Günter Kleideiter, der Herr des Legdener Abwassers, nimmt Abschied vom Klärwerk

mlzLegdener Klärwerk

Seit 1983 das Klärwerk in Legden gebaut wurde, ist Günter Kleideiter der Herr über das Legdener Abwasser. Jetzt wird eine Million Euro investiert. Doch für den Klärmeister ist Schluss.

Legden

, 20.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Günter Kleideiter geht über das Gelände des Klärwerks, erzählt von Nachklärbecken und Dekantern, von biologischer und chemischer Klärung, zeigt auf die Belebungsbecken und erklärt die Millionen-Investition. Das war hier sein Leben. „Ich bin immer begeistert hierhin gefahren“, sagt er und man glaubt es ihm sofort. Doch am 1. August geht er mit 65 Jahren in den Ruhestand.

Gerade entstehen die ersten Rohre und Schächte, Voraussetzung dafür, dass mehr Wasser gereinigt werden kann. „Du musst einfach bleiben“, sagt Ludger Berger von der Firma Bogenstahl, während er an einem Schacht arbeitet. Doch Günter Kleideiter winkt ab.

Noch einmal wird er für Gespräche zusammen mit Bürgermeister Friedhelm Kleweken zum Unternehmen Tönnies fahren, das den Schlachthof betreibt, dann kommt die offizielle Verabschiedung. Mit André Salewski, bereits seit Jahren im Klärwerk, steht der Nachfolger schon fest.

Innerer Wecker bei Regen und Gewitter

Wenn es nachts stark regnete, wenn ein Gewitter über Legden hinwegzog, hat Günter Kleideiters innerer Wecker zuverlässig funktioniert. Auch nachts ist er einsatzbereit für das Klärwerk. Seit ein paar Jahren ist das einfacher geworden. Er oder seine beiden Mitarbeiter müssen nicht mehr ins Klärwerk fahren, sondern können dank modernster Technik das Werk mit seinen Pumpen und Regenbecken von zuhause überwachen und regeln.

Günter Kleideiter, der Herr des Legdener Abwassers, nimmt Abschied vom Klärwerk

Günter Kleideiter kann am Bildschirm alle relevanten Daten abrufen und den Ablauf des Klärwerks regeln. © Ronny von Wangenheim

Viel mehr hat sich geändert in den 36 Jahren. Damals kam der Elektrotechniker als Betriebsleiter, später ließ er sich zum Umweltschutz-Techniker und staatlich geprüftem Abwasser-Meister weiterbilden. „Früher war viel Handarbeit“, sagt er: „Alles sauber zu halten, war nicht immer angenehm.“ Lachend erinnert er sich, wie er damals mit der Harke Fette aus der sogenannten Emscherrinne fischte. Das stank: „Meine Helfer sind weggerannt.“

Anfänge nur mit mechanischer Reinigung

Die erste Kanalisation wurde 1950 in Legden gebaut. Über eine mechanische Reinigung lagerten sich damals die Grobstoffe im Boden ab, das obere Wasser floss in den Mühlenbach. Wie klar und sauber das war? Viel weniger als heute, das steht fest, zumal auch viel unkontrollierter in die Kanalisation abgeleitet wurde. „Das Bewusstsein war nicht da“, sagt Günter Kleideiter.

Als sich 1983 in Legden der Schlachthof ansiedelte, wurde der Bau eines modernen Klärwerks beschlossen. „In der Klärtechnik gab es neue Erfahrungen und Auflagen, das Abwasser mittels freischwimmender Bakterien zu behandeln“, erinnert Günter Kleideiter. Seitdem ist er dabei und konnte bei vielen Neuerungen, die über die Jahre kamen, immer mitgestalten. Das ist ihm wichtig, das ist es, warum ihm die Arbeit über die Jahre viel Freude gemacht hat.

Stationen:

  • Von 1985 bis 1995 werden Druckrohrleitungen im Außenbereich verlegt. Seitdem wird auch das Asbecker Abwasser im Klärwerk behandelt. Die ersten Rückhaltebecken entstehen.
  • 1996 gibt es neue Gesetze, auch Phosphat und Nitrat zu erfassen. Deshalb wird das Klärwerk umgebaut, der biologische Teil erweitert und die Schlammbehandlung modernisiert.
  • 2011 wird der Faulturm repariert, gleichzeitig ein Blockheizkraftwerk eingebaut. Seitdem hat man eigene thermische Energie und erzeugt heute 60 Prozent des Strombedarfs selbst.
  • 2013 bringt ein Dekanter, eine Hightech-Zentrifuge, die Möglichkeit, den Faulschlamm einzudicken, der dann verbrannt werden kann.
  • 2016 bis 2018 kommt ein neues modernes Leitsystem. Seitdem lässt sich alles vom Rechner regeln und auch dokumentieren. 300.000 Euro werden dafür investiert.

Günter Kleideiter, der Herr des Legdener Abwassers, nimmt Abschied vom Klärwerk

Das rechte Becken wird nicht mehr als Schlammbecken benutzt. Es soll so umgebaut werden, dass es ein zweites Belebungsbecken wird und das linke Becken dann leer gepumpt und saniert werden kann. © Ronny von Wangenheim

Rund eine Million Euro werden in diesem und dem kommenden Jahr verbaut. Danach ist die Kläranlage auf das Abwasser von deutlich mehr Einwohnern ausgelegt. Dafür wird ein Schlammbecken zu einem zweiten Belebungsbecken. Das ermöglicht die Chance, einzelne Becken zu sanieren. Gleichzeitig wird die Anlagentechnik erneuert. Ergebnis soll auch noch saubereres Wasser werden.

Günter Kleideiter, der Herr des Legdener Abwassers, nimmt Abschied vom Klärwerk

Ludger Berger von der Firma Bogenstahl arbeitet derzeit im Klärwerk. Schächte und Rohre entstehen für den Transport des Abwassers aus dem Belegungsbecken in Nachklärbecken. © Ronny von Wangenheim

Bis zu 7500 Kubikmeter Wasser am Tag

Viel Wasser läuft jeden Tag durch die verschiedenen Stufen der Kläranlage, bis es wieder in der Dinkel landet. An Schlachttagen, so Günter Kleideiter, kommen von dort 200 Kubikmeter Wasser, dazu bei trockenem Wetter 1400 Kubikmeter Abwasser aus den Haushalten. Regnet es dazu noch, sind es bis zu 7500 Kubikmeter Wasser.

Wenn es das nächste Mal gewittert, wird Günter Kleideiter vielleicht durchschlafen. Auch wenn das Klärwerk sein Leben bestimmt hat, es gibt auch noch anderes, was ihm wichtig ist. Zum Beispiel die Musik. Seit Kindertagen spielt er ein Blasinstrument.

Jahrzehnte war er im Musikzug der Feuerwehr aktiv. Inzwischen spielt er das Flügelhorn bei den „Freunden der Blasmusik“, deren Geschäftsführer er auch ist. Auch seine drei Brüder spielen hier mit. Der Musik wird er weiter treu bleiben. Erst aber geht es mit dem Wohnmobil nach Sardinien.

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