Landwirte zweifeln, ob das Jahr des Schweins ihnen in Legden Glück bringen wird

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Noch mehr Bürokratie wird manchen Landwirt in Zukunft verzweifeln lassen. Bei der Winterversammlung ging es auch um Kupierverzicht, Blühstreifen und die Verdichterstation.

Legden

, 05.02.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Chinesen starten in der Nacht zum Dienstag in das Jahr des Schweins. Das sollte doch ein gutes Omen für die Landwirtschaft sein, auch in Legden. So begrüßte Friedhelm Kleweken die Landwirte im Saal des Hauses Ostermann. Das Schwein als Symbol für Reichtum und Glück: „Wer viele Schweine hat, ist reich“, sagte der Bürgermeister und erntete damit den ersten Lacher bei der Winterversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsvereins.

Viel zu lachen haben die Landwirte in diesen Zeiten nicht. Die Dürre hinter sich, drohender bürokratischer Mehraufwand zum Beispiel für die Stromstoffbilanz vor sich und dann sind noch in der Schweinehaltung die drei K-Fragen: Kupieren, Kastration und Kastenstand. Da war genug Anlass für die eine oder andere aufgebrachte Zwischenfrage an Heinz-Josef Elpers, den stellvertretenden Kreisvorsitzenden des Landwirtschaftlichen Kreisverbands, und an Ludger Rövekamp von der Landwirtschaftskammer.

Landwirte zweifeln, ob das Jahr des Schweins ihnen in Legden Glück bringen wird

Bei der Versammlung der Landwirte am 4. Februar 2019 mit (v.l.) Bürgermeister Friedhelm Kleweken, Ludger Rövekamp (Beratungsleitung Landwirtschaftskammer Kreis Borken), Ortsverbands-Vorsitzender Christian Bomberg, stellvertretender Kreisvorsitzender Heinz-Josef Elpers und Fabian Klönne (WLV). © Ronny von Wangenheim

Doch zurück nach Legden. Christian Bomberg blickte als Vorsitzender des Ortsvereins vor knapp 90 Landwirten, Landfrauen und Gästen auf ein Jahr zurück, das nicht nur von den Folgeschäden des Sturms Friederike und vor allem bei den Futterbaubetrieben von der langen Trockenheit geprägt war. Ein großes Thema war und ist der Leitungsbau. Gut gelaufen, so Bomberg, ist die Zusammenarbeit mit Open Grid Europe beim Bau der Loop-Leitung Epe-Legden. 80 Prozent der Flächen sind bereits wieder rekultiviert. Das sei auch der Baubegleitung durch Landwirte zu verdanken gewesen, so Bomberg.

Zwei Großbaustellen

Genau wie Bürgermeister Friedhelm Kleweken sprach er die künftigen Projekte an: Der Bau der 380 KV-Höchstspannungsleitung mit einem zwei Kilometer langen Tunnel unter Legden hindurch und dann wenig später die Zeelink-Gas-Leitung sind zwei Großbaustellen, wie sie Legden allenfalls beim Autobahnbau erlebt hat.

Landwirte zweifeln, ob das Jahr des Schweins ihnen in Legden Glück bringen wird

Ggeen die Verdichterstation kämpft eine Bürgerinitiative, zu der viele Landwirte gehören. © privat

Nach wie vor groß ist der Unmut über das Vorgehen von Open Grid Europe mit der Verdichterstation. „Man hat uns hinters Licht geführt“, sagte Christian Bomberg. Open Grid Europe habe nicht mit so einem großen Widerstand gerechnet“, so der Legdener Landwirt weiter. Viel helfen wird es aber wohl nicht. Bomberg berichtete, dass der Fernleitungsnetzbetreiber bereits drei Stellen für die Verdichterstation ausgeschrieben habe, obwohl noch nicht mal der Bauantrag gestellt sei. Im Frühjahr, so kündigte Friedhelm Kleweken an, wird es eine weitere Infoveranstaltung von Open Grid Europe geben.

Landwirte zweifeln, ob das Jahr des Schweins ihnen in Legden Glück bringen wird

Der Wirtschaftsweg Deipenbrock in Richtung Asbeck gehört zu denen, die durch die Folgen des Leitungsbaus geschädigt wurden. © Ronny von Wangenheim

Mit den Baustellen einher gehen marode Wirtschaftswege. Christian Bomberg mahnte beim Bürgermeister an, dass die Landwirte bei der nächsten Betrachtung der Wirtschaftswege mit dabei sind. Entschädigung bei den Baufirmen zu bekommen, „das wird noch ein harter Kampf“, so Kleweken.

Ein weiteres Stichwort: Marketing. Landwirte müssen sich besser darstellen, da waren sich Christian Bomberg und Heinz-Josef Elpers einig. Elpers stellte die Imagekampagne „Landwirt schafft Leben“ vor, die mithilfe der Landwirte finanziert und von Profis umgesetzt werden soll und die bundesweit das Ansehen der Landwirte verbessern soll. „Wir müssen mit der Werbung vor die Tagesschau“, sagte Elpers. Und Bomberg ergänzte: „Jeder kleine Handwerksbetrieb macht Werbung. Wir müssen das auch.“

Landwirte zweifeln, ob das Jahr des Schweins ihnen in Legden Glück bringen wird

Heinz-Bernd Saalmann hat schon 2018 Blühstreifen angelegt und dabei die bürokratischen Hürden auf dem Weg zu Subventionen erlebt. © Markus Gehring

In Legden selbst sieht Christian Bomberg eine gute Möglichkeit, Landwirtschaft besser darzustellen, wenn mehr Blühstreifen angelegt werden. Mit 500 Euro, dem Anteil des Legdener Ortsvereins am Innogy-Klimaschutzpreis 2018, wird Saatgut angeschafft. Der Vorstand, so Bomberg, wird dann die Aussaat bei den Landwirten übernehmen.

Landwirte zweifeln, ob das Jahr des Schweins ihnen in Legden Glück bringen wird

Der Landwirtschaftlliche Ortsverein erhielt den Innogy-Klimaschutzpreis für den Aufbau der Bienennisthilfen. © Till Meyer

Wie groß die Begeisterung für beide Aktionen ist, kann schwer eingeschätzt werden. Entsprechende Unterschriftenlisten waren am Montag jedenfalls deutlich kürzer als die zur Resolution zum Thema Wolf, die ebenfalls durch die Reihen gereicht wurde. Aber immerhin rund drei Kilometer Blühstreifen kamen schon mal bei der ersten Abfrage zusammen. Bomberg appellierte an seine Kollegen: „Wir machen so viel gute Arbeit. Aber wir müssen Leute auch mal in den Stall bitten oder von der Pflanzenschutzspritze absteigen und Radfahrern, die vorbeikommen, unsere Arbeit erklären.“

Heinz-Josef Elpers, seit einem Jahr stellvertretender Kreisvorsitzender sprach die Wolfsfrage genauso an wie die afrikanische Schweinepest. Und auch er blickte nach China. 50 Prozent aller Schweine stehen dort, so Elpers, aber zehn Prozent wurden bereits in einem halben Jahr wegen der Schweinepest verloren. „Das kann uns in die Karten spielen, dass wir trotzdem exportieren können.“

Dürrehilfe, Pflugregelung, Baurechtsmodernisierung, Emissionsminderung – Ludger Rövekamp brachte in seinem Beitrag viele, auch nicht so erfreuliche, Themen zur Sprache. Beim Thema Biodiversität regte sich Widerstand. „Es wird viel zu kleinkariert kontrolliert“, kritisierte ein Legdener Landwirt und sprach von den Schwierigkeiten, die er hatte, als er nur mal kurz nach dem Sturm einen Baum auf einer der Flächen ablegte. „So erreicht man keine Blühstreifen“, dieser Satz wurde mit Beifall quittiert.

Vehemente Redebeiträge gab es auch beim Thema Kupierverzicht. Er sei in der Praxis nicht umsetzbar. „Welcher Mäster will Langschwänze kaufen?“, fragte ein Landwirt und wies daraufhin, dass die Haltung unkupierter Ferkel problematisch sei: „Das ist gelebte Tierquälerei“, sagte er und erhielt dafür viel Applaus.

Zum Schluss gab es noch einmal lokale Zahlen. Die Nitratbelastung, gemessen an den Messstellen Wehr, Quantwick und Hegerort, ist überall unter 5 mg/Liter. Der Grenzwert liegt bei 50 mg. Christian Bomberg betonte: „Das ist ein Top-Ergebnis.“

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