Moderne Ideen im späten Mittelalter

Luthertag in Ahaus

„Luther lesen – Mit Luther lernen“ lautete das Motto des Luthertages mit Prof. Dr. Günter Brakelmann im evangelischen Dorothee-Sölle-Gemeindehaus in Ahaus.

AHAUS/HEEK/LEGDEN

16.10.2011, 16:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Pfarrer Dr. Manfred Keller (Evangelisches Forum Westfalen, l.) und Prof. Dr. Günter Brakelmann.

Pfarrer Dr. Manfred Keller (Evangelisches Forum Westfalen, l.) und Prof. Dr. Günter Brakelmann.

Für Luther waren die Vertreter der Obrigkeit nicht Herr des Gewissens. „Die Obrigkeit hat keine Gewalt über den Glauben“, übersetzte Brakelmann eingängig. Eine Aufgliederung des göttlichen Willens nach dem jeweiligen Stand sei ebenso unmöglich. Luthers Kritik richtete sich an die Obrigkeiten seiner Zeit, die weltlich und geistlich über die sogenannten Untertanen herrschten.  Die weltliche Ordnung zur eigenen Sicherheit benötigten alle Christen, die geistliche Ordnung sei von Gott gegeben. Die zehn Gebote empfahl er deshalb als Beichtspiegel. Brakelmann machte deutlich, dass Luther Erfahrungen, die er mit sich und den Menschen gemacht hatte, in seine Lehre einbrachte. „Man muss unterscheiden zwischen dem Reich Gottes und der Welt“, griff Keller den roten Faden der Argumentation auf. Beide Regimenter träfen im „Gewissen“ aufeinander, so Bartkowski. Insgesamt sollte man dynamischer denken und nicht im „Schwarz-Weiß-Muster“, forderte Brakelmann mit Blick auf das thematisierte Verhältnis „Untertan – Obrigkeit“.

Weder Untertanen noch Fürsten seien die besseren Menschen oder die besseren Christen. Die Menschenrechte, Gleichheit zwischen Mann und Frau und die Freiheit des Glaubens habe Luther in dieser Schrift formuliert. Damit sei er seiner Zeit weit voraus gewesen, so Brakelmann. In einer abschließenden Andacht fasste Keller das Erlernte aus der Luther-Schrift zusammen und überführte es in die Gegenwart. Heute hätten wir Parteien und Politiker, die man kritisch begleiten solle, so Keller.

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