Junge Ärzte aufs Land

Leader-Projekt

Eine Hausarztpraxis auf dem Land – für viele Mediziner am Anfang ihrer Laufbahn undenkbar. Die Großstadt lockt oder der sichere Job in einer Klinik. Hier setzt ein Leader-Projekt an, dass Martina Schrage auf den Weg bringen will. Ihr Ziel: „Die Praxis der Zukunft“.

LEGDEN

, 15.08.2017, 18:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Arztpraxen, darunter auch die Hausarzt-Praxis Münsterland, das Klinikum Ahaus und andere Partner, wollen sich hier einbringen. Wer letztendlich Projektträger werden wird, steht noch nicht fest. Die Idee dazu schon. Junge Mediziner sollen einerseits stationär in einem Klinikum arbeiten und damit weiter Sicherheit haben. Außerdem sollen sie in einer privaten Hausarztpraxis auf dem Land arbeiten und die Situation dort stressfrei erproben können.

Drei Transferpraxen sind zurzeit im Gespräch, auch eine Rotation ist im Gespräch. Angestellt wären die Mediziner hier wie da. Währenddessen erhalten sie außerdem Weiterbildung in Management, Organisation, Personalführung, Marketing. „Wenn man sich als Arzt niederlässt, führt man ein Unternehmen“, sagt Martina Schrage: „Doch das ist kein Thema beim Studium.“ Die erste Abrechnung der Kassenärztlichen Vereinigung kann da schon abschreckend sein. „Sie sollen sich zutrauen, in die Selbstständigkeit zu gehen“, nennt die Legdenerin das Ziel.

„Medizin ist weiblich“

Im Blick hat sie auch Ärztinnen. „Die Medizin ist weiblich geworden“, sagt sie. Und weil viele junge Ärztinnen ihre Familienplanung noch nicht abgeschlossen haben, scheuen sie die Selbstständigkeit. Auch für sie könnte das Modell reizvoll sein.

Mit der Zeit ist das Projekt gewachsen. Zur Zukunft gehört auch die Digitalisierung. Martina Schrage: „Telemedizin ist jetzt ein wichtiger Bestandteil.“ Mit ihrer Hilfe können aktuelle Informationen über den Gesundheitszustand eines Patienten schnell in die Praxis übermittelt werden. So könnte beispielsweise eine telemedizinische Assistentin ins Altenwohnhaus gehen und dort bei mehreren Patienten ein EKG machen. Die Daten werden 1:1 übertragen. Im Ernstfall kann der Arzt schnell reagieren.

Projekt "Gemeinsam"

Martina Schrage kennt sich aus mit Förderprojekten, weiß, dass die erste Aufgabe ist, Strukturen aufzubauen. Sie arbeitet mit am Regionale-2016-Projekt „Gemeinsam“, in dem es um professionsübergreifende Zusammenarbeit für ein menschlicheres Gesundheitssystem geht und das von Land und EU gefördert wird.

Hier stehen vor allem an Demenz Erkrankte im Fokus. Viele der Erfahrungen – formal wie inhaltlich – kann sie auch in das neue Leader-Projekt einbringen. Telemedizin ist beispielsweise ein gemeinsames Thema.

Ergebnisse übertragen

In beiden Fällen wird ein QM-Handbuch entstehen, also eine Dokumentation zum Qualitätsmanagement. Denn die Ergebnisse aus Legden, Ahaus und Umgebung sollen übertragbar sein. Nicht nur im Münsterland wird der Ärztemangel beklagt. Doch Wege, das zu ändern, gibt es nur wenige. Finanzielle Anreize allein, das hat die Erfahrung in Bayern oder Niedersachsen gezeigt, bringen keinen Arzt aufs Land.

Die Hausarztpraxis Münsterland in Legden ist akademische Lehrpraxis für drei Universitäten in Bochum, Düsseldorf und Duisburg-Essen. Studenten zeigen sich dort bei ihren Praktika als schlecht informiert über die Arbeit eines Hausarztes und die Vielfältigkeit der Aufgaben, so Martina Schrage. Der Projektantrag soll bis Ende des Sommers stehen, dann folgen Gespräche mit der Bezirksregierung. Martina Schrage: „Am 1. Januar wollen wir spätestens starten.“

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