Wer darf das Obst von Bäumen pflücken, die im öffentlichen Besitz sind?

mlzObsternte

Es wird ein gutes Obstjahr. An vielen Bäumen reifen Äpfel, Birne und Zwetgschen. Doch was passiert mit all dem Obst von den Bäumen, die auf öffentlichem Gebiet stehen? Darf hier jeder ernten?

Legden, Ahaus

, 18.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auf der Straße zum Asbecker Sportplatz stehen Obstbäume. In den Zweigen hängen viele Äpfel. Und darunter liegen Äpfel und verfaulen. Darf ich hier pflücken, fragen sich Vorbeikommende. „Ja“, sagt Bürgermeister Friedhelm Kleweken. Und er weiß, dass sich gerade hier in Vorjahren auch Nachbarschaften schon bedient haben. „Auf dem Dorf regelt sich so etwas von alleine.“

Die Straße ist nur ein Beispiel für viele in der Region. Auch an der Kreisstraße von Legden in Richtung Osterwick stehen viele Obstbäume. Hier wie an anderen Stellen an den 460 Kilometer Kreisstraßen ist der Kreis Borken zuständig. Gibt es irgendwelche Bestimmungen? Das verneint Karlheinz Gördes, Pressesprecher des Kreises und bringt es kurz auf einen Punkt: „Wir wünschen guten Appetit.“

Wer darf das Obst von Bäumen pflücken, die im öffentlichen Besitz sind?

Auf der Streuobstwiese in der Nähe des Asbecker Mühlenbachs kommt man durch hohes Gras an die Obstbäume heran. © Markus Gehring

Und auch in Ahaus hat die Stadt nichts dagegen, wenn Obst geerntet wird. Im Gegenteil. Denn die Stadt Ahaus pflanzt sogar neue Obstbäume.

Doch erst ein Blick zurück. Vor 50 Jahren war die Lage anders. Äpfel und Birnen hatten einen anderen Stellenwert. Damals wurden die Bäume an einem bestimmten Tag versteigert. Friedhelm Kleweken erinnert sich daran, dass er als Junge mit dabei war. Für wenige Mark erhielt man den Zuschlag und konnte einen Baum abernten.

Äpfel wurden eingelagert

„Obst zum Überwintern war damals noch ein wichtiges Nahrungsmittel“, so der Legdener Bürgermeister. Die kostbaren Äpfel wurden damals noch eingelagert und dann auch noch zum Beginn des nächsten Jahres gegessen. „Wir Kinder mussten nach den Äpfeln schauen und die faulen raussuchen“, erinnert sich Friedhelm Kleweken.

Heute scheint die Nachfrage zum Selberpflücken nicht groß zu sein. Darauf deutet das vergammelnde Obst am Boden hin. „Bei uns hat noch niemand nachgefragt, ob er pflücken darf“, sagt Friedhelm Kleweken: Sein Appell ist: „Die Bäume sollten nicht beschädigt, die Zweige nicht abgerissen und die Umwelt nicht zertrampelt werden.“

„Die Bäume vor dem Graben sind in öffentlicher Hand, hinter dem Graben könnten sie Privatbesitzern gehören.“
Paul Janning

Zur Vorsicht mahnt auch Karlheinz Gördes. In Ahaus schließt sich Paul Janning, im Tiefbauamt zuständig für die Planung der Grünflächen, an. Sich wahllos an fremden Bäumen zu bedienen, geht natürlich nicht. Eine gute Faustregel nennt Paul Janning: „Die Bäume vor dem Graben sind in öffentlicher Hand, hinter dem Graben könnten sie Privatbesitzern gehören.“

Wer darf das Obst von Bäumen pflücken, die im öffentlichen Besitz sind?

© Markus Gehring

In Ahaus kann man an vielen Straßen fündig werden. Den Prozessionsweg in Wessum, den Schulweg aus Richtung Wessum zur Gesamtschule oder den Gerwinghook in Alstätte nennt Paul Janning als Beispiele. Aber auch in Graes oder in Ottenstein stehen städtische Obstbäume. Hier gibt es einiges zu ernten. „Schön, wenn sich Nachbarschaften finden, die sich kümmern“, sagt auch der Ahauser.

Neue Ausgleichsflächen

Auch bei neuen Ausgleichsflächen setzt die Stadt Ahaus auf Obstbäume. „Sie sind eine Bereicherung, sind gut für höhlenbrütende Vögel und viele Insekten finden hier Nahrung“, sagt Paul Janning. Deshalb werden zusätzlich an einigen Stellen auch Nisthöhlen aufgehängt.

Wer darf das Obst von Bäumen pflücken, die im öffentlichen Besitz sind?

© Markus Gehring

Am Kalkbruch in Wüllen sind gerade auf einer Ausgleichsfläche 260 Bäume gepflanzt worden, darunter Kirschen, Walnussbäume, Esskastanien und Pflaumen. Da dauert es natürlich noch, bis die ersten Früchte und Nüsse geerntet werden können.

Genauso sieht es in Alstätte aus. Hier wurde an der Straße Am Bahnhof zwischen Feuerwehr und Sportplatz eine landschaftlich schöne Fläche mit Obstbäumen angelegt als Ausgleich für das Baugebiet Deventer Weg und den dort vorkommenden Gartenrotschwanz. Auch hier dauert es noch, bis der erste Apfel vom Baum fällt. Allerdings ist in der Nähe bereits eine ältere Obstwiese.

Wer darf das Obst von Bäumen pflücken, die im öffentlichen Besitz sind?

Diese Streuobstwiese, Am Bahnhof in Alstätte, wurde als Ausgleichsfläche von der Stadt Ahaus angelegt. In ein paar Jahren kann hier geerntet werden. © Markus Gehring

Bei der Auswahl der Bäume setzt Paul Jannig auf Vielfalt und auf alte heimische Arten. Er mag selbst Obst sehr gerne. „Die rote Sternrenette schmeckt sehr gut“, erzählt er. Diese alte Apfelsorte lässt sich auch sehr gut lagern. Den Gravensteiner, der relativ früh reif wird, nennt er seinen Lieblingsapfel. Später dran ist dann beispielsweise die „Dülmener Rose“.

Mundraum ist eine Plattform im Internet

Unter den Birnbäumen finden sich ebenfalls verschiedene Sorten. Williams Christ und die „Köstliche von Charneux“ nennt Paul Janning als Beispiel. Er setzt darauf, dass in diesen Wochen das viele Obst nicht am Baum verkommt. „Wenn einer anruft, gebe ich gern Auskunft“, sagt Paul Janning, Tel. 02561 72499.

Auch im Internet kann man nach guten Standorten suchen. Mundraub nennt sich passenderweise die Plattform für die Entdeckung und Nutzung essbarer Landschaften. In Orten wie Münster funktionert das sehr gut. Auch für Ahaus gibt es ein paar wenige Eintragungen. Es könnte viel mehr sein. Auch Paul Janning hat „Mundraub“ schon genutzt. Jetzt plant er, auch auf diese Weise auf öffentliches Ahauser Obst aufmerksam zu machen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt