Heimische Bäume so gefragt wie lange nicht mehr

Endspurt für die Holzernte

LEGDEN. Sieben Minuten. Mehr Zeit ist nicht nötig, um 200 Jahre krachend in die Knie zu zwingen. Das ohrenbetäubende Jaulen der Zehn-PS-Kettensäge ist inzwischen verstummt. Die Buche mit dem stolzen Stammdurchmesser von 1,60 Metern liegt bereits am Waldweg neben ihren ebenfalls zwischen 180 und 220 Jahre alten Kollegen: alle gerade gewachsen, hell im Holz – und so hoch im Wert wie lange nicht mehr.

von Von Sylvia Lüttich-Gür

, 01.03.2011, 18:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Brüder Wienefort stimmen zu. Die beiden Eigentümer des gleichnamigen Ochtruper Forst-Lohnbetriebs und ihr Mitarbeiter machen zurzeit Pause – auf einem Baumstamm sitzend. Jeder hat einen Plastikbecher in der Hand, aus dem heißer Kaffee dampft. Die meiste Arbeit ist in diesem Winter bereits getan. Die Eichen waren zuerst dran. Vor zwei Wochen habe dafür die Wertholzversteigerung stattgefunden, erzählt Schulze Hauling – mit einer Preissteigerung von etwa vier Prozent. Noch deutlich seien die Preise in anderen Segmenten des Markts nach oben geklettert – insbesondere auch als Brennholz. „Was ich früher als Holz für Paletten verkauft habe“, sagt der Waldbauer, „biete ich jetzt lieber als Stückholz an“ – für den Kamin oder den Ofen.Schulze Hauling kennt auch andere Zeiten: Bis in die 1970er Jahren hinein sei mit Brennholz so gut wie gar kein Geld zu machen gewesen. Damals hätten die Menschen auf die damals spottbilligen fossilen Brennstoffe gesetzt. Die Holzfäller schenken sich Kaffee nach. Stress sei Gift für ihre Präzisionsarbeit im Wald, bei der sie die teils 40 Meter hohen Baumriesen auf 50 Zentimeter genau auf einen vorher bestimmten Platz niederstürzen lassen. Zeitdruck ist auch nichts für Waldbauern wie Schulze Hauling. Bei Schweinen und Hühnern wisse jeder genau, wann Schlachtzeit ist, erklärt er. Bei Bäumen sei das aber anders. Nach dem Sturm Kyrill, der Bäume wie Zündhölzer umgerissen hat, sei der Markt überschüttet worden mit billigem Holz. Wohl dem, der damals abwarten konnte.

Klar, Waldbauern wollten auch gute Geschäfte machen, räumt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes ein, der zugleich auch den Vizevorsitz in der Naturfördergesellschaft inne hat. Das funktioniere aber nur, wenn man den Wald auch liebe und nachhaltig bewirtschafte – über Generationen hinweg. „Es wird nie mehr Holz geernten als nachwächst“, nennt Schulze Hauling ein Prinzip der nachhaltigen Forstwirtschaft. Und von einigen Bäumen, „echte Persönlichkeiten, die Geschichten zu erzählen haben“, sollte man sich nie trennen, fügt er sein ganz persönliches Credo hinzu. Für die Buchen, die jetzt fallen – die schönsten von ihnen werden einmal in Küchen weiter existieren – ist schon Ersatz da: kleine Buchen sind unter dem Schutz der einst mächtigen Krone heran gewachsen. Dadurch, dass die jetzt weg ist, haben sie ausreichend Licht und Platz, um in 200 Jahren ebenso groß und stattlich zu werden, wie die Stämme, von denen sich die Waldarbeiter jetzt erheben: Höchste Zeit, weiter zu machen. Laut Wettervorhersage sind die Frosttage gezählt.

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