Legdener Ex-Straftäter (55) verrät, wie Einbrecher ticken und was gegen sie hilft

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Hermann Wenning wurde auf einem Bauernhof in Legden geboren. Als Jugendlicher geriet er auf die schiefe Bahn. Doch er kämpfte sich in ein normales Leben zurück. Und wurde Autor.

Legden

, 14.12.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schlagartig mit dem Ende der Sommerzeit werden die Tage kürzer und die Nächte länger. Und die dunkle Jahreszeit ruft erfahrungsgemäß vermehrt ungebetene Gäste auf den Plan: Einbrecher. Denn durch die Dunkelheit verändern sich die tatbegünstigten Faktoren für Einbrecher deutlich ins „positive“. Wie man sich dennoch schützen kann und wie Einbrecher ticken, verrät der Ex-Strafttäter und gebürtige Legdener Hermann Wenning (55) in seinem neuen Buch „Einbruch“.

Die Dunkelheit senkt das Risiko für Einbrecher entdeckt zu werden. Und durch ein- oder ausgeschaltetes Licht ist oftmals auf den ersten Blick zu erkennen, ob jemand Zuhause ist oder nicht. „Es gibt einem als Einbrecher ein größeres Sicherheitsgefühl“, bestätigt Hermann Wenning im Gespräch mit unserer Redaktion.

Hermann Wenning steht zu seinen Fehlern

Sicherheitsgefühl für Einbrecher, das klingt erst mal komisch. Nicht aber für Hermann Wenning, der durch die Drogensucht Mitte der 90er-Jahre auf die schiefe Bahn geriet und in der Folge etliche Einbrüche verübte. „Ich habe immer die Konfrontation gescheut. Deswegen bin ich auch zum Großteil in Firmen eingebrochen.“ Etliche Male sei er vor der Polizei geflohen. „Ich war ja schlau und hatte immer einen Fluchtweg geplant.“

Hermann Wenning hat sich auf beeindruckende Weise in ein „normales“ Leben zurückgekämpft.

Hermann Wenning hat sich auf beeindruckende Weise in ein „normales“ Leben zurückgekämpft. © Privat

Heute steht der gefragte Autor zu seinen Fehlern in der Vergangenheit. Auch zu seiner Zeit im Gefängnis. Und Hermann Wenning ist clean. Drogen und Alkoholkonsum gehören der Vergangenheit an. Seit über 20 Jahren. Drei Bücher hat Hermann Wenning mittlerweile veröffentlicht. Das jüngste mit dem Titel „Einbruch“ ist am 15. September 2019 im Geistkirch-Verlag erschienen und kostet 12,80 Euro.

Einbrecher haben hunderte Objekte zur Auswahl

Ein Kapitel des Buches beschäftigt sich auch mit dem Thema Einbruchschutz. Denn wer könnte da besser Tipps geben, was einen Einbrecher abschreckt oder abhält als ein Mann mit einschlägiger Erfahrung? „In einer Siedlung hat man als Einbrecher hunderte Objekte zur Auswahl. Doch die Entscheidung, in welches man einsteigt, fällt innerhalb einer Minute“, stellt der 55-Jährige klar.

Die Möglichkeiten, in ein Objekt einzudringen, sind für Einbrecher vielfältig.

Die Möglichkeiten, in ein Objekt einzudringen, sind für Einbrecher vielfältig. © dpa

Dort wo man leicht rein und raus kommt und zugleich ungesehen ist, stehen die Chancen für Einbrecher gut. „Dunkelheit, eine blickdichte Hecke, schwach gesicherte Türen oder Fenster – all das bezieht man in die Kalkulation mit ein“, sagt der der 55-Jährige. Testanrufe, ob jemand zu Hause ist, erfolgen ebenfalls gerne. „Ist ja leicht anhand des Namens und der Adresse die Telefonnummer rauszubekommen.“

Beim Einbruch gilt die Zwei-Minuten-Regel

Und es gilt die Zwei-Minuten-Regel. „Wenn der Einbrecher innerhalb dieser Zeit nicht drin ist, dann lässt er vom Objekt ab.“ Dass Einbrüche aber oft genug gelingen, zeigt der jüngste Fall in Dresden im Grünen Gewölbe. „Die Täter wollten rein und kamen rein“, so Wenning.

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Dennoch - es gibt natürlich Möglichkeiten sich und sein Heim zu schützen. „Alles was einen Einbrecher Zeit kostet, ist für ihn lästig.“ An dieser Stelle helfen zusätzliche Sicherungen an Fenster und Türen. Licht und aufmerksame Nachbarn seien ebenfalls ein wirksamer Schutz. Experten der Kreispolizeibehörde Borken beraten übrigens in diesen Fragen ausführlich, auch vor Ort.

Prävention ist für Hermann Wenning essenziell

Oftmals seien Einbrüche auch das Werk von Drogenabhängigen, erläutert Wenning. So wie bei ihm selbst. Es ist die so genannte Beschaffungskriminalität. Auch deswegen tourt der Autor als Vortragsreisender durchs Land, um Kinder- und Jugendliche vor der Gefahr des Alkoholmissbrauchs und dem Drogenkonsum zu warnen.

Wenn Hermann Wenning (l.) durch das Land tourt, seine Bücher vorstellt oder Präventionsvorträge hält, dann ist der Andrang immer groß.

Wenn Hermann Wenning (l.) durch das Land tourt, seine Bücher vorstellt oder Präventionsvorträge hält, dann ist der Andrang immer groß. © Anna-Lena Haget

„Prävention ist so wichtig und zugleich der beste Schutz vor Beschaffungskriminalität und auch Einbrüchen.“ Weit über 50 Vorträge hält der 55-Jährige, der hauptberuflich bei der Stadt Ahlen am Bauhof angestellt ist, im Jahr. „Mir macht das Spaß. Und ich glaube, dass ich vielen Menschen helfen kann. Auf diese Weise kann ich etwas zurückgeben.“

12 Monate dauerte die Fertigstellung des neuen Buches „Einbruch“

Auch im Verbreitungsgebiet der Münsterland Zeitung ist Hermann Wening mit seinen Vorträgen regelmäßig zu Gast. „Als gebürtiger Legdener freue ich mich natürlich immer, in die Heimat zu kommen. Das ist schon etwas besonderes.“

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Doch zurück zum Thema Einbruch und Hermann Wennings neuem Werk. Die Idee zu diesem Buch entstand dem Autor, als er 2017 bei einer Versicherung Vorträge zum Thema Einbruchsschutz hielt. „Kurze Zeit später habe ich angefangen zu schreiben.“ Ein Jahr später war das Buch bereits fertig, wenngleich es erst 2019 erschien.

Einen Einbrecher versuchen zu stellen, ist keine gute Option

Das Kapitel Einbruchschutz sei dabei ein besonders wichtiges. Auszüge aus dem Werk zeigen: Wennings Sprache ist einfach, direkt und verständlich. „Ich beschreibe die Dinge so, wie sie sind.“ Denn trotz rückläufiger Einbruchszahlen, das Thema ist stets akut. Und dabei im Fall der Fälle gilt es als Betroffener besonnen und rational zu reagieren. Das betont der 55-Jährige im Gespräch mit Nachdruck.

Einen Einbrecher selbst stellen zu wollen, ist der falsche Weg und viel zu gefährlich.

Einen Einbrecher selbst stellen zu wollen, ist der falsche Weg und viel zu gefährlich. © dpa +++ Symbolbild +++

„Versuchen, den Einbrecher zu stellen, ist der schlechteste Weg. Man weiß nie, ob er bewaffnet ist oder unter Drogeneinfluss steht.“ Gerade letztes mache Menschen mitunter unberechenbar. Und erhöht die Gefahr für das eigene Wohl und Leben erheblich. Die Wohnung sofort verlassen, Nachbarn und umgehend die Polizei verständigen - das sei der richtige Weg.

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