung „jüdisches Leben“ zu sehen sei. Der Heimatverein hatte zusammen mit Realschullehrer Hermann Löhring und einer Schülergruppe der Anne-Frank-Realschule Ahaus die Initiative zur Verlegung der Stolpersteine ergriffen. Den mehrjährigen Recherchen von Löhring und den Jugendlichen ist es zu verdanken, dass inzwischen die Geschehnisse von vor 72 Jahren relativ gut bekannt sind. Damals sind Männer in die Häuser eingedrungen, so auch bei Rosenbaums, wie in den „Briefen an Rika“, der 100 seitigen Dokumentation des Projekts in Buchform, nachzulesen ist. Die Familienangehörigen seien geschlagen worden, mit einem Pumpenschwengel hätten die Angreifer den Gebetsraum völlig zerstört, Kleider auf einen Haufen geworfen worden und Feuer entzündet, das schnell um sich griff.

Die Feuerwehr spielte dabei eine unrühmliche Rolle: Sie schützte die nicht jüdischen Häuser vor einem Übergriff der Flammen und setzte die jüdischen Häuser unter Wasser. Deportiert und umgekommen sind die Juden in Riga. Die Idee, regelmäßig eine öffentliche Gedenkveranstaltung durchzuführen, beschäftigt nach wie vor den Heimatverein, wie Alfred Janning betont. In diesem Jahr empfehle er eine Fahrt zur Ausstellung in Ahaus, die auch das Schicksal der in Legden lebenden Juden spiegele.