Kinder auf Zeit

Arbeit als Tagesmutter

Ida und Amelie kuscheln in einer Ecke, Marius saust auf einem Bobbycar durch die Wohnung und Louis ist gerade aufgewacht und hat noch rote Schlafbäckchen. Gleich wird auch er spielen. Mittendrin ist Marion Wenning der fröhliche und gelassene Pol der Truppe. Es ist ein ganz normaler Vormittag bei der Legdener Tagesmutter.

LEGDEN

, 14.04.2016, 18:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kinder auf Zeit

Marion Wenning beobachtet im Spielzimmer Ida, Louis, Marius und Amelie. Es ist eine harmonische Truppe, die sich gut beschäftigen kann. Ganz viel sind die Kinder aber auch draußen, im Garten oder auf dem Spielplatz, wo sie ordentlich toben.

Seit 2011 betreut sie Kinder zwischen einem und drei Jahren. Fünf sind es zurzeit, maximal vier sind auf einmal bei ihr zuhause. Sie ist ganz eingestellt auf die kleinen Tagesgäste. Im Flur gibt es eine kleine Garderobe, regensichere Jacken und Hosen leuchten bunt. Durch die erste Tür geht es gleich in ein großes Spielzimmer. Spielhaus, Kuscheldecken, Küche, Verkehrsteppich, Puppen, Autos, ein großer Tisch, an dem auch gegessen wird – es ist ein kleines Kinderparadies, dass Marion Wenning geschaffen hat. In Regalen sind Bastelmaterialien sortiert, in Mappen wird die Entwicklung der Kinder mit Texten und Fotos festgehalten.

Kreisjugendamt als Partner

Das alles erinnert durchaus an einen Kindergarten. Tatsächlich hat Marion Wenning ähnliche Ansprüche und einen ähnlichen Tagesablauf. Es geht ihr nicht um Aufbewahrung, sondern um Förderung und Betreuung. Deshalb hat sie am Anfang ihrer Tätigkeit den großen Kurs Tagespflege absolviert, der über die VHS angeboten wird. In Legden ist sie eine von sieben Tagesmüttern, die eng mit dem Kreisjugendamt und dem Sozialdienst katholischer Frauen zusammenarbeiten. „Was viele nicht wissen: Wir werden vom Kreis Borken bezahlt. Die Eltern zahlen die selben Beiträge wie für den Kindergarten.“

Aber natürlich gibt es auch Unterschiede. Unterschiede, wegen derer manche Eltern ihre Kinder lieber von Tagesmüttern betreuen lassen. Da sind vor allem die kleinen Gruppen. Und natürlich lassen sich Zeiten individuell absprechen. „Bei uns kann man auch 15 Stunden buchen“, nennt die 43-Jährige ein Detail. Sie weiß aber auch, dass ihr Angebot auch interessant ist vor dem Hintergrund, dass in Legden Kindergartenplätze knapp sind.

Klar Schiff am Freitag

Jede Tagesmutter macht es etwas anders. Marion Wenning zum Beispiel öffnet Freitag ihre Türen nicht für Kinder. Das ist ihr Tag, um klar Schiff zu machen. Außerdem können Kinder bei ihr nur bleiben, bis sie drei Jahre alt sind und dann in die Ü3-Betreuung des Kindergartens gehen können. Ida und Marius werden im Sommer dorthin wechseln und wahrscheinlich keine Eingewöhnungsschwierigkeiten haben.

Wer sie bei Marion Wenning erlebt, staunt, wie selbstständig sie sind und sich gut zu beschäftigen wissen. Zweimal die Woche geht es zum Turnen in die Räume der Offenen Ganztagsschule an der Wibbbeltstraße, wo sich alle Tagesmütter mit ihren Kindern in einer großen Gruppe treffen. „Der Austausch auch für uns wichtig“, sagt Marion Wenning.

Ein Zimmer angebaut

„Ich war immer gerne mit meinen Kindern zuhause“, erzählt sie, wie sie auf die Idee kam, Tagesmutter zu werden. Nina und Maja sind inzwischen zehn und 13 Jahre alt. Und voll einverstanden mit dem Beruf ihrer Mutter. „Nina genießt es, einmal nicht die Kleine zu sein“, erzählt Marion Wenning. Schaukel, Sandkasten, Rutsche und Trampolin – vieles was früher den eigenen Kindern gehörte, wird jetzt von den Tageskindern genutzt. Dank der Förderung des Kreisjugendamts kann Marion Wenning aber auch Dinge wie einen Vierer-Buggy anschaffen.

Ende des vergangenen Jahres hat Familie Wenning dann noch etwas für sich getan. Ein Zimmer wurde angebaut, das alte Wohnzimmer ist seitdem Spielzimmer. Jetzt muss Marion Wenning nicht jeden Tag alles Spielzeug wegräumen. „Ich kann die Tür zumachen und habe Feierabend.“

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