Bürgerinitiative „Verdichterstation – Nein danke“ protestiert, Open Grid informiert

mlzVerdichterstation

Mit Plakaten am Standort der geplanten Verdichterstation bekräftigt die Bürgerinitiative den Widerstand gegen die Pläne von Open Grid Europe. Der Netzbetreiber lädt jetzt zum Dialogmarkt ein.

Legden

, 23.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Haulingort an der Grenze von Legden nach Osterwick, dort wo die Verdichterstation auf sechs Hektar Fläche gebaut werden soll, hat die Bürgerinitiative „Verdichterstation – Nein danke“ jetzt zwei große Plakatwände aufgebaut. Der Protest geht weiter.

Hier haben sie nicht nur festgehalten, „warum eine Verdichterstation für Legden überflüssig ist“, so eine der Überschriften. „Wir zeigen, wie viel Gas in Deutschland anlandet und wie viel Gas gleich weiterexportiert wird“, erläutert Rainer Bergemann.

Dialogmarkt am 1. Oktober

Aber auch der Gasfluss nach Deutschland, der Erdgasverbrauch und die Zahl der Gasfernleitungsbetreiber sind Themen für Plakate. „In Deutschland sind es 16, in Österreich nur sieben und in England nur einer“, so Bergemann. Und noch ein Argument nennt er: „Der Antrieb der Turbinen verbraucht so viel Energie, dass damit 8000 Haushalte versorgt werden könnten.“

„Der Antrieb der Turbinen verbraucht soviel Energie, dass damit 8000 Haushalte versorgt werden könnten.“
Rainer Bergemann

Warum die Verdichterstation unbedingt in Legden gebaut werden muss, und das mit zwei Turbinen – das will noch einmal Open Grid Europe als Fernleitungsnetzbetreiber darlegen. Deshalb wird am Dienstag, 1. Oktober, erneut zu einem Dialogmarkt eingeladen. Ab 18 Uhr werden Vertreter von Open Grid Europe im Landhotel Hermannshöhe, Haulingort, über das Projekt informieren.

„Wir haben mit der Bürgerinitiative und dem Bürgermeister regelmäßige Treffen vereinbart“, erläutert Pressesprecher Helmut Roloff, warum es erneut zu einer solchen Veranstaltung kommt. Zehn bis 15 Kollegen werden an dem Termin über die verschiedenen Aspekte informieren und die Fortschritte der Planungen erläutern.

Fachbezogene Themeninseln

Dabei wird es keine Vorträge geben, sondern mehrere fachbezogene Themeninseln. Neben Schautafeln stehen die Fachverantwortlichen der Zeelink-Gewerke, wie etwa Trassenplanung und Landwirtschaft, für persönliche Gespräche zur Verfügung.

Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf der geplanten Zeelink-Verdichterstation in Legden. Daneben stehen auch Informationen über die bereits im Bau befindliche Zeelink- Fernleitung zur Verfügung.

Inzwischen hat sich Open Grid Europe definitiv auf den Standort in der Nähe des Umspannwerks festgelegt, der in den ersten Planungen als Standort B gehandelt wurde. Auch weitere Untersuchungen zur Umweltentwicklung fanden statt. Das Planfeststellungsverfahren soll Ende November auf den Weg gebracht werden. Baubeginn wird weiterhin für November 2020 angestrebt, die Inbetriebnahme für 2023.

Zeelink

  • Der Bau der 215 Kilometer langen Zeelink-Erdgasfernleitung von der deutsch-belgischen Grenze bei Aachen ist bereits gestartet. Die Arbeiten liegen im Zeitplan.
  • In fünf Abschnitten wird die Leitung von Süden in Richtung Norden verlegt. In Legden wird erst 2020 gebaut. Die Inbetriebnahme ist für März 2021 vorgesehen.
  • Die Projekt ist rund 600 Millionen Euro teuer.
  • Die Leitung wird notwendig für die schrittweise Umstellung von L- auf H-Gas. Das L-Gas-Volumen wird bis 2030 um 90 Prozent zurückgehen.

Auftrag der Bundesnetzagentur

Die Verdichterstation am Ende der Zeelink-Leitung von Aachen nach Legden ist ein Muss, so Roloff: Sie steht im Netzentwicklungsplan und ist ein Auftrag der Bundesnetzagentur. Auch diese prinzipiellen Fragen will Open Grid Europe beim Dialogmarkt noch einmal erläutern.

Am anderen Ende der Zeelink-Leitung in Würselen wird bereits an einer Verdichterstation gearbeitet. In Legden geht es um das Gas, das aus Richtung Norden kommend in den Süden weitergeleitet wird und auf dem Weg verdichtet werden muss. Hier werden dann, so Roloff, auch bestehende Leitungen wie die Leitung 67 eingebunden.

Zwei Verdichterstationen besichtigt

Zuletzt hatten sich die verschiedenen Parteien im Mai bei einer Fahrt zu zwei Verdichterstationen in Stolberg bei Aachen und in Köln-Porz getroffen, zu der OGE eingeladen hatte. Für die Bürgerinitiative hatte sich danach nichts an ihrer ablehnenden Meinung geändert. Sie kritisiertn den großen Verbrauch der landwirtschaftlichen Flächen und die Belastung durch Lärm und Emissionen.

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Im Gegenteil: Nachdem Rainer Bergemann erfahren hatte, dass in Stolberg eine Verdichtereinheit bereits seit drei Jahren nicht gelaufen sei, drängte er wie die anderen Mitglieder der Bürgerinitiative auf andere Lösungen. Bergemann ist überzeugt: „Bauen ist für OGE lukrativ, hier bestimmen wirtschaftliche Fragen.“

Bürgermeister Friedhelm Kleweken hatte nach der Informationsfahrt gesagt: „Das sieht sehr industriell aus. Es wird alles sprengen, was wir bisher in Legden haben.“

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