Kitas öffnen für alle Kinder, für manche Eltern ist das eine Katastrophe

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Die Zeit der Notbetreuung in den Kindertagesstätten ist vorbei. Ab Montag dürfen wieder alle Kinder kommen. Viele Eltern freuen sich riesig, für manche fangen die Probleme aber jetzt erst an.

Legden

, 07.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

13 Wochen lang konnten viele Kinder nicht in ihre Kitas gehen. Ab Montag, 8. Juni, beginnt der eingeschränkte Regelbetrieb. Damit endet die Notbetreuung. Die Kitas in Legden sind darauf vorbereitet. Manche Eltern aber sehen sich neuen Schwierigkeiten ausgesetzt.

Vorgegeben ist, dass alle Zeiten um 10 Stunden reduziert werden. Die katholischen Kindergärten werden deshalb nur bis 14.15 Uhr Kinder betreuen. „Das Telefon glüht“, sagt Nora Göcke, Verbundleiterin der drei katholischen Kindertageseinrichtungen in Legden und Asbeck. „Mütter rufen an, weil sie in großer Bedrängnis sind. Sie kommen nicht mit den neuen Zeiten klar“, berichtet sie. „Auch ein Arbeitgeber hat schon bei mir angerufen.“

In der Notbetreuung, so Nora Göcke, seien manche Kinder sogar über den üblichen Zeitrahmen hinaus betreut worden, jetzt sind es halt zehn Stunden weniger als gewohnt. Das kollidiert häufig mit den Arbeitszeiten. „Wir versuchen, individuelle Lösungen zu finden“, sagt sie. So könnten sich Eltern aus einer Gruppe zusammentun, ein Kind schon mal mit nach Hause nehmen. Notfalls würde halt wieder so eine Art Notbetreuung eingerichtet.

Erzieherinnen müssen jeden Tag jedes Spielzeug desinfizieren

Die Reduzierung der Stunden macht Sinn. Aus mehreren Gründen. Zwei Erzieherinnen in den drei Kindergärten dürfen aus gesundheitlichen Gründen in der Corona-Krise nicht arbeiten. Wenn alle Kinder weg sind, müssen die Erzieherinnen alle Räume desinfizieren – und auch jedes Spielzeug. Das kostet Zeit. Darüberhinaus müssen die Gruppen künftig streng voneinander getrennt werden. Das heißt, dass auch Erzieherinnen beispielsweise am Nachmittag nicht gruppenübergreifend wie gewohnt arbeiten dürfen.

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Mit der neuen Regelung werden alle Stammgruppen wie vor der Coronakrise zusammentreffen. Das sind drei Gruppen in St. Brigida und fünf Gruppen in St. Martin. Eine Ausnahme macht die Kita St. Margareta mit seinen drei Gruppen in Asbeck. Hier wurden in der Notbetreuung alle Vorschulkinder in einer Gruppe betreut. Das wird jetzt in den letzten Wochen vor dem Abschied nicht geändert.

Die Gruppen müssen künftig unter sich bleiben. Auch das hat sich bereits in der Notbetreuung bewährt. In einer Gruppe, so berichtet Nora Göcke, war ein Kind unter Coronaverdacht. Es wurde getestet und war zum Glück nicht infiziert. Bis zum Ergebnis wurde die eine Gruppe geschlossen und alle Eltern informiert. Die anderen Kinder in der Kita konnten weiter kommen.

Kinder akzeptieren ihre „Baustellen“ hinter dem Flatterband

Für die Kinder ist die Trennung nach Gruppen bereits geübt, so berichtet es Nora Göcke. „Wir haben Flatterband gespannt, das sind ihre Baustellen. Sie haben es mit Humor genommen.“ Das gilt für die Kinder, die in die Notbetreuung kamen. Das wurde über die Wochen hinweg immer mehr. Ab 28. Mai durften dann auch die Vorschulkinder kommen.

In St. Martin waren es zum Schluss 32 von 116 Kindern, in St. Brigida 28 von 58 Kindern und in St. Margareta 16 von 56 Kindern, so Nora Göcke. „Sie haben sich riesig gefreut“, erzählt sie von den Reaktionen der Kinder. In allen Einrichtungen arbeiten 52 Erzieherinnen, davon die meisten in Teilzeit.

Die Verbundleiterin rechnet ab Montag mit einer Eingewöhnungsphase. Gerade die Jüngeren waren immerhin teilweise 13 Wochen nicht mehr im Kindergarten. „Sie sind viel mehr auf Eltern bezogen, weil ja auch sonst die sozialen Kontakte eingeschränkt waren“, sagt sie und ergänzt: „Das hat für die Entwicklung auch etwas Positives, das gibt den Kindern noch mal eine Ursicherheit.“ Alle Kinder, so berichtet sie, würden allerdings nicht am Montag zurückkommen. „Manche Eltern sind vorsichtig und wollen die Zeit bis zu den Ferien anders überbrücken.“

Kita-Tag beginnt zu verschiedenen Zeiten

Auch die Eltern müssen sich umgewöhnen. Sie sollen nicht die Gruppenräume betreten und ihre Kinder möglichst vor der Tür abgeben. „Das wird so nicht funktionieren“, fürchtet Nora Göcke. „Mit Mundschutz dürfen sie die Kinder auch in den Flur bringen.“ Damit nicht alle aufeinander treffen, wurde der Start je nach Buchungsart gestaffelt. Kinder mit einer 45-Stunden-Betreuung, jetzt also 35 Stunden, können um 7.15 Uhr gebracht werden, Kinder mit 35 (25) Stunden um 7.30 und 8 Uhr und die Kinder mit 25 (15) Stunden um 8.30 Uhr.

Vor der Coronakrise entstand das Foto im St.-Martin-Kindergarten mit (v.r.) Annette Eichholz (Leitung Kita St. Brigida), Sandra Hüning (stellvertretende Leitung Kita St. Martin), Martina Terwey (Leitung Kita St. Margareta), Nora Göcke (Verbundleitung) und Aga Wiynck.

Vor der Coronakrise entstand das Foto im St.-Martin-Kindergarten mit (v.r.) Annette Eichholz (Leitung Kita St. Brigida), Sandra Hüning (stellvertretende Leitung Kita St. Martin), Martina Terwey (Leitung Kita St. Margareta), Nora Göcke (Verbundleitung) und Aga Wiynck. © privat

Mundschutz können die Erzieherinnen tragen, wenn sie sich damit wohler fühlen, sie müssen aber nicht. „Das geht eigentlich nicht, die Mimik hat so viel Wert“, sagt Nora Göcke über den Kita-Alltag. Bei Kontakt mit Eltern oder beim Wickeln könne aber ein Mundschutz schon mal eingesetzt werden.

Im Blick hat die Verbundleiterin auch schon das Ende des Kindergartenjahrs. Abschiedsfeiern werden in den Gruppen stattfinden, so wie es die Corona-Regeln erlauben. Für alle Vorschulkinder wird es außerdem einen Gottesdienst geben. In der Kirche ist genug Platz. Deshalb sind dazu auch die Familien eingeladen.

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