Gesunde Führungskultur gefragt

Thema „Burnout“

„Wer unter Burnout leidet, der muss vorher auch gebrannt haben.“ Dr. Volker Schrage warnte in seinen Ausführungen gleich davor, mit dem Begriff Burnout „inflationär von der falschen Seite“ umzugehen.

LEGDEN

von Von Michael Schley

, 14.10.2011, 16:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Intelligenter und nicht härter zu arbeiten, laute die Devise, um den zunehmenden Stress zu bewältigen. Der Managementberater Carsten Tellkamp (r.) zeigte die betriebswirtschaftliche Bedeutung des betrieblichen Gesundheitsmanagements auf.

Intelligenter und nicht härter zu arbeiten, laute die Devise, um den zunehmenden Stress zu bewältigen. Der Managementberater Carsten Tellkamp (r.) zeigte die betriebswirtschaftliche Bedeutung des betrieblichen Gesundheitsmanagements auf.

Dass es sich dennoch um ein hochaktuelles Thema handelt, zeigte die enorme Resonanz auf die Gemeinschaftsveranstatung von Wila, IHK und AIW. Der „Lokalmatador“ beleuchtete die medizinische Sicht der „aufkommenden Volkskrankheit“. Er zeigte auf, dass sich der „ausgesprochen emotionale Erschöpfungszustand mit rapidem Leistungsabfall“ nicht allein an psychischen Symptomen festmachen lasse. „Ständiger Stress kann sich nicht zuletzt auf das Immunsystem und die Verdauung auswirken“, so Dr. Schrage. Auch Rückenleiden, die sich heute enorm auf die Krankheitskosten von Unternehmen auswirkten, ließen sich auf Burnout zurückführen. „Körper und Geist müssen zusammenarbeiten, um mit Stress fertig zu werden, damit dieser nicht krank macht“, sagte Schrage, der einem durchdachten betrieblichen Gesundheitsmanagement als Vorsorge eine zunehmende Bedeutung zusprach. „Bedenken Sie: Burnout betrifft immer die besten Mitarbeiter“.

Deshalb sei es wichtig, entsprechend vorzusorgen oder für ein gutes Wiedereingliederungsmanagement zu sorgen. Als einer der Initiatoren des Zentrums für gesundes Arbeiten in Legden bot Schrage den Unternehmen der Region seine Unterstützung an. Die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen des Burnouts beleuchtete Managementberater Carsten Tellkamp aus Münster. Das Gros der Krankheitskosten machten die chronischen Erkrankungen aus. Dazu zähle auch die Depression. Dass Gesundheit immer wichtiger werde, zeige nicht zuletzt die Statistik. Gerade die chronischen Erkrankungen nähmen in der Altersklasse ab 50 Jahren deutlich zu. „Angesichts der demografischen Entwicklung dürfen Unternehmen vor diesem Hintergrund das betriebliche Gesundheitsmanagement nicht aus den Augen verlieren“, so Tellkamp, der auch die „zweite Generation“ dieses Managements vorstellte. „Umfragen zeigen, dass das Führungsverhalten der einzig signifikante Faktor für Arbeitsfähigkeit in höherem Alter ist“, stellte er die Bedeutung einer „gesunden Führungskultur“, die „von oben gelebt“ werden müsse, heraus. Eine konstruktive Konfliktkultur, klar definierte Ziele und Erwartungen, die Delegation von Eigenverantwortung korrelierten direkt mit einem verbesserten Gesundheitszustand der Mitarbeiter.

Unternehmen sollten Anreize setzen, um so „gute Führung einzufordern und zu fördern“, so Tellkamp. Frank Potthoff (Oke Group GmbH, Hörstel), Hubert Rosing (Profilan, Legden) und Jürgen Willing (Tekloth GmbH, Bocholt) berichteten im Anschluss vom betrieblichen Gesundheitsmanagement in ihren Betrieben.

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