Landwirte müssen für ein besseres Image aktiv werden – bei Demos, aber auch vor Ort

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Landwirte müssen mehr in die Öffentlichkeit. Das sagt Christian Bomberg. Deshalb hat der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins die Agrar-Bloggerin Bettina Hueske nach Legden eingeladen.

Legden

, 04.02.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein besseres Image für die Landwirtschaft und für die Landwirte ist für Christian Bomberg wichtig. In dieser Beziehung kann er auf ein gutes Jahr 2019 zurückblicken. Doch bei der Versammlung des Ortsvereins, die traditionell immer zu Lichtmess stattfindet, gab es am Montag auch kritische Töne.

„Wir müssen in die Kinos, wir müssen ins Fernsehen kurz vor der Tagesschau“, machte der Legdener Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Werbung für die Kampagne „Landwirtschaft – mag doch jeder“. Jeder Landwirt solle sich finanziell beteiligen. Ähnlich argumentierte auch Markus Weiß, stellvertretender WLV-Vorsitzender. „Es geht nicht ohne eine professionelle Imagekampagne.“

Mal eben vom Trecker absteigen

Gute Öffentlichkeitsarbeit könne aber auch anders aussehen, so Bomberg. Den Nachbarn kurz Bescheid sagen, wenn man Gülle ausfährt; mal vom Trecker absteigen, wenn man mit der Pflanzenschutzspritze unterwegs ist, und erklären, dass man da jetzt kein Glyphosat auf das Weizenfeld sprühen wird – auch so könne man das Image des Bauern verbessern.

Gute Ansätze hat es 2019 gegeben. Christian Bomberg nannte die Aktion, bei der die Landwirte vor Edeka und K+K Blühsamen verteilt hatten: „Wir sind mit den Verbrauchern ins Gespräch gekommen.“ Der Legdener lobte den Erfolg von „Land schafft Verbindung“ (LsV) mit den friedlichen Demonstrationen. „Der Zusammenhalt ist stark geworden“, so Bomberg, der selbst mit unterwegs war und demonstriert hat wie bei der ersten größeren Aktion im April in Münster.

Landwirte müssen für ein besseres Image aktiv werden – bei Demos, aber auch vor Ort

Im April demonstrierten rund 40 Legdener Landwirte in Münster. © privat

„Es ist wichtig, die Leute zu informieren, was wir auf unseren Höfen machen“, so Christian Bomberg, „wir müssen unsere Tore öffnen.“ Eine Einschätzung, die Bettina Hueske teilt und selbst umsetzt. Die Landwirtin aus Südlohn ist Agrar-Bloggerin, vermittelt auf Facebook und Instagram einen Blick auf ihre Arbeit.

Ehrlich und objektiv bleiben – auch auf Instagram

Dazu gehört für sie, nicht nur die schönen Seiten des Landlebens zu posten. Auch Bilder von kranken Kühen gehören für sie beispielsweise dazu – auch wenn sie so schon einen Shitstorm auslöste. Bettina Hueske berichtete, was zu einem guten Social-Media-Auftritt gehört, wie sich ihr Engagement dafür mit der Zeit entwickelte, und gab Tipps, womit man die Menschen erreicht. Diese sind bei ihren Internetauftritten in der Regel zwischen 18 und 34 Jahre alt und zu 75 Prozent männlich.

Landwirte müssen für ein besseres Image aktiv werden – bei Demos, aber auch vor Ort

Bei der Sonnenblumenaktion kamen 2019 für die Blumen 450 Euro zusammen, die der Aktion Lichtblicke gespendet wurden. © Janny Heisterborg

Bei aller Aufbruchstimmung, bei allem Optimismus, weil die Probleme der Bauern inzwischen auch bei Angela Merkel zur Chefsache geworden sind – es gibt genug Probleme, mit denen auch die Legdener Landwirte kämpfen.

Da sind zum einen die lokalen Themen. Zeelink-Leitung und Verdichterstation, verknüpft mit den Themen Entschädigung und Baubegleitung wurden aus den Reihen der Teilnehmer angesprochen. Ähnlich wie bei dem Bau der Loop-Gasfernleitung sollten auch jetzt Landwirte beteiligt werden, so die Aufforderung an den WLV, bei Open Grid Europe aktiv zu werden.

Ärger um die Düngeverordnung

„Die Nivellierung der Nivellierung der Nivellierung der Düngeverordnung“ nannte Christian Bomberg ein Beispiel für überregionale Themen. Die Preislage vor allem für Milchviehhalter, das Messstellennetz und die afrikanische Schweinepest waren weitere Stichworte am Montagvormittag in der Gaststätte Ostermann.

Neueste Informationen gab es dazu auch von Markus Weiß aus dem Vorstand des WLV, von WLV-Geschäftsführer Jörg Sümpelmann und Dr. Ulrike Janßen-Tapken, Arbeitsbereichsleiterin in der Kreisstelle der Landwirtschaftskammer. Allein ihre Ausführungen, welche Anträge man zu welchem Themen unbedingt einreichen müsse, sorgte für Kopfschütteln unter den Landwirten.

Landwirte müssen für ein besseres Image aktiv werden – bei Demos, aber auch vor Ort

Im Dezember beteiligten sich Legdener Landwirte an den bundesweiten Protesten von "Land schafft Verbindung" und blockierten die B 474. © Stephan Teine

Im Rückblick konnte Christian Bomberg nicht nur von Demonstrationen berichten. Zum Vereinsleben gehörte im März auch ein Abend bei der Freiwilligen Feuerwehr Legden. Die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr war auch gut, als es im trockenen Sommer Flächenbrände gab. Bomberg hob hervor, dass der Feuerwehr ein 25.000-Liter-Fass mit Löschwasser zur Verfügung gestellt wurde. „Manchmal waren wir sogar schneller als die Feuerwehr“, so Bomberg.

Landwirte müssen für ein besseres Image aktiv werden – bei Demos, aber auch vor Ort

Die Feuerwehr in Legden setzt im Sommer auch auf ein mit Wasser gefülltes 25.000 Liter großes Güllefass, um Löschwasser zu Ackerbränden im Außenbereich zu bringen. © Stephan Teine

Um die Zusammenarbeit zu verbessern, wurde ein Fragebogen verteilt. So soll abgeklärt werden, welches Gerät oder welche Löschwasservorräte Landwirte im Außenbereich im Notfall der Feuerwehr zur Verfügung stellen können.

Termin

Um die Wasserrahmenrichtlinie geht es demnächst bei Runden Tischen. Vorbereitet wird dies bei Terminen vor Ort. Die Landwirtschaftlichen Ortsvereine aus Legden, Asbeck, Heek und Ammeln treffen sich am Mittwoch, 18. März, 19 Uhr, in der Gaststätte Reers in Asbeck.

Knapp vier Hektar Land wurden 2019 mithilfe von Saatgut zu Blühstreifen. „Wir lagen im Kreis ganz vorne“, so Christian Bomberg. Auch in diesem Jahr will der Landwirtschaftliche Ortsverein Bauern Saatgut zur Verfügung stellen. „Mehr Öffentlichkeitsarbeit können wir am Feldrand nicht machen.“

Ausbau von Wirtschaftswegen

Einen Überblick über wichtige Legdener Themen gab Bürgermeister Friedhelm Kleweken. Er hob dabei neben dem Hochwasserschutz und dem Thema Siedlungsgebieten, den Ausbau von Wirtschaftswegen hervor, der dank Fördermitteln noch kurz vor Weihnachten auf sieben Kilometern vollendet wurde. „Wir werden wieder Anträge stellen“, so Kleweken: „Wir sind immer auf der Lauer, wo man noch Geld bekommen kann.“

Mit der Leistung des Bürgermeisters ist Bomberg offensichtlich zufrieden. Für den Ruhestand bot er Kleweken unter dem Gelächter der Anwesenden einen 450-Euro-Job an, bei dem dieser Fördertöpfe heraussuchen könne.

Sowohl Kleweken als auch Markus Weiß und Christian Bomberg sprachen die Kommunalwahlen vom Herbst an. Dann wird Kleweken nicht mehr kandidieren. Dann wird ein neuer Gemeinderat gewählt. „Die Landwirtschaft ist längst nicht mehr so vertreten wie früher“, so der Bürgermeister: „Jetzt ist Zeit, sich aktiv zu beteiligen.“

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