Pflegedienste schaffen es oft nicht mehr vor dem Mittag bei Pflegebedürftigen zu sein, aufgrund des Fachkräftemangels. © picture alliance/dpa
Pflegedienste

Mobile Pflegedienste: Pflegebedürftige warten immer öfter bis mittags

Auf Pflege angewiesen zu sein, ist nicht schön. Darauf warten zu müssen noch weniger. Immer mehr Pflegebedürftige warten teilweise bis mittags auf die Pflegedienste - auch in Legden.

Alt werden ist nichts für Feiglinge, an diesem bekannten Spruch ist etwas dran. Wenn der Körper und der Geist nachlassen, bleibt oft nur eine Hilfe in Form von Pflegediensten. Immer mehr Pflegebedürftige warten allerdings derzeit morgens bis 11 Uhr auf Hilfe. Auch in Legden ist das ein Problem

„Ja das ist so“, eindeutiger hätte Jennifer Mathmann vom Pflegedienst Mathmann in Legden es wohl nicht ausdrücken können. Sie beschönigt nichts, aber sie erklärt warum die Dinge im Pflegedienst so sind, wie sie derzeit sind.

Einzelfallbetrachtung

Menschen, die neu aufgenommen werden im Pflegedienst Mathmann , müssen tatsächlich mittlerweile bis 11 Uhr warten, bis das Pflegepersonal zu ihnen ausrücken kann. Denn erst werden die Menschen versorgt, die bereits Stammpatienten bei Mathmann sind. Es wird aber schon geschaut, wer überhaupt bis mittags alleine klar kommt.

„Einige brauchen ja auch ihr Insulin oder Kompressionsstrümpfe und können nicht so lange warte wie andere“ gibt Jennifer Mathmann zu bedenken. Andere hingegen haben Zuhause Hilfe oder sind noch so fit, dass sie alleine aus dem Bett kommen und sich anziehen und frühstücken können. Dann reiche es, wenn mittags jemand vorbei kommt.

Manche Pflegebedürftige brauchen nur Hilfe beim Duschen

Pauschal gesehen stimme es schon, dass neue Pflegebedürftige länger warten müssen, da erst die versorgt werden, die schon in der Pflege sind. Trotzdem werde versucht auch neue zu Pflegende „dazwischen zu schieben“, es komme immer darauf an, was versorgt werden muss.

Wichtig sei auch die Frage, ob Menschen untersucht werden müssen und, ob ihnen Medikamente verabreicht werden müssen. In anderen Fällen hingegen gibt es Pflegebedürftige, die zwar auch auf Hilfe angewiesen sind, aber das dann nur zweimal wöchentlich, beispielsweise zum Duschen. Diese Menschen können dann auch etwas warten.

Fachkräftemangle bei Pflegediensten

Bei Pflegediensten herrscht ein genereller Fachkräftemangel. Zwar dürfen ungelernte Kräfte auch helfen, aber sie dürfen nicht alle Aufgaben übernehmen, beispielsweise dürfen sie keine Medikamente geben oder Untersuchungen durchführen. Da bei den mobilen Pflegediensten über die Krankenkasse abgerechnet wird, muss alles ordentlich dokumentiert werden.

Untersuchungen dürfen bei Pflegediensten nur gelernte Fachkräfte ausführen, davon gibt es zu wenige. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

„Das heißt was durch eine ungelernte Fachkraft durchgeführt wird, muss von einer gelernten Fachkraft gegengezeichnet werden“, sagt Jennifer Mathmann. Wenn also eine ungelernte Fachkraft beim Pflegenden eintrifft und diese versorgt, muss innerhalb einer viertel Stunde die gelernte Fachkraft anwesend sein, um die Versorgungsmaßnahmen zu sehen und ordentlich zu dokumentieren.

Fachkräftemangen, organisatorischer Aufwand und Baustellen

Also muss im Endeffekt die Fachkraft anwesend sein und kann in der Zeit keine anderen Menschen versorgen, für die die Pflege ebenfalls wichtig wäre. Hinzu kommt noch, dass es im Pflegedienst einen hohen organisatorischen Aufwand zu bewältigen gibt. „Man muss zeitgleich beim zu Pflegenden sein, die Maßnahmen kontrollieren und die Dokumentation machen“, sagt Jennifer Mathmann.

Außerdem gebe es derzeit viele Baustellen in Legden, so dass im Moment viele Umleitungen auf den geplanten Routen gefahren werden müssen, „viele Straßen sind gesperrt und all das kostet zusätzlich Zeit“, so Mathmann. Das ist Zeit, die ohnehin nicht da ist.

Langfristig rückt man auf frühere Zeiten

Wegen all dieser Faktoren müssen also tatsächlich einige Pflegebedürftige teilweise bis mittags auf Pflegedienste warten. „Das stimmt wohl, aber wir wollen neuen zu Pflegenden auch keine Zeiten versprechen, die wir dann doch nicht einhalten können“, sagt Jennifer Mathmann. Auf Dauer rücken auch die Neuen dann auf frühere Termine. „Wenn andere versterben oder in ein Seniorenheim kommen, dann werden frühere Lücken frei und es rutschen welche nach“, erklärt sie weiter.

Viele würden außerdem vergessen, dass der Pflegedienst bereits um 6 Uhr morgens mit der Arbeit beginnt. Es gibt Früh- und Spätschichten. Wenn also ein Mitarbeiter aus dem Spätdienst kommt und morgens wieder antritt, muss er sehen, dass er die gesetzlich festgehaltene Ruhepause zwischen den Schichten einhält.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen

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