Gleich in zwei Fällen hatte ein damals Heranwachsender 2019 in Münster und Legden Drogen erworben. Im Urteil erkannte das Gericht die positive Entwicklung des heute 22-Jährigen an. © picture alliance/dpa
Amtsgericht

Geldauflage wegen Drogenerwerb: „Beim nächsten Mal geht’s vors Strafgericht“

Den unerlaubten Erwerb, aber keinen Handel mit Betäubungsmitteln konnte das Gericht einem damals 20-Jährigen nachweisen. Es honorierte die positive Entwicklung des früheren Legdeners.

Er sehe schon große Fragezeichen, wenn ein 20-Jähriger mit 530 Euro in der Tasche herumlaufe. Letztlich konnte ein Richter einem Heranwachsenden aber nicht nachweisen, dass dieser Handel mit Betäubungsmitteln betrieben hat. So blieb es beim unerlaubten Erwerb von Betäubungsmitteln in zwei Fällen nach Jugendstrafrecht, was mit einer Geldauflage abgegolten wird.

Der seinerzeit in Legden wohnhafte Angeklagte musste sich in zwei Anklagepunkten im Amtsgericht verantworten. Im November 2019 hatte dieser verschiedene Arten von Drogen, unter anderem Marihuana, erworben. „Das war im Rahmen einer Party in Münster“, gab der Angeklagte zu.

Ein wenig komplizierter stellte sich der zweite Fall dar, der bereits im September 2019 in Legden vonstatten gegangen war. Bei einer Polizeikontrolle waren gut 48 Gramm Marihuana durch die Polizei beim heute 22-Jährigen festgestellt worden. Ebenso sicherte die Polizei 530 Euro in bar bei ihm.

530 Euro an Bargeld waren Lohn für Aushilfsjob beim Vater

Über seinen Verteidiger schilderte der Angeklagte diesen Vorfall so: Mit insgesamt fünf Personen habe man „zusammengeworfen“, er habe den Einkäufer gemacht und für jeden knapp 10 Gramm Marihuana erworben. Die 530 Euro in bar habe er unabhängig von dieser Handlung dabeigehabt. „Ich habe seinerzeit einen Aushilfsjob bei meinem Vater gemacht, dies war der letzte Lohn“, so der 22-Jährige. Nach einigen Anläufen konsumiere er mittlerweile keine Drogen mehr, seit drei Monaten sei er zudem in fester Anstellung.

„530 Euro sind ein bisschen viel für nur dabei“, merkte der Richter noch einmal an. Er habe seinen Lohn vom Vater stets in bar erhalten, entgegnete der Angeklagte. Ein Lohnnachweis könne sicher beim Vater eingeholt werden. Da auch ein Whatsapp-Chat keine Hinweise auf den unerlaubten Handel mit Drogen gegeben habe, schloss das Gericht diesen Tatvorwurf aus.

Laut Bericht der Jugendgerichtshilfe habe sich der Angeklagte zum Tatzeitpunkt in einer „psychischen und emotionalen Krisensituation“ befunden. Er habe noch nicht mit einem Erwachsenen gleichgesetzt werden können, das Jugendstrafrecht sollte Anwendung finden.

Richter: Urteil sollte „Warnung genug“ sein

Dem folgte auch der Staatsanwalt in seinem Plädoyer: Der Heranwachsende habe sich in zwei Fällen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln strafbar gemacht. Da er bereits vorher, danach aber nicht mehr auffällig geworden sei, halte er eine Geldbuße in Höhe von einem Monatseinkommen für angemessen. Die eingezogenen 530 Euro könnten entsprechend angerechnet werden. Dass sich sein Mandant für seine Taten verantworten müsse, das stellte auch der Verteidiger klar und stimmte weitgehend dem Antrag zu.

Das sah auch der Richter so: 1600 Euro hat der Angeklagte an eine soziale Einrichtung zu leisten. Der Erwerb der Drogen in zwei Fällen sei „zweifellos und zu sanktionieren“, der ehemaliger Legdener habe sich bewusst in einer zugespitzten Lage befunden. Der Drogenkonsum sei aber „kein dauerhaftes Problem“. Die Geldauflage wertete der Richter aber betont als Signal: „Sie sind nun über 21, beim nächsten Mal geht’s vors Strafgericht.“ Das Urteil solle „Warnung genug“ sein.

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