Alfred Mennekes mit einem der Ventilatoren, der mit einer Isolationsplatte statt eines Fensters in jedem Klassenraum der Legdener Schulen montiert werden soll. Das macht das Lüften zu Corona-Zeiten effektiv. © Markus Gehring
Coronavirus

Legden setzt in Klassenräumen auf Lüfter von Dr. Alfred Mennekes

Jede Klasse in Legden und Asbeck soll mit Lüftern gegen das Coronavirus ausgestattet werden. Der Rat hat die Investition freigegeben, ohne die genauen Kosten zu kennen. Es soll schnell gehen.

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus geht die Gemeinde Legden in den Klassenzimmern der drei Schulen ab sofort einen ganz eigenen Weg. Sie setzt dabei auf eine Erfindung aus der eigenen Gemeinde: Die Fensterlüfter, die der ehemalige Legdener Tierarzt Dr. Alfred Mennekes entwickelt und zusammen mit der TU Mittelhessen und dem Max-Planck-Institut aus Göttingen in der Paulus-van-Husen-Schule getestet hat, sollen in den rund 50 Klassenzimmern installiert werden. Und zwar so schnell wie es nur irgendwie geht.

Ehemaliger Tierarzt hat Lüfter entwickelt

Im Rat hat Dr. Alfred Mennekes (71), ehemaliger Tierarzt in Legden, seine Ideen am Montagabend noch einmal im Detail vorgestellt: Ein starker Ventilator wird mit einer Isolationsplatte statt eines Fensters in jedem Klassenraum montiert. Er soll dafür sorgen, dass die gesamte Luft in dem Klassenzimmer binnen weniger Minuten ausgetauscht werden kann. So werde die Belastung durch Aerosole und den möglicherweise daran anhaftenden Coronaviren drastisch reduziert. Dadurch müssten die Fenster nicht mehr alle 20 Minuten für mehrere Minuten weit geöffnet werden. So lasse sich der Wärmeverlust in Grenzen halten. Vor allem in der kalten Jahreszeit ein wichtiger Punkt.

Diese Daten hätten auch die Untersuchungen der beiden Institute untermauert. „Ich wollte belastbare Fakten haben, bevor ich die Idee weiter verfolge“, erklärte der Tüftler im Rat. Die Untersuchungen Anfang November hätten die theoretischen Überlegungen bestätigt, führte Dr. Alfred Mennekes weiter aus.

Auch finanziell haben die Ventilatoren viele Vorteile

Gleichzeitig ging es im Rat aber auch um die finanzielle Fragen: Bei Luftreinigungsgeräten, wie sie aktuell in vielen Schulen eingesetzt werden sollen, sei schnell mit Kosten von rund 7400 Euro pro Klassenraum im ersten Jahr zu rechnen. Und auch beim Einsatz dieser Geräte müssten die Fenster regelmäßig weit geöffnet werden. Kosten und Nutzen würden also in einem sehr schlechten Verhältnis stehen.

Die Tests mit der TU Gießen (Foto) und dem Max-Planck-Institut im November hatten die theoretischen Überlegungen bestätigt: Mit den Fensterventilatoren kann die Luft in Klassenzimmern deutlich schneller ausgetauscht werden, als durch bloßes Lüften. Jeder Klassenraum in Legden und Asbeck soll mit den Geräten ausgestattet werden.
Die Tests mit der TU Gießen (Foto) und dem Max-Planck-Institut im November hatten die theoretischen Überlegungen bestätigt: Mit den Fensterventilatoren kann die Luft in Klassenzimmern deutlich schneller ausgetauscht werden, als durch bloßes Lüften. Jeder Klassenraum in Legden und Asbeck soll mit den Geräten ausgestattet werden. © Markus Gehring © Markus Gehring

Die Kosten der Ventilatoren lägen hingegen nur bei rund 1000 Euro pro Klassenraum. Gleichzeitig könnten die Ventilatoren auch nach dem Ende der Corona-Pandemie gut eingesetzt werden, um das Klima im Klassenraum zu verbessern. „Die Luftreiniger würden dagegen im Keller landen, wenn die Pandemie einmal vorbei ist“, machte Dr. Alfred Mennekes deutlich.

Damit rannte er bei den Ratsmitglieder offene Türen ein: Einstimmig entschied sich der Rat schließlich dafür, die speziellen Ventilatoren für alle Klassenräume in Legden und Asbeck anzuschaffen. Dabei drückte der Rat gleichzeitig ordentlich aufs Tempo: „Ich kenne das Gesamtinvest nicht, aber wir sollten das schnell auf den Weg bringen“, erklärte Berthold Langehaneberg (CDU).

Auch Bruno König (UWG) sprach von einer pragmatischen Lösung. Viel Zeit sei schon verloren, umso wichtiger sei es jetzt schnell zu handeln. Das sah auch Sigrid Gosling (SPD) so. „Wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren“, sagte sie.

Rat gibt grünes Licht – ohne die genauen Kosten zu kennen

Auch wenn die genauen Ausgaben noch nicht klar sind, gab der Rat fast uneingeschränkt grünes Licht: Bürgermeister Dieter Berkemeier wurde ermächtigt, die Ausgaben für Lüfter und Installation freizugeben. Die Politik soll lediglich noch einmal eingeschaltet werden, falls die Geräte unerwartet deutlich teurer werden als im Rat vorgestellt.

Die Hoffnung der Ratsmitglieder ist, dass die neuen Lüfter schon zum Ende der Weihnachtsferien in Betrieb gehen können. Schon am Tag nach der Ratssitzung ging es einen Schritt weiter: Dr. Alfred Mennekes traf sich mit einem Schreiner erneut an der Paulus-van-Husen-Schule, um die Fenster genau auszumessen. Und auch außerhalb von Legden und Asbeck stößt die Entwicklung auf Interesse. „Es gibt schon erste Anfragen“, hatte Dr. Alfred Mennekes im Rat erklärt.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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