Kopfstoß in der Disko hinterlässt blutende Platzwunde

mlzStrafprozess

Die Feuerwehrleute aus Jülich wollten eigentlich nur fröhlich in der Disko in Legden feiern. Für einen von ihnen wurde es nach einer Kurzschlusshandlung vor allem ein teurer Abend.

Legden

, 10.06.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einer heftig blutenden Platzwunde am Kopf endete im September 2019 für einen 64 Jahre alten Rentner ein fröhlicher Abend im Dorf Münsterland in Legden. Jetzt hatte der Vorfall ein Nachspiel in einem Strafprozess vor dem Amtsgericht in Ahaus.

Der Rosendahler hatte mit zwei Begleiterinnen, Mutter und Tochter gefeiert, als ihm zu fortgeschrittener Stunde gegen 3.15 Uhr ein 41 Jahre alter Mann auffiel, der sich an der abgelegten Jacke seiner Begleiterin zu schaffen machte und sie dann auf den Boden warf.

Attacke ohne Vorwarnung

Der Rosendahler und seine Begleiterin sprachen den 41-Jährigen an. Weil er angetrunken war, ließen sie aber den Vorfall auf sich beruhen und kehrten zur Tanzfläche zurück. Dort rempelte der 41-Jährige wenig später den Rentner an, packte ihn sich und versetzte ihm unvermittelt einen Kopfstoß.

„Das Blut lief mir nur so übers Gesicht. Die Platzwunde musste im Krankenhaus geklebt werden“, berichtete der 64-Jährige als Zeuge vor dem Gericht in Ahaus.

Angeklagter bestreitet Vorwürfe und sieht sich selbst als Opfer

Der 41-jährige Jülicher hatte eine andere Version der Geschichte: Er bestritt den Kopfstoß. Er sei von dem Rentner angesprochen worden, als er seine Jacke gesucht habe. Noch bevor er verstanden habe, was der Rentner von ihm wollte, habe er einen Schlag einstecken müssen.

Der Anwalt des 41-Jährigen wollte diese Darstellung mit Fotos illustrieren: Seinem Mandanten sei ein Stück vom Zahn abgebrochen. Die Behandlungskosten hätten sich auf 2067,80 Euro belaufen. Der Richter zeigte sich davon wenig beeindruckt: Der Schneidezahn könnte ja auch bei einem nicht gekonnt ausgeführten Kopfstoß Schaden genommen haben.

Zehn Stunden lang Party gefeiert

Der 41-Jährige war zum Tatzeitpunkt alkoholisiert. Auf einer vom Richter vorgeschlagenen Skala von 1 (stocknüchtern) bis 10 (sturzbetrunken) ordnete sich der Angeklagte selbst bei Ziffer 5 ein. Er war mit 14 Kameraden seines Löschzug vom Niederrhein gegen 17 Uhr in Legden eingetroffen. Nach zehn Stunden Party wollte der Löschzug gerade zur Heimfahrt aufbrechen, als es es zu der Attacke kam.

Ein anderer Feuerwehrmann aus Jülich, der als Zeuge aussagte, betonte aber: „Wir sind keine Säufertruppe. Wir waren alle noch im Vollbesitz unserer geistigen Kräfte.“ Den Angeklagten, der bislang nie strafrechtlich aufgefallen ist, schilderte er als ausgeglichen und besonnen. Von dem fraglichen Gerangel habe er aber nichts mitbekommen.

Verteidiger bezweifelt Glaubwürdigkeit der Zeugen

Das Opfer übrigens betonte: „Ich habe seit 42 Jahren keinen Tropfen Alkohol angerührt. Und auch seine Begleiterin, die vor Gericht wie auch ihre Tochter den Kopfstoß des 41-Jährigen bezeugte, erklärte: „Ich habe an diesem Abend keinen Alkohol getrunken, weil ich noch mit den Auto fahren musste.“

Der Verteidiger des 41-Jährigen versuchte aber die Glaubwürdigkeit der Zeugen in Zweifel zu ziehen. Die Aussagen seien offensichtlich abgesprochen. Und es gebe Widersprüche im zeitlichen Ablauf, den die Polizei bei ihren Befragungen festgehalten habe. Darum forderte er einen Freispruch für seinen Mandanten.

2800 Euro Geldstrafe plus Schmerzensgeldforderung

Das überzeugte den Richter keineswegs. Die Zeugenaussagen stimmten im Kern überein, befand er. „Es ist auch völlig unwahrscheinlich, dass die drei Zeugen das Risiko einer Falschaussage auf sich nehmen. Welchen Sinn sollte das machen?“, so der Richter.

Er verurteilte den 41-jährigen Jülicher zu einer Geldstrafe von 2800 Euro (40 Tagessätze à 70 Euro) und zur Kostenübernahme für das Gerichtsverfahren. Nach Angaben des Verteidigers hat der Geschädigte zudem eine Schmerzensgeldforderung von 1000 Euro erhoben. Darüber müsste in einem zusätzlichen Zivilprozess entschieden werden.

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