Lesung mit Manfred Lütz: Ironisch und charmant statt eingestaubt

mlzPaulus van Husen-Schule

Ernste Themen müssen nicht immer auch so vorgetragen werden. Manfred Lütz ist ein Paradebeispiel dafür. Er las aus dem Buch „Als der Wagen nicht kam“ und sorgte für zahlreiche Lacher.

Legden

, 07.10.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist bereits dunkel gegen 19 Uhr am Montagabend, 5. Oktober, als die letzten Zuhörer zur Lesung von Manfred Lütz (66) in der Paulus van Husen-Schule eintrudeln. Aber auch eine halbe Stunde Stunde vor Beginn war schon gut etwas los in der Eingangshalle der Schule. Ein Stimmen-Gewirr ist deutlich zu vernehmen, die Menschen sind aufgeregt und freuen sich auf die Lesung.

Aber wer ist Manfred Lütz überhaupt? Und was hat er mit der Paulus van Husen-Schule zu tun? Eigentlich nichts und trotzdem eine ganze Menge, denn der Theologe und Psychiater aus Bornheim ist der Großneffe von Paulus van Husen. Zur Namensgebung der Sekundarschule (Paulus van Husen-Schule) am folgenden Tag, 6. Oktober, hielt Manfred Lütz eine Lesung in der Schule ab.

Wissenslücke geschlossen

„Keiner weiß wo Legden Rosendahl ist, ich wusste es auch nicht“, scherzt Manfred Lütz während seiner ersten Worte an die Zuhörer. Aber diese Wissenslücke sei ja jetzt geschlossen. Den Kontakt zwischen der Schule und dem Psychiater wurde von Andreas Wellenbüscher hergestellt, einem Lehrer der Sekundarschule.

Manfred Lütz hat Freude am Reden und das spürt man. Er erzählt von sich, seiner Familie und wo er überhaupt herkommt. Das Ganze verpackt er mit einer Spur Ironie und nimmt sich selbst und andere dabei auf die Schüppe. Eingestaubt klingt anders.

Gut besucht war die Lesung von Manfred Lütz in der Paulus van Husen-Schule am Montagabend.

Gut besucht war die Lesung von Manfred Lütz in der Paulus van Husen-Schule am Montagabend. © Laura Schulz-Gahmen

Und so erzählt Manfred Lütz von seinem Großonkel Paulus van Husen, der eigentlich ja Paul heißt, beziehungsweise hieß, denn von Paulus auf Paul kam dann ein Standesbeamter, der nicht richtig hingesehen hatte und so aus einem Paulus doch den Paul machte. Dem Paulus zuliebe, nennt Manfred Lütz seinen Großonkel im Buch dann wieder Paulus van Husen, denn so heißt ja auch die neue Sekundarschule.

„Entspannen Sie Ihre Gesichtszüge“

Bevor es losgeht erzählt er noch, dass viele sich nicht trauen, während der Lesung ihren Gesichtszügen freien Lauf zu lassen, aus Angst was der Psychiater daraus lesen könnte. Dazu sagt er: „Entspannen Sie ihre Gesichtszüge, ich habe jetzt Freizeit.“ Dann legt er los.

Für einen Mann von 66 Jahren legt er beim Lesen ein beeindruckendes Tempo hin. Auch wer in der letzten Reihe saß, hörte sicherlich jedes Wort, denn leise war Manfred Lütz nicht. Er las Auszüge aus dem Buch „Als der Wagen nicht kam“. Geschrieben hat es Paulus van Husen selbst, nur veröffentlicht hat es sein Großneffe. „Ich habe nur das Gesprochene veröffentlichen lassen, die anderen, langen Passagen habe ich rausgenommen“, so der Theologe, der bereits einige Bücher veröffentlicht hat. Manfred Lütz hatte die Autobiografie von seinem Großonkel geerbt.

Manfred Lütz hat seinen Großonkel nie kennengelernt

Immer wieder unterbricht Manfred Lütz seine Lesung selbst mit einem fast schon kichernden: „Hö, hö.“ Und das, obwohl nicht alles so wirklich lustig ist. Denn Paulus van Husen erlebte den Zweiten Weltkrieg nicht nur mit, sondern hat versucht den Nazi-Machenschaft entgegenzuwirken.

Er war mit Stauffenberg bekannt und war ebenfalls aktiv beim militärischen Widerstand. Ebenso wusste er von der Planung des versuchten Hitler-Attentats am 20. Juli 1944, dass durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg ausgeübt wurde. Persönlich kennengelernt hat Manfred Lütz seinen Großonkel im Übrigen nie, wie er selbst sagt: „Er starb als ich 16 war.“

Im Anschluss an die Lesung konnten die Zuhörer noch Fragen an den Buchautoren stellen. Allerdings nur bis 21 Uhr, denn bereits im Vorfeld hatte Schulleiter Knut Kasche angekündigt, die Türen der Schule um 21 Uhr schließen zu wollen.

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