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Legdens KFD-Frauen treten in den Kirchenstreik

Frauen und Kirche

Die katholische Pfarrkirche St. Brigida bekommt am Freitagabend ein weißes „Kleid“. Aus 170 Meter langen Stoffbahnen. Keine Kunstaktion, sondern der sichtbare Protest katholischer Frauen.

Legden

, 08.05.2019 / Lesedauer: 3 min
Legdens KFD-Frauen treten in den Kirchenstreik

Vom 11. bis 18. Mai sollen die Frauen im Bistum Münster keine Kirche mehr betreten und keinen kirchlichen Dienst mehr verrichten. Auch in Legden. © Markus Gehring

„Maria 2.0“ heißt eine Initiative, die katholische Frauen in Münster Anfang des Jahres angestoßen haben und die mittlerweile Unterstützung im ganzen Bistum und darüber hinaus erfährt. Dabei geht es um zwei zentrale Themen: den Umgang der Amtskirche mit dem Thema Missbrauch in eigenen Reihen und die Stellung der Frau in der katholischen Kirche.

Offener Brief an den Papst

Nach einem offenen Brief an Papst Franziskus und einer Online-Petition mit fast 9000 Unterschriften ist jetzt ein Kirchenstreik der nächste Schritt: Vom 11. bis 18. Mai sollen die Frauen im Bistum Münster keine Kirche mehr betreten und keinen kirchlichen Dienst mehr verrichten. Auch in Legden.

„Wir haben weißen Stoff gekauft und werden ihn am Freitag ganz um das Kirchengebäude herum legen, bestätigt Legdens KFD-Teamleiterin Mechtild Boom. Das aber ist nur ein Teil von dem, was sie und ihre Mitstreiterinnen an diesem Freitagabend in Legden geplant haben.

Diskussion im Legdener KFD-Vorstand

Hier war das Engagement der Frauen in Münster vor einigen Wochen Anlass zu intensiven Diskussionen im Vorstand der KFD, berichtet Mechtild Boom. Inhaltlich war man sehr schnell überzeugt und beschloss, sich vor Ort aktiv einzubringen. „Auch wenn nicht alle damit einverstanden sind, tatsächlich keine Kirche mehr zu betreten“, erklärt Mechtild Boom. Pfarrer Axel Heinekamp und andere Gruppen aus Legden wie Hospizgruppe oder Kolping unterstützen sie dabei.

Kirchenaustritt keine Option

Wie die Initiatorinnen aus Münster war auch für die Legdener KFD-lerinnen ein Kirchenaustritt keine Option. Vielmehr wollen sie ein Zeichen setzen und für ihre Anliegen werben. „Frauen machen die Kirche weit“, ist Mechtild Boom überzeugt. Und: „Wir wollen Aufklärung und wehren uns gegen Vertuschung, es muss endlich mal Tacheles geredet werden.“

Das wird in Legden ab Freitag sogar nachzulesen sein. „An das Kirchenportal heften wir die Statuten von Maria 2.0“, sagt die KFD-Leiterin. Außerdem werden weiße Kerzen und Blumen aufgestellt und die Kirchenbänke mit weißen Bettlaken verhüllt. Auftakt ist gegen 20 Uhr ein Wortgottesdienst, in dem die Thematik erläutert wird - natürlich vor der Kirche. Den aber wird kein Priester halten. Mechtild Boom: „Den gestalten wir Frauen selbst.“ Damit wird auch ein deutliches Zeichen für den Wunsch nach Neuanfang in der Kirche gesetzt.

Start mit kleinen Steinen

Einziger Wermutstropfen: Junge Frauen sind unter den 425 Mitgliedern der KFD Legden kaum zu finden. „Die Altersgruppe bewegt sich zwischen 45 und 62 Jahren“, bedauert das auch Mechtild Boom. Ob sie denn dennoch von der Wirkung ihrer Aktion überzeugt sei? Mechtild Booms Antwort: „Es sind sicher nur kleine Steine, aber wenn jeder einen kleinen Stein ins Rollen bringt, kann daraus ein großer Stein werden, es dauert, aber es lohnt sich.“

In ihrem Brief an den Papst haben die Initiatorinnen aus Münster ihre Position dargelegt: „Wir beklagen: • die vielen bekannten und unbekannten Fälle von Missbrauch und Verletzungen jeglicher Art in der römisch-katholischen Kirche • deren Vertuschung und Verdunkelung durch Amtsträger • das Fehlen glaubhafter Entschuldigungen und echter Hilfe für alle, denen Gewalt angetan wurde • dass deshalb viele Menschen der Kirche die Botschaft nicht mehr glauben Wir stehen fassungslos, enttäuscht und wütend vor dem Scherbenhaufen unserer Zuneigung und unseres Vertrauens zu unserer Kirche. Darum fordern wir, wie schon viele vor uns : • kein Amt mehr für diejenigen, die andere geschändet haben an Leib und Seele oder diese Taten ge-duldet oder vertuscht haben • die selbstverständliche Überstellung der Täter an weltliche Gerichte und uneingeschränkte Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden • Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche • Aufhebung des Pflichtzölibats • kirchliche Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen auszurichten.“
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