Mit dem Melkroboter im neuen Stall hat Paul Morbeck seine Tiere besser im Blick, sogar auf dem Smartphone. © Markus Gehring
Melkroboter

Melkroboter: Besserer Kuhkomfort und weniger Arbeitsaufwand für Landwirte

In NRW melken immer mehr Roboter Kühe. Der Kreis Borken liegt im Bundesland an zweiter Stelle. Wir haben in Legden nachgefragt, was die Roboter besonders machen und was das den Kühen bringt.

Wer an das Melken von Kühen denkt, der hat meistens noch eine uralte Vorstellung im Kopf: Eine ältere Bauersfrau sitzt auf einem Melkschemel und drückt abwechselnd die Zitzen der Kuh. Im immer gleichen Rhythmus spritzt Milch aus den Zitzen in den Milcheimer. Aber diese Vorstellung ist mittlerweile eine wahre Rarität, denn der Fortschritt macht auch vor der Landwirtschaft keinen Halt.

Melkroboter gibt es seit Jahren und immer wieder gibt es von den verschiedenen Herstellern neue Modelle, die den Milchbauern große Versprechungen machen. Anscheinend ist an denen aber etwas dran, denn die Zahl der Melkroboter in NRW steigt. Der Kreis Borken steht bundeslandweit sogar an zweiter Stelle.

Kühe entscheiden selbst

Auch auf dem Milchviehbetrieb von Paul Morbeck in Legden gibt es mittlerweile Melkroboter. Seit Juli 2019 steht der neue Stall und damit ist auch eine neue Technik auf dem Hof eingezogen. Ein Automatisches Melk-System (AMS), Tiefboxen und klare Wegführungen bieten den Holstein-Rindern auf dem Hof Morbeck in Legden einen deutlich höheren Kuhkomfort.

Aber was ist denn jetzt anders durch den Einsatz moderner Technik? Bevor die Kühe in den neuen Stall mit neuer Technik umgezogen sind, wurde zweimal täglich gemolken, morgens und abends, und zwar zu zweit. Das hat sich geändert, denn jetzt werden die Kühe dreimal am Tag gemolken. Das klingt nach mehr Arbeit als vorher? Falsch gedacht. Denn die Kühe entscheiden selbst wann sie gemolken werden wollen und das Ganze geschieht vollautomatisch.

„Das ist das Schöne beim Roboter“

Haben Kühe ein volles Euter, gehen sie von allein in den Melkroboter. Die Kühe tragen einen Responder am Hals, dieser wird vom Roboter gelesen und der Roboter erhält so Informationen über jede einzelne Kuh. Die Kuh bekommt eine Ration Kraftfutter vom Roboter und dieser entscheidet anhand der Informationen auf dem Responder, ob die Kuh gemolken wird.

Dank des Responders am Halsband erkennt der Roboter jedes Tier und seine Bedürfnisse.
Dank des Responders am Halsband erkennt der Roboter jedes Tier und seine Bedürfnisse. © Markus Gehring © Markus Gehring

Entscheidet das AMS, dass gemolken wird, werden die Zitzen der Kuh mit Bürsten vorgereinigt. Das stimuliert zusätzlich den Milcheinfluss. Ein Laser scannt danach das Euter ab und misst genau, wo die Melkbecher am Euter ansetzen müssen. Die Kuh wird gemolken und gleichzeitig wird die Milch untersucht. „Das ist ja das Schöne beim Roboter“, sagt Paul Morbeck.

So werden Behandlungen mit Antibiotika vermieden

Die Untersuchungsergebnisse aus der Milch geben die genauen Fett- und Eiweißwerte wieder. Außerdem werden die Milchtemperatur und der Leitwert gemessen. Letzterer ist ein Indikator für die Eutergesundheit der Kuh. Auch die Zellzahl wird gemessen. Ist diese erhöht, deutet das auf eine mögliche Entzündung im Kuh-Körper hin.

Am Melkroboter wartet bereits die nächste Kuh. Im Roboter wird sie dann vollautomatisch gemolken und es gibt dort eine Ration Kraftfutter.
Am Melkroboter wartet bereits die nächste Kuh. Im Roboter wird sie dann vollautomatisch gemolken und es gibt dort eine Ration Kraftfutter. © Markus Gehring © Markus Gehring

Dann können Landwirte sofort reagieren und homöopathische Mittel einsetzen, damit eine Behandlung mit Antibiotika vermieden werden kann. Nach dem Melken werden die Melkbecher automatisch abgehangen und mit Wasserdampf für die nächste Kuh gereinigt.

Näher an den Tieren als je zuvor

Insgesamt sei der Arbeitsaufwand für Landwirte geringer und auch auf die Kuhgesundheit wirke sich ein AMS positiv aus. „Es ist stressfreier für die Kühe und die Milchleistung ging seit Einzug der Kühe in den neuen Stall mit neuer Technik, Tiefeinstreuboxen und mehr Platz nach oben“, so der 32 jährige Landwirt.

Einige Landwirte machen sich Sorgen, dass sie sich bei einer Umstellung auf moderne Technik von den Kühen entfernen. Viele Landwirte denken, dass sie ihre Tiere dann nicht mehr zu Gesicht bekommen, „aber die Erfahrung zeigt uns das Gegenteil“. Immer näher sei Familie Morbeck ihren Tieren: „Wir sind mehr zwischen den Kühen im Stall und haben sogar mehr Kontakt als vorher.“ Denn die Arbeitszeitersparnis durch den Melkroboter lässt mehr Zeit für andere Arbeiten.

Für den Landwirt hat es noch einen Vorteil: Sämtliche Tierdaten sind mobil abrufbar auf dem Smartphone. „Wir haben die Daten immer griffbereit und sind somit auch immer dichter an den Tieren“, sagt Paul Morbeck. „Selbst, wenn wir mal nicht im Stall sind.“

Ende 2019 hatten immerhin 569 Bauernhöfe in NRW die automatischen Melkhelfer im Einsatz. Inzwischen sollen es fast 600 sein, wie die Zahlen des Landeskontrollverbands NRW zeigen. Insgesamt gab es 2019 in NRW 5.381 Bauernhöfe, die rund 400.000 Kühe halten. Davon werden rund 68.000 von Melkrobotern gemolken. Die meisten Melkroboter in NRW gibt es im Kreis Kleve, hier arbeiten 73, gefolgt vom Kreis Borken mit 63 und dem Kreis Steinfurt mit 37 automatischen Helfern.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen

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