Legden ist unrühmlicher Spitzenreiter der Gewalt-Statistik und dennoch ein sicherer Ort

mlzKriminalitätsstatistik

Nirgendwo sonst im Kreis ist die Gefahr, Opfer einer Gewalttat zu werden, so groß wie in Legden. Das Dahliendorf hat Gronau in der Statistik noch überholt. Das hat einen einzigen Grund.

Legden

, 11.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gute und schlechte Nachrichten bringt die Kriminalitätsstatistik der Kreispolizeibehörde Borken. Insgesamt wurden weniger Fälle bekannt. 402 waren es 2018, 348 im Jahr 2019 und damit etwa eine Straftat am Tag. Das bedeutet einen Rückgang bei den Gesamtstraftaten um 13,4 Prozent. Bei der Gewaltkriminalität allerdings wurde eine Steigerung um 35,3 Prozent verzeichnet.

23 Fälle von Gewaltkriminalität statt 17 im Vorjahr – dazu zählen Raub oder gefährliche und schwere Körperverletzung. Dazu kommen 63 Fälle von Körperverletzung (2018: 57). Hätte Legden 100.000 Einwohner, wären 315 im vergangenen Jahr Opfer einer Gewalttat geworden, mehr als irgendwo anders im Kreis.

Dorf Münsterland bringt viele Tausende Gäste nach Legden

Diese Kriminalitätshäufigkeitszahl drückt die durch Kriminalität verursachte Gefährdung aus und ermöglicht den Vergleich unterschiedlich großer Kommunen. Zum Vergleich: In Heek liegt der Wert für die Gewaltkriminalität bei 115, im Kreis Borken durchschnittlich bei 162 und im Bundesland NRW bei 246.

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Überbewerten dürfe man diesen schlechten Wert für Legden nicht, so Frank Rentmeister, Pressesprecher der Kreispolizei. Denn viele der Taten ereignen sich im Umfeld des Dorf Münsterland. „Hier kommen jedes Wochenende sehr viele Gäste. Hier ist oft Alkohol im Spiel. Dazu entstehen Gewaltdelikte. Würde man die zu den Einwohnerzahlen Legdens dazuzählen, sähe der Wert anders aus“, so Rentmeister. 78,3 Prozent der Fälle wurden aufgeklärt.

Warum der Wert noch einmal stieg, es jetzt noch einmal mehr Gewalttaten wurden, lässt sich nicht sagen. Bei kleinen Orten und dementsprechend wenigen Delikten gibt es über die Jahre hinweg immer Verschiebungen.

Es gab weniger Wohnungseinbrüche

Das lässt sich auch gut bei den Wohnungseinbrüchen erkennen. 9 Einbrüche statt 15 im Jahr davor bedeutet eine Verbesserung um 6 Prozent. Doch schaut man auf 2017, sieht man, dass es damals auch nur acht Einbrüche gab. 2018 sorgte ein einzelner Einbrecher, der mehrmals zuschlug, für den Ausschlag nach oben.

Generell haben im Kreis Borken die Wohnungseinbrüche abgenommen, so Frank Rentmeister. „Unsere Maßnahmen haben gegriffen. Wir waren viel in gefährdeten Gebieten unterwegs mit Zivilstreifen oder Streifenwagen.“

In vielen weiteren Kategorien hat sich die Situation in Legden verbessert. Zum Beispiel bei der Straßenkriminalität. Hier ging die Zahl von 141 auf 90 zurück, eine Verbesserung um 36,2 Prozent. „Das freut uns besonders“, sagt der Polizei-Pressesprecher, „gerade die Kriminalität im öffentlichen Raum sorgt für ein unruhiges Gefühl.“

Pedelecs werden besser gesichert

In diese Kategorie fallen unter anderem Raubdelikte (2019: 2 Fälle / 2018 1 Fall), Taschendiebstahl (3/3) Diebstahl aus Kfz (17/23). Auch der Diebstahl von Fahrrädern gehört dazu. Hier gingen die Fälle von 55 auf 32 zurück.

Ein Trend, den Frank Rentmeister im gesamten Kreis beobachtet: Fahrraddiebstahl ist seit Jahren rückläufig. Das liegt auch daran, dass viele Bürger Pedelecs haben, die viel besser gesichert werden und nicht einfach irgendwo abgestellt werden.“ Die Folge: Die Zahl der Fälle sinkt, die Schadenshöhe dagegen steigt.

Alles zusammen genommen, hat sich die Situation in Legden verbessert. Die insgesamt 348 Fälle wurden zu 59,5 Prozent (2018: 58,5) aufgeklärt, dabei 190 Tatverdächtige ermittelt. Das wirkt sich auch auf die Kriminalitätshäufigkeitszahl aus. Für die Gesamtkriminalität liegt sie bei 4758 Fällen auf 100.000 Einwohner. 2018 waren es noch 5496. Damit hat sich Legden vom dritten Platz auf den siebten Platz verbessert. Spitzenreiter bleibt hier Gronau. Auch Ahaus und Stadtlohn haben bezogen auf die Bevölkerungszahl mehr Straftaten zu verzeichnen.

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