Reserve-Antibiotika sollen bald verboten werden. Dann könnten einige Tiere nicht mehr behandelt werden. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Tierschutz

Legdener Tierarzt: „Tiere werden sterben wegen geplantem Antibiotikaverbot“

Wer krank ist, wird behandelt. Für Tiere soll das bald nicht mehr gelten. Eine geplante Gesetzesänderung soll bestimmte Antibiotika aus der Tiermedizin verbannen. Unethisch findet das ein Legdener.

Jede Unterschrift zählt. Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) sammelt derzeit fleißig Unterschriften, um gegen ein vom EU-Parlament geplantes Antibiotikaverbot für Tiere vorzugehen. Ein ehemaliger Tierarzt aus Legden ist tierisch sauer über das geplante Verbot.

Alfred Mennekes ist ehemaliger Tierarzt aus Legden. Der 71-Jährige ist zwar nicht mehr im aktiven Dienst, aber man bekommt den Tierarzt nicht aus ihm heraus. Ebenso wenig wie die Sorge um seine tierischen Freunde.

Antibiotika haben besondere Bedeutung

Die Situation ist folgende: „Martin Häusling ist Abgeordneter der Grünen im EU-Parlament und treibt ein Verbot von so genannten Reserve-Antibiotika in der Tiermedizin voran“, erklärt Alfred Mennekes im Gespräch mit der Redaktion. Diese Antibiotika haben allerdings eine besondere Bedeutung.

Sie werden dann eingesetzt, wenn andere Medikamente nicht mehr wirken. Jetzt sollen sie einfach nicht mehr zulässig sein für die Behandlung von kranken Tieren. „Der Antrag liegt schon lange bei denen in der Schublade und wird jetzt kurz vor der Wahl noch mal aktiviert“, so Mennekes.

Aber warum sollen die überhaupt verboten werden? Aus Angst vor Resistenzen gegenüber Antibiotika beim Menschen. Diese können sich bilden, wenn vermehrt Antibiotika eingesetzt werden, besonders wenn vorher kein Resistenztest durchgeführt wird, der aussagt, welches Medikament gezielt eingesetzt werden soll. Bildet sich eine Resistenz, dann haben Antibiotika keine Wirkung mehr gegen bestimmte Krankheitserreger.

Wenn der einsame alte Mann auch noch den besten Freund verliert

Betroffen wären davon sowohl Haustiere wie Hunde, Katzen und andere Kleintiere sowie Pferde, aber auch Nutztiere. „Bestimmte Erkrankungen können dann nicht mehr behandelt werden“, gibt Alfred Mennekes besorgt zu bedenken. „Ich habe eben noch mit dem Präsidenten der Praktizierender Tierärzte Deutschland, Dr. Siggi Moder, gesprochen. Er hat bestätigt, dass im Gesetzesentwurf steht, dass alle Tiere damit gemeint sind“, so Mennekes weiter im Gespräch mit der Redaktion.

Alfred Mennekes ist Tierarzt im Ruhestand und tüftelt an der besten Lüftungstechnik für Schulklassen.
Alfred Mennekes ist Tierarzt im Ruhestand und tüftelt an der besten Lüftungstechnik für Schulklassen. © privat © privat

Die ernüchternde Konsequenz wäre dann beispielsweise: „Wenn ein Opa jetzt nur noch seinen Hund hat, die Oma ist schon verstorben und der Hund wird jetzt krank, dann stirbt der Hund, weil er das benötigte Reserve-Antibiotikum nicht bekommen darf. Dann verliert der arme Opa auch noch die letzte Verbindung zu seiner verstorbenen Frau und das letzte bisschen Trost“, sagt Alfred Mennekes.

Das sei seiner Meinung nach nicht nur tierschutzrechtlich fraglich sondern auch von der menschlichen Seite her zu bewerten. Es ist schlicht unethisches Verhalten. „Im Grundgesetzt ist der Tierschutz fest verankert“, so Mennekes. Auch ein Tier sollte das Recht haben, behandelt zu werden, wenn es krank ist.

Verbot wegen besonderer Anforderungen und geringer Menge unnötig

Vor allem sei das Verbot unnötig, weil die Anzahl der Behandlungen mit diesen Antibiotika unter besonderen Anforderungen stehe und nur in sehr geringen Mengen in der Tiermedizin eingesetzt werde.

„Anders als in der Humanmedizin. Da wird laut Angaben der AOK mit 44 Prozent nahezu bei jeder zweiten Behandlung ein Reserve-Antibiotikum eingesetzt, ohne Resistenztest“, erklärt Alfred Mennekes im Gespräch mit der Redaktion.

Zum Vergleich: In der Tiermedizin werden nur bei zwei Prozent aller Antibiotikabehandlungen die Reserve-Antibiotika eingesetzt. „Und da ist der Einsatz an einen Resistenztest gebunden“, erklärt Alfred Mennekes. Die Menge an eingesetzten Antibiotika hat sich in der Tiermedizin laut Angaben von Alfred Mennekes in den vergangenen sechs bis acht Jahren um die Hälfte reduziert. Das betreffe sowohl die Heimtiere wie auch die Nutztiere in der Landwirtschaft.

Damit die Behandlung von Tieren mit Reserve-Antibiotika auch in Zukunft noch möglich ist, gibt es derzeit eine Petition. Unterschriften-Listen liegen bei Tierärzten aus. „Das ist wichtig, damit die Leute vor der Wahl über die geplante Gesetzesänderung informiert werden“, so Mennekes. Gerne hätte die Redaktion mehr Stimmen zu dem Thema eingeholt, leider hatten keine weiteren Tierärzte Zeit für ein Gespräch.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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