Michael Rotz lässt Krippenfiguren wandern

Alle Jahre wieder

Als die Krippe in der Kirche St. Brigida brannte, war Michael Rotz drei Jahre alt. Die meisten Holzfiguren verbrannten damals. Ein wenig kann er sich noch an sie erinnern. Und dass er als Kind kaum von der Krippe loszubekommen war. Ob sie der Auslöser für seine Liebe zum geschnitzten Holz war?

LEGDEN

von Ronny von Wangenheim

, 29.12.2016, 18:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Michael Rotz setzt die Figuren während der Weihnachtszeit immer wieder neu in Szene.

Michael Rotz setzt die Figuren während der Weihnachtszeit immer wieder neu in Szene.

Wer weiß. Fest steht, dass er seit 30 Jahren dafür sorgt, dass die Geschichte von Maria, Jesus und dem Christuskind lebendig wird. Am 19. Dezember hat er wieder einmal die Figuren auf Sand und Moos gesetzt. Und nach der Weihnachtsmesse hat er mit einem Glas Sekt angestoßen auf die 30 Jahre, auf die Tradition, die eher zufällig begann. Seine Vorgängerin hatte spontan die Brocken hingeworfen, so erinnert sich Rotz. Der damals 20-Jährige, der eigentlich nur dabei stand, sprang ein. Und ist seitdem zuständig dafür, dass sich die Weihnachtsgeschichte in immer neuen Bildern entwickelt.

Gelernter Holzbildhauer

Und mehr als das: Der gelernte Holzbildhauer hat Figuren restauriert und sogar neu geschnitzt. Ochs und Esel, die im Hintergrund der Krippe stehen, hat der Legdener 2002 ausgehend von Modellen des Holzbildhauers Hans Huber aus Vreden kopiert und in Handarbeit nachgeschnitzt. Der alte Esel liegt inzwischen etwas versteckt unter der Tanne. Der neue Esel steht. Deshalb können später Maria und Kind für die Flucht nach Ägypten auf den Esel gesetzt werden.

Auch als ein Hirte aus der Kirche verschwand und später mit irreparabel beschädigtem Kopf in der Nachbarschaft in einem Gebüsch gefunden wurde, war die Schnitzkunst von Michael Rotz gefragt. Das nötige Rüstzeug dafür hat er. 1989 bis 1992 lebte er in Oberammergau, also in der Wiege der Holzschnitzkunst, absolvierte da die Ausbildung zum Holzbildhauer und arbeitete auch in dem Beruf. Auch in dieser Zeit hat er die Krippe aufgebaut. Er erzählt: „In den Weihnachtsferien ging es vom Zug an den Esstisch, und vom Esstisch in die Kirche.“ Heute arbeitet er übrigens als Krankenpfleger.

Es ist logisch, das sein Herz besonders an den wenigen, alten Holzfiguren hängt, die dem Brand 1970 entkamen, als Kinder unter der Krippe mit Kerzen spielten. Er nimmt ein Schäfchen hoch. „Das ist die älteste Figur der Krippe. Sie stammt von 1906“, sagt er und zeigt auf die Unterseite, wo man noch das verkokelte Holz sieht.

„Die Holzfiguren haben ihre Bewegung, sie sind lebendig“, so der 50-Jährige, „die Ankleidefiguren müssen erst ins Leben gebogen werden.“ Auch das gelingt ihm jedes Jahr aufs Neue. Viel Arbeit steckt er immer in den Stall, den er zusammen mit Küster Martin Feldhaus und Torsten Elfering aufbaut. Die Wurzeln und Äste, die in einem trockenen Keller übersommern, werden jedes Mal anders zusammengesteckt. Diesmal ist eine kompakte, kleinere Krippe entstanden. „Fast heimelig.“ Das gefällt Michael Rotz. Beim Aufbau der Figuren allerdings, sagt er und lacht, da darf ihn keiner stören.

Bis Ende Januar wird die Krippe zu sehen sein und sich „regelmäßig in unregelmäßigen Abständen verändern“. Am 6. Januar halten die drei Könige Einzug, danach verschwinden schon langsam die Hirten wieder.

Seltener Hohepriester

Die Figur, die links steht und auf die Krippe weist, ist übrigens kein König, sondern ein alttestamentarischer Hohepriester. Zwei gab es bis zum Brand, einer konnte gerettet und restauriert werden. Die alten Figuren zeigen, wie wertvoll die alte Krippe war. Pfarrer Hockenbeck hat sie ab 1906 angeschafft, kurz nachdem die Kirche mit Querschiff und Doppelturm vergrößert wurde. 551,85 Mark hat er für Heilige Familie, Engel, Stall und zwei Schäfchen bezahlt. Das alles hat Rotz im Pfarrarchiv recherchiert. Geschichte ist ein weiteres Hobby von ihm. Und Heimatkunde. Im Heimatverein engagiert er sich ebenfalls. Aber das ist eine andere Geschichte.

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