Kunst zeigt eine düstere Zukunft und Gefühle in Stein gemeißelt

mlzAusstellung

Rüdiger Klebecks Skulpturen drücken Gefühle aus. Rainer Gardians Malerei gleicht einer Dystopie. Der Heimatverein Asbeck führt beide Künstler in einer Ausstellung zusammen. Das ist spannend.

Asbeck

, 30.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Heimatverein Asbeck lädt zu seiner neuen Sonderausstellung ein. Mit Malerei und Skulpturen von Rainer Gardian und Rüdiger Klebeck gibt es zwei verschiedene Ansätze. Beide Künstler werden bei der Eröffnung am Sonntag, 1. September, 11 Uhr, im Dormitorium über ihre Arbeit sprechen. Das dürfte interessant werden.

Es ist eine kühle, technisierte Zukunft, in die die Bilder von Rainer Gardian führen. Laboratorien, Fabriken, durch die endlose Rohre führen, sind menschenleer – so scheint es. Doch auf den zweiten Blick entdeckt der Betrachter winzig klein einen Menschen vor Überwachungsmonitoren und in einem Becken, gefüllt mit einer grünen Substanz, eine menschliche Gestalt.

Kunst zeigt eine düstere Zukunft und Gefühle in Stein gemeißelt

Rainer Gardian zeigt in diesem Bild eine technisierte Zukunft. © Ronny von Wangenheim

Auf dem Becken steht „Homines non nascuntur, sed finguntur“. Der Spruch von Erasmus „Menschen werden nicht geboren, sondern gebildet“ weist auf eine mögliche Lesart hin. In anderen Bildern greift der Coesfelder das Thema auf ähnliche Weise auf. „Mein Lieblingsthema ist die Transformation des Körpers durch die in ihn eindringenden Technologien“, sagt er. Das kann die Prothese sein oder der Chip, der in den Kopf eingepflanzt wird. Kann der Körper irgendwann ganz überflüssig werden? Die Frage drängt sich auf.

Bilder wecken Assoziationen

Immer finden sich viele Details, die Anlass für Assoziationen sind. Ein Mensch mit einem Schlachterbeil, spielende Kinder, Harlekine, Vögel, vieles findet sich in den großformatigen Arbeiten die Titel wie „Werkstatt der Merkwürdigkeiten“ haben. Häufig integriert Rainer Gardian Platinen, Teile aus Computern, Radios oder Telefonen und anderen Fundstücken.

Für Rainer Gardian hat sich seit seiner Kindheit mit Kunst beschäftigt, zunächst als Hobbykünstler und Autodidakt. Später hat der Lehrer an einem Berufskolleg ein Kunststudium in Enschede absolviert und in Bochum Airbrush-Design studiert.

Kunst zeigt eine düstere Zukunft und Gefühle in Stein gemeißelt

Rüdiger Klebeck mit seinen Skulpturen, die er dann im Dormitorium für seine Ausstellung aufstellte. © Ronny von Wangenheim

Autodidakt ist auch Rüdiger Klebeck, der in Billerbeck lebt. Der Sozialarbeiter hat 2003 seine Leidenschaft für den Baumberger Sandstein entdeckt, das typische Material der Region. Die meisten Arbeiten sind aus diesem Material. Er arbeitet aber auch mit Holz oder Speckstein.

Perspektivlos oder neugierig

Seine Skulpturen weisen häufig organische Formen auf. Zu seinen neuesten Arbeiten gehören ausdrucksstarke Köpfe. „Wohin jetzt nur?“ heißt ein Werk. Der Kopf ist niedergeschlagen zur Seite gesenkt. Klebeck, so erzählt er, hatte hier einen gebrochenen Menschen im Blick, einen Flüchtling vielleicht. Gefühle ausdrücken, das ist ein Anliegen Klebecks.

Kunst zeigt eine düstere Zukunft und Gefühle in Stein gemeißelt

"Wohin denn nur?" von Rüdiger Klebeck © Ronny von Wangenheim

„Neugier“ zeigt zwei stilisierte Figuren, die große hält die kleine, der Blick beider ist nach unten gerichtet. Was sie dort sehen – das überlässt der Billerbecker, wie in seinen anderen Arbeiten auch, dem Betrachter. Auch er selbst lässt sich überraschen. Denn der Stein selbst bestimmt die Form und das Thema. „Eine Mischung aus Intuition, Idee und Experiment beeinflusst das Ergebnis“, so Rüdiger Klebeck: „Je unregelmäßiger dessen Form ist, umso stärker wird die Skulptur zu einem gemeinsame Werk zwischen dem Stein und mir.“

Kunst zeigt eine düstere Zukunft und Gefühle in Stein gemeißelt

"Neugier" von Rüdiger Klebeck © Ronny von Wangenheim

Termine

  • Bilder und Skulpturen, Dormitorium, Stiftsstraße 20
  • bis 13. Oktober, Samstag, Sonntag und Feiertage, 14.30 bis 17.30 Uhr
  • Führungen auf Anfrage: Tel. (02566) 909419
  • www.heimatverein-asbeck.de
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