Jahrestag des Kriegsendes weckt Erinnerungen an fallende Bomben

mlzKriegsende 1945

Vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Ewald Hölscher aus Asbeck erinnert sich gut an die letzten Monate, bevor die Engländer das Dorf einnahmen. Vor allem ein Bombenabwurf ist unvergessen.

Legden

, 08.05.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ewald Hölscher war neun Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg endete. Neun Jahre alt, als zwei Sprengbomben auf Asbeck fielen. „Manches vergisst man nie. Das ist, als ob es vorige Woche gewesen wäre“, sagt der 84-Jährige.

Der Jahrestag des Kriegsendes weckt Erinnerungen. Zufällig hat Ewald Hölscher außerdem in diesen Tagen die Erinnerungen von Maria Hommel, geb. Reckers, wieder gefunden, die Maria Pier-Bohne vor 25 Jahren aufgeschrieben hat. Sie führen zurück an einen sonnigen Februarmorgen im Jahr 1945. Ewald Hölscher erzählt: „Ich saß mit meiner Mutter und meinem Bruder Hugo genau hier in der Küche. Da war plötzlich ein Gerausche und Getöse.“

Der kleine Ewald sagt, dass alle das Haus verlassen und sich draußen hinlegen sollen. „Das haben wir damals in der Schule gelernt.“ Und so lagen die drei unter der Eiche, die noch heute neben dem Wohnhaus im Eißingort steht, als zwei Sprengbomben abgeworfen wurden.

Fensterscheiben gingen kaputt

Eine landete mitten im Dorf, die andere unweit des Hofes der Familie Hölscher. „Die Fensterscheiben gingen kaputt und die Türen flogen durch den Luftdruck auf uns zu“, erzählt der Asbecker Holzschuhmachermeister.

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Für Familie Hölscher lief es glimpflich aus. Im Dorf forderte die zweite Sprengbombe Todesopfer. Noch heute erinnert ein Gedenkstein in der Straße Am Bach an Anna, Gertrud und Engelbert Hörsting, die am 11. Februar 2945 durch die Bombe getötet wurden.

Der Gedenkstein an der Straße Am Bach erinnert an die drei Opfer, die im Februar 1945 durch einen Bombenabwurf starben.

Der Gedenkstein an der Straße Am Bach erinnert an die drei Opfer, die im Februar 1945 durch einen Bombenabwurf starben. © Ronny von Wangenheim

In den Erinnerungen von Maria Hommel wird beschrieben, was nach der Detonation geschah: „Die Gastwirtschaft, das Zelt, Haus und Stall, alles war zerstört und lag am Boden. (...) Als erstes fanden sie Engelbert Hörstings Hut. Bei Hörstings im Haus befand sich zu dem Zeitpunkt die bettlägrige alte Mutter, Engelbert, Mariechen (später Blömmer), Bernhard Jödden und Gertrud, die schnell vom Hochamt nach Hause gerannt war, da sie Flieger wahrgenommen hatte.

Bergungsarbeiten dauerten sehr lange

Mariechen Hörsting hatte beim Zusammenbruch des Hauses ein Haustürgitter auf den Kopf bekommen, unter dem sie festsaß, aber Luft bekam. Dadurch blieb sie am Leben. Sie schrie laut und alle Leute strömten hin und räumten den Hausschutt und die Holzbalken weg. Es habe mehrere Stunden gedauert.“

Die bettlägrige Mutter und Gertrud Hörsting wurden tot aus den Trümmern geborgen. Weiter heißt es in Maria Hommels Erinnerungen: „Von Engelbert Hörstings Leichnam waren nach den Aufräumarbeiten nur Einzelteile auffindbar. Einige Teile lagen in den angrenzenden Vorgärten und wurden erst Wochen später gefunden.

Die Leute nahmen an, das Engelbert direkt von der Bombe getroffen und zersprengt worden war. Ein Sohn von Börsting, der einige Tage nach dem Bombenabwurf am Bach gespielt hatte, fand den kleinen Zeh mit der daranhängenden Fußsohle von Engelbert. Die Einzelteile hatte man in Eimern gesammelt und setzte sie auf dem Friedhof bei.“ Soweit die Erinnerungen, wie Maria Pier-Bohne sie vor 25 Jahren aufgezeichnet hat.

Mutiges Mädchen hisst die weiße Fahne auf dem Kirchturm

Auch Ewald Hölscher erinnert sich an die Ereignisse aus den Erzählungen seines Vaters Bernhard Hölscher. Dieser war bei dem Bombenabwurf erst aufgeregt nach Hause geeilt war. „Man hatte ihm erzählt, dass eine Bombe gefallen wäre.“ Als er alle lebend vorfand, eilte er wieder ins Dorf, um als Mitglied der Feuerwehr bei den Bergungsarbeiten zu helfen.

Keine zwei Monate später war der Krieg in Asbeck vorbei. Karfreitag, 30. März, rückten die Engländer an. „Wir hörten ein Knattern aus Richtung Osterwick und dann kamen Panzer an Panzer. Sie schossen ins Dorf“, so Ewald Hölscher. Er erzählt von den deutschen Soldaten, die sich in die Büsche schlagen wollten und fielen. Und er erzählt von Maria Wenning, einem jungen Mädchen, die auf dem Kirchturm ein weißes Laken hisste. „Das war sehr mutig von ihr“, sagt der Asbecker rückblickend.

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